Der Bassist, Komponist und Arrangeur Günter Lenz ist gestorben. Er gehörte zu den wichtigen Musikern des deutschen Jazz und war über Jahrzehnte in zentralen Formationen der Szene aktiv.
Günter Lenz wurde am 25. Juli 1938 in Frankfurt am Main geboren. Zunächst spielte er Gitarre, wechselte aber während seines Wehrdienstes Ende der 1950er Jahre zum Kontrabass. Wie viele Musiker der Zeit sammelte er Erfahrungen in Jazzclubs, unter anderem im Umfeld der amerikanischen Streitkräfte. 1961 wurde er Mitglied des Quintetts von Albert Mangelsdorff. Diese Zusammenarbeit wurde zu einer der prägenden Stationen seiner Laufbahn.
Mit Mangelsdorff, Heinz Sauer, Günter Kronberg und Ralf Hübner war Lenz an mehreren wichtigen Aufnahmen des deutschen Jazz beteiligt. Dazu zählen unter anderem „Tension“, „Now Jazz Ramwong“, „Folk Mond & Flower Dream“ und „Never Let It End“. Lenz war in diesen Zusammenhängen kein bloßer Begleiter, sondern ein Bassist mit klarer rhythmischer und harmonischer Funktion innerhalb eines modernen Ensemblespiels.
Eine weitere wichtige Station war seine Arbeit im hr-Jazzensemble. Dort war Lenz nicht nur als Instrumentalist tätig, sondern auch als Komponist und Arrangeur. Das Rundfunkumfeld gab ihm auch die Möglichkeit, in größeren Besetzungen zu arbeiten und eigene musikalische Vorstellungen umzusetzen.
International beachtet wurde auch seine Mitwirkung an Krzysztof Komedas Album „Astigmatic“, das 1965 entstand und heute als eines der Schlüsselwerke des europäischen Jazz gilt. Lenz spielte dort an der Seite von Komeda, Tomasz Stańko, Zbigniew Namysłowski und Rune Carlsson. Hans Kumpf führte im Jahr 2017 dazu ein Interview mit Günter Lenz.
Im Lauf seiner Karriere arbeitete Günter Lenz mit zahlreichen deutschen und internationalen Musikern zusammen, darunter George Russell, Leon Thomas, Barney Wilen, Kurt Edelhagen, Peter Herbolzheimer, Manfred Schoof, Marvin Peterson, Herbert Joos und Patrick Bebelaar. Auch Begegnungen mit Musikern wie Chet Baker, Coleman Hawkins, Oliver Nelson und Benny Bailey sind Teil seiner Biografie.
Ende der 1970er Jahre gründete Lenz die Formation Springtime. Mit dieser Band verfolgte er eigene kompositorische und improvisatorische Konzepte zwischen Modern Jazz, Fusion und kammermusikalisch geprägten Formen. Zu den beteiligten Musikern zählten unter anderem Pianist Bob Degen und der Tompeter Claus Stötter.
Neben seiner Tätigkeit als Musiker war Lenz auch pädagogisch aktiv. Von 2001 bis 2006 unterrichtete er Bass an der Musikhochschule Stuttgart. 2004 wurde er mit dem Hessischen Jazzpreis ausgezeichnet.
Günter Lenz war über viele Jahrzehnte eine verlässliche und vielseitige Stimme im deutschen Jazz. Seine Bedeutung liegt nicht nur in der langen Liste prominenter Kooperationen, sondern auch in seiner Fähigkeit, sehr unterschiedliche musikalische Zusammenhänge mitzugestalten: vom Quintett über das Rundfunkensemble bis zur eigenen Band.
Günter Lenz – Fotografien von Hans Kumpf
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