Wie aus Kreisen seiner Musikerkollegen bekannt wurde, ist der Musiker Gunter Hampel am 18. Mai 2026 verstorben.*
Mit Gunter Hampel verliert der europäische Jazz eine seiner prägenden Persönlichkeiten der Nachkriegszeit. Der unglaublich vielseitige Musiker war ein Vibraphonist, Saxophonist, Flötist, Bassklarinettist und Komponist, der seit den 1960er Jahren zu den zentralen Figuren des freien Jazz in Europa zählte.
Der 1937 in Göttingen geborene Musiker gehörte zu jener Generation, die den europäischen Jazz aus der engen Orientierung am amerikanischen Vorbild herausführte und eine eigenständige improvisierte Musik entwickelte. Nach einem Architekturstudium und Studien im klassischen Schlagzeug – Jazzstudiengänge existierten damals noch nicht – entwickelte sich Hampel seit den frühen 1960er Jahren zu einer zentralen Figur des europäischen Free Jazz. Mit seinem 1964 gegründeten Quintett um Manfred Schoof, Alexander von Schlippenbach, Buschi Niebergall und Pierre Courbois entstand 1965 die Aufnahme „Heartplants“, die heute als eines der frühen international beachteten Dokumente des europäischen Free Jazz gilt.
In den folgenden Jahrzehnten arbeitete Hampel mit Musikern wie Anthony Braxton, Marion Brown, Jeanne Lee oder Willem Breuker zusammen und bewegte sich selbstverständlich zwischen europäischen und amerikanischen Szenen. Michael Rüsenberg bezeichnete ihn in diesem Kontext als einen der „adaptionsfähigsten deutschen Jazzmusiker“. Er hat mit Gunter Hampel im Jahr 2019 ein Interview geführt, das im O-Ton auf der Website des Stadtgarten Köln gehört werden kann.
Besondere Bedeutung gewann seine in New York gegründete Galaxie Dream Band, mit der Hampel über viele Jahre hinweg eine offene, stilistisch grenzüberschreitende Form improvisierter Musik entwickelte. Charakteristisch für seine Arbeit war die Verbindung von Free Jazz, experimenteller Klangforschung, poetischen Strukturen und rhythmischer Offenheit. Dabei blieb Hampel stets ein Musiker, der unabhängig arbeitete und eigene Produktions- und Vertriebswege nutzte. Mit seinem Label birth records veröffentlichte er über Jahrzehnte hinweg zahlreiche Produktionen außerhalb des etablierten Musikmarktes.
In den 1990er Jahren öffnete sich Hampel auch jüngeren musikalischen Strömungen, arbeitete mit HipHop-Musikern zusammen und trat unter anderem mit der Jazzkantine auf. Auch in späteren Jahren blieb Hampel künstlerisch aktiv, arbeitete mit jüngeren Musikern zusammen und suchte immer wieder neue Kontexte zwischen Jazz, improvisierter Musik, Tanz, Spoken Word und interdisziplinären Projekten. Parallel engagierte er sich in Workshops und musikpädagogischen Formaten für Kinder und Jugendliche.
Für sein Werk erhielt Gunter Hampel zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Deutschen Jazzpreis (Albert Mangelsdorff Preis) für sein Lebenswerk 2007 und das Bundesverdienstkreuz 2009. Sein Einfluss auf den europäischen Free Jazz und die improvisierte Musik reicht weit über Deutschland hinaus.
Mit Gunter Hampel geht ein Musiker, der über Jahrzehnte hinweg konsequent eigene Wege verfolgt hat – produktiv und unabhängig.
*Korrektur / Ergänzung: Der Todestag von Gunter Hampel war bereits der 18.5.2026.
Fotos von Hans Kumpf | Hans Kumpfs Beitrag zum 85. Geburtstag von Gunter Hampel.
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© 1997 – today | ISSN 2751-4099















Durfte ihn in den Siebzigern kennenlernen.Wir spielten eine kleine Drum Section auf der Druckmaschine in der Druckerei, in der ich arbeitete, und er einige Plakate drucken ließ
🕊️ Würdigung und Anteilnahme für Gunter Hampel
Mit großer Betroffenheit habe ich vom Tod Gunter Hampels erfahren. Sein Weggang bedeutet einen spürbaren Verlust für die internationale Jazzwelt — und für alle, die ihm persönlich begegnen durften.
Gunter war ein Pionier des Free Jazz, ein Musiker von seltener Konsequenz, Kreativität und innerer Freiheit. Er hat Generationen von Künstlerinnen und Künstlern inspiriert, Grenzen zu überschreiten und Musik als offenen Raum zu begreifen. Seine Arbeit mit der Galaxie Dream Band, seine unzähligen Kompositionen und seine unverwechselbare Klangsprache bleiben als Vermächtnis bestehen.
Für mich persönlich bleibt die Erinnerung an einen warmherzigen, intensiven und zutiefst menschlichen Künstler, mit dem ich über viele Jahre befreundet war. Besonders die gemeinsame Zeit auf der Deutschlandtournee 1982 mit ihm und Marion Brown hat mich geprägt. Diese Erlebnisse, Gespräche und Momente unterwegs werde ich immer in Ehren halten.
Mein tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und allen, die ihm nahestanden.
Gunter hinterlässt eine Lücke — aber auch ein Werk, das weiterlebt und berührt.