Keith Tippett ist verstorben

Am 14. Juni ist der Pianist Keith Tippett vestorben (*25. August 1947 –  †14. Juni 2020). Tippett – der eigentlich „Tippetts“ hieß und den letzten Buchstaben seines Nachnamens opferte, weil sich „Keith Tippetts Sextett“ nicht gut aussprechen ließ – war einer der wichtigsten britischen Pianisten des Jazz aber auch genreübergreifend.

Tippett begann bereits als Teenager Jazz zu spielen, ganz klassisch, mit Traditional Jazz und Bebop. Mitte der 1960er Jahre begab er sich nach London, und zunächst war das eine ernüchternde Erfahrung: „I was so romantic, I just thought I’d get off the train in London, bump into Ronnie Scott or someone like that and start playing in jazz groups. Of course it wasn’t like that.”  Es sollte nicht lange so bleiben, er fand Anschluss an Musiker aus dem Umfeld des südafrikanischen Komponisten und Pianisten Chris McGregor. Rasch gründete er sein eigenes „Keith Tippett Sextett“.

Keith Tippett entwickelte bald eine Affinität zu Jazzrock und Progrock Formationen. Er war Mitglied von Soft Machine, arbeitete mit Robert Fripp zusammen und  wirkte an drei Alben von dessen Band King Crimson mit. In Großformationen, „Centipede“, später „Tapestry“, spielte er mit Musikern aus Jazz, Rock und Klassik. Anfang der 1970er Jahre schrieb die Zeitschrift „Melody Maker“ über einen Titel von „Centipede“: „In this one piece he has done more than almost anybody else that comes to mind in breaking down barriers in rock, jazz and classical music“.

Gemeinsam mit seiner Frau, der experimentellen Vokalistin Julie Tippetts, gründete er das Trio „Ovary Lodge“, später spielte er – die Bilder unten entstanden beim Just Music Festival 2012 – mit ihr auch häufig im Duo.

Ende der 1980er Jahre gründete er die Band „Mujician“ mit Paul Dunmall (sx), Paul Rogers (b) und Tony Levin (dr) – der Name geht auf seine Tochter zurück, die auf eine Frage nach dem Beruf des Vaters in der Schule „Mujician“ geschrieben hatte. Tippett gefiel die Mischung aus „Magician“ und „Musician“.

Keith Tippet war auch als Lehrer tätig, unter anderem an der University of Bristol, seiner Geburtsstadt, und am Welsh College of Music and Drama. Seit 2018 kämpfte Tippett nach einem Herzanfall mit gesundheitlichen Problemen, über seine genaue Todesursache ist noch nichts bekannt.

Fotos von Frank Schindelbeck.

Fotos von Hans Kumpf:

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