Plattenproduzentin Gerti Jankejova verstarb 75jährig am 27. Februar 2020

Jahrelang litt die Plattenproduzentin Gerti Jankejova an einer schweren Lungenkrankheit (COPD) und wurde von ihrem Mann Jan Jankeje liebevoll gepflegt. In seiner Anwesenheit verstarb sie am Morgen vom 27. Februar 2020 friedlich in der Spezialklinik Löwenstein. 

Gertraud Oberndorfer wurde am 21. Januar 1945 in Thüringen geboren, unter dem Namen Gerti Jankejova erlangte sie in der Jazzwelt beträchtliche Bedeutung. 1974 gründete Gerti zusammen mit ihrem Mann, dem aus der Slowakei stammenden Kontrabassisten Jan Jankeje, in Stuttgart die Schallplattenfirma „Jazzpoint Records“. Zum ersten großen Star dieses Labels erwuchs in Wunderkind-Jahren der Gitarrist Bireli Lagrene, der von dem Ehepaar Jankeje musikalisch und verlegerisch unter die Fittiche genommen wurde. Das Vinyl (und die spätere CD) „Routes to Django“ erlangte allgemein große Beachtung und öffnete für das Talent auch bei vielen TV-Anstalten die Studiotüren.

Das Label spezialisierte sich, Zufall oder nicht, auf Saiteninstrumente. Mit solchen Koryphäen wie Larry Coryell, Jaco Pastorius, Subroto Roy Chowdhury, Vic Juris, Katie Kern und Miroslav Vitous führten Gerti Jankejova und Jan Jankeje zahlreiche Produktionen durch. Aber auch der italienische Pianist Romano Mussolini und der hochbetagte US-Indianer Benny Waters (Altsaxophon) wurden von den beiden produziert. 

Zum Clou geriet, dass Gerti Jankejova sich die übrig gebliebene Rechte an einem Konzert von Louis Armstrong 1965 im Ostberliner Friedrichstadtpalast sichern und die akustische Ausbeute im Jahre 2000 auf zwei CDs veröffentlichen konnte. Da blies Satchmo der DDR ganz fröhlich den Beerdigungsmarsch „When the Saints“…

Auch eine DVD befindet sich im Repertoire von „Jazzpoint Records“: Ein in Öhringen erfolgter Konzertmitschnitt mit dem österreichischen Multiinstrumentalisten Oscar Klein und seinem Quintett. Als Bonus bekommt man interessante Interviews mit den beteiligten Musikern hinzu.

Die physikalischen Tonträger verloren mittlerweile an Marktanteilen. Vom neuen Domizil (Entengasse 10 in Weinsberg bei Heilbronn) aus schloss sich Gerti Jankejova notgedrungen dem allgemeinen Trend an und ließ die Musik ihrer Firma als Downloads ins Netz stellen. Im Rentenalter galt es, das Erbe ihres Labels zu verwalten. Probleme mit der Gesundheit verhinderten, dass sie musikverlegerisch neue und große Projekte in Angriff nehmen konnte. Als Konstante bei „Jazzpoint Records“ blieb Jan Jankeje, der sich mit mobilen Bands auch gerne bei „YouTube“ zeigt – nicht ohne einen Hinweis auf die Familienfirma ins Bild zu rücken.

Text und Fotografie von Hans KumpfKumpfs Kolumnen

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4 Gedanken zu „Plattenproduzentin Gerti Jankejova verstarb 75jährig am 27. Februar 2020“

  1. Jan kenne ich seit vielen Jahren vom Dixielandfestival in Dresden. Seine Frau Gertie brachte er 2012 zu den Dixie- und Swingtagen nach Quedlinburg mit. In den Gesprächen mit Gertie erlebte ich eine selbbewusste und kompetente Frau in Punkto Musik, Jazz und Business. Sie sprach sehr liebevoll mit kleinen Anekdoten gespickt über das Kennenlernen, Arbeit und Liebe zu Jan. Gerne erinnere ich mich an die Zeit in Quedlinburg zurück. Sie waren für einander geschaffen und schafften in ihrem künstlerischen, gemeinsamen Leben. Da ich Jan als Mensch und Musiker erleben durfte und schätze, wünsche ich ihm ganz viel Kraft. Mögen ihm die schönen Tage mit seiner Frau und Geschäftspartnerin Lebensmut verleihen.

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  2. Lieber Jan,
    unser tief empfundenes Beileid für den großen Verlust, verbunden mit dem Wunsch für Dich, dem Leben die beste Chance zu geben!
    Stets gerne an Deiner Seite, nicht nur „in Wort”, sondern auch in der Tat,
    Judith und Feri Incze
    aus Obersulm-Willsbach

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  3. Ich lag 2017 auch in der Klinik Löwenstein und Gertie war meine Bettnachbarin. Wir verstanden uns sehr gut und hatten immer wieder per whatsapp Kontakt, zuletzt am 25.2., als sie mir ein Video sandte mit dem einen Kakadu. Es tut mir so leid und mein Mitgefühl gehört Jan. 

    Rest in peace liebe Gertie

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