Anke Helfrich-Trio in Mainz mit „Dedication”

Anke Helfrich Trio - Photo: Mümpfer

Aus dem Lap­top auf dem Bech­stein-Flü­gel erklingt die Stim­me des Bür­ger­recht­lers Mar­tin Luther King. Sei­ne legen­dä­ren Wor­te „I have a dream“ wer­den ver­stärkt und betont durch einen wuch­ti­gen Akkord­griff der Pia­nis­tin Anke Helfrich. Sie hat die Rede aus dem Jahr 1963 im Sprach­fluss genau­es­tens tran­skri­biert und auf eine Melo­die­li­nie har­mo­ni­siert. Das Trio mit dem Bas­sis­ten Mar­tin Wind und dem Schlag­zeu­ger Jens Düp­pe ver­wan­delt die Anspra­che zu einem mit­rei­ßen­den Gos­pel­song. „The pri­ze“ setzt beim Kon­zert im Frank­fur­ter Hof in Mainz einen wür­di­gen Schluss­punkt, bei dem Helfrich Clus­ter auf dem Flü­gel häm­mert, mit Osti­na­ti Span­nung erzeugt, Wind den Kon­tra­bass mit dem Bogen streicht und Düp­pe mit Tüchern und Besen die Fel­le zum Vibrie­ren bringt – bevor das Trio in eine ful­mi­nan­tes Fina­le ein­steigt.

Die Wein­hei­me­rin erzählt bei der Vor­stel­lung ihrer CD „Dedi­ca­ti­on“ von ihrer Kind­heit in Süd­afri­ka, wohin es die Eltern ver­schla­gen hat. Sie berich­tet von ihrem Enga­ge­ment in der Anti-Apart­heid-Bewe­gung, den Besu­chen in den Ghet­tos und von ihrer Bewun­de­rung für Nel­son Man­de­la. Anke Helfrich zitiert das Lieb­lings­ge­dicht „Invic­tus“ des legen­dä­ren Man­nes und bet­tet die Wor­te von Wil­liam Ernest Hen­ley „I am the cap­tain of my soul“ in ihre sound­star­ke Kom­po­si­ti­on. Eben­so kom­plex und als ein Stück für drei gleich­be­rech­tig­te musi­ka­li­sche Part­ner erklingt „Chan´s song“ von Her­bie Han­cock aus dem Jazz-Film „Round Mid­ni­ght“, wäh­rend aus dem Com­pu­ter die Melo­die ange­spielt wird. Nahe­zu bal­la­desk mit medi­ta­ti­ven Akkord­an­schlä­gen auf dem Flü­gel, har­mo­nisch reiz­vol­len Bass­li­ni­en und sanf­tem Trom­mel­spiel erin­nert sich die Pia­nis­tin an den Strei­fen des Regis­seurs Bert­rand Taver­nier. „Neben Dex­ter Gor­don und Way­ne Shorter sind fast aus­schließ­lich Jaz­zer auf­ge­tre­ten“, berich­tet die renom­mier­te Musi­ke­rin. Sie liebt in dem Strei­fen beson­ders die Sze­ne am Meer, in der die zitier­te Kom­po­si­ti­on erklingt

“Dedi­ca­ti­on“ kann mit Zuord­nung oder Hin­ga­be über­setzt wer­den. Inspi­ra­tio­nen haben der Pia­nis­tin und Kom­po­nis­tin berühm­te Män­ner gelie­fert, doch sie hat die „star­ken Frau­en aus der Fami­lie“ nicht ver­ges­sen. Ihnen wid­met Anke Helfrich mit „Sagra­da fami­lia“ ein Stück, das sie mit har­ten Akkor­den ein­lei­tet. Eben­so lie­be­voll, aber mit wei­cher Stim­mung, ein­ge­spiel­tem Vogel­ge­zwit­scher und war­mem Har­mo­ni­um­klang erin­nert sie sich an Ita­li­en. Die Kom­po­si­ti­on „Sehn­sucht“ prä­sen­tiert den Bas­sis­ten Mar­tin Wind mit Piz­zi­ca­ti und gestri­che­nen Pas­sa­gen auf dem Kon­tra­bass. Düp­pe erhält mehr­fach die Gele­gen­heit zu viel­schich­ti­gen und trei­ben­den Soli auf dem Schlag­zeug. Das Trio pen­delt an die­sem Abend zwi­schen sub­ti­len Bal­la­den, frei­en Impro­vi­sa­tio­nen, groo­ven­dem Spiel und swin­gen­dem Bop. The­lo­nious Monk, der in Helfrichs musi­ka­li­schem Wer­de­gang eine beson­de­re Rol­le spiel­te, hat hör­bar ihre Kunst befruch­tet.

Das Publi­kum im Frank­fur­ter Hof in Mainz spen­det fre­ne­ti­schen Applaus. Das Anke Helfrich-Trio belohnt es mit „Song for Lar­ry“. Die­se Zuga­be wid­met sie dem Orga­nis­ten und Pia­nis­ten Gol­dings.

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