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Leonhad Huhn / Sebastian Gramss (MZ, Galerie Schauder)
31 Oktober @ 20:00

Der Berliner Journalist Jan Künemund schrieb zum Erscheinen der CD Far East Suite (fixcel records):
Der ferne Osten wurde 1966 in einem Tonstudio in New York City erfunden. Da war die Karawane schon seit zwei Jahren wieder zurück, das berühmteste Stück sowieso schon vor der Reise fertig. Ein Orientalismus: Blaue Vögel und blaue Gewürze kamen als lyrischer Nebel aus Ellingtons Wunderlampe und wurden zu Jazz, Beat und Exotic Sounds.
45 Jahre später entstehen in einem Tonstudio, weit entfernt von New York und Isfahan, aus großorchestralen Klangflächen Mikrotongedichte. Wie gewagt und verrückt, fünfzehn Stimmen auf zwei zu reduzieren, knarzende Baritonsaxophone, flatternde Klarinetten, ein versponnenes Klavier, einen Gonsalves, einen Hodges, einen Anderson und zwei Ellingtons auf ein Duo aus Holz und Metall, aus Schwingung und Luft, aus Flageoletts und Hauch. Der große Sound bleibt – ein ganzes Orchester erscheint im Klangreichtum von Sebastian Gramss und Leonhard Huhn wie eine Fata Morgana. Alles wird in Intimität überführt, die voluminöse Klangwolke ist ganz nah, wird körperlich, erfasst Fibern, Poren und Haarspitzen. Und so geht man auf Reisen, mit Walking Bass und auf Sax-Läufen, auf fliegenden Teppichen und Kamelrücken, zu Bergen, durch Wüsten, zur Hauptstadt der Safawiden. Und im Livetrack von „Amad“ bewegt sich das Publikum schon mit. Wie sich die flirrenden Texturen von Gramss und Huhn verweben, umschließen und, wie in „Agra“, sogar verschmelzen, ist ein stilles Großereignis. Am Ende hat man den „Tourist Point Of View“ zwar nicht verlassen, ist aber vom Glück höchstens einen Mikroton entfernt…
(Jan Künemund)