Jazzpages Jazz News 200614

Live mit – wenig – Publikum

…klingt nach dem üblichen Freejazz Konzert. Gemeint sind die zunehmend behutsamen Öffnungsversuche für ganz normale Jazzkonzerte. Von Normalität sind die ersten Veranstaltungen noch weit entfernt: Veinzelter Eintritt, Hinterlassen der Adresse, man wird mit Maske zum Zweiertisch geführt;, die sind in gebührendem Abstand zueinander gestellt. Am Tisch darf die Maske abgenommen werden, beim Weg zu den Getränken oder deren Entsorgung wird sie wieder aufgesetzt. In der Halle, in der sich schon einmal an die tausend Besucher drängeln, sind etwa 40 Zuhörer. Nicht alles Spielstätten haben diese Möglichkeit. Aber: was für ein Unterschied zum Livestreaming. Schönes Konzert mit Joss Turnbull in der Alten Feuerwache Mannheim war’s.

Jazzfestivals reagieren

Nach der Absage der meisten Frühjahrs- und Sommerjazzfestivals gibt es auch hier Wege zur Milderung des Entzugs. Die Inntöne von Paul Zauner sind auf 14.–16. August verschoben und als Open Air Veranstaltung konzipiert. Die Bezau Beatz von Alfred Vogel, zunächst abgesagt, reagieren auf die Lockerungen der Österreichischen Regierung und veranstalten ein 100-Personen Festival am 7. und 8. August. Mit Priorität für Stammgäste und der leisen Hoffnung, dass mit weiteren Lockerungen eventuell sogar einige Besucher mehr zugelassen werden können. Und auch das Jazzfestival Saalfelden, ebenfalls vor einigen Wochen abgesagt, stellt ein beachtliches Programm für einen „Jazz Saalfelden Weekender” von 20.–23. August auf die Beine. Bleibt zu wünschen, dass alles gut geht und damit für den Herbst die Türen für Jazzveranstaltungen offen bleiben. Der Webmaster hofft auf ein coronafreies Salzburg ab 14. Oktober.

Förderprogramm „Live 100 unterstützt bundesweit 215 Clubs

Bei vielen kleinen Spielstätten brennt es lichterloh. Die LiveKomm schreibt an die Bundesregierung einen offenen Brief: „Eine Masseninsolvenz droht unmittelbar – Ruin der Club- und Festivalkultur in Deutschland steht bevor“. Ob das Förderprogramm der Initiative Musik mehr sein kann, als einige Tropfen auf die Brände? Immerhin gibt es Folgendes:

Mit Live 100 hat die Initiative Musik in Kooperation mit der LiveKomm ein neues Programm für Livemusikspielstätten gestartet. Die Förderung richtet sich gezielt an kleine Clubs, sogenannte „Grassroots Venues“, die jungen Bands und experimentellen Formaten eine Bühne bieten. Diese „Grassroot“-Konzerte werden mit 200 Euro pro Veranstaltung gefördert. Dabei gehen 100 Euro an den Club und 100 Euro als Gagenanteil an die auftretenden Künstler.

  • Unterstützung für Kleinkonzerte mit einem Zuschuss von je 200 Euro pro Konzert
  • 6.900 Veranstaltungen werden mit insgesamt 1,4 Millionen Euro bezuschusst
  • Covid-19-Anpassungen: Projektzeitraum um zwei Monate verlängert, Zuschuss auch für Streaming-Konzerte

In der ersten Runde des Programms werden 215 Musikclubs aus dem gesamten Bundesgebiet für 6.900 Liveveranstaltungen unterstützt. Live 100 soll einen Anreiz schaffen, mehr solcher Kleinkonzerte zu veranstalten, denn für viele Newcomer sind Auftritte vor einem unbekannten und kleineren Publikum essenziell, um eine aussagekräftige Bühnenpräsenz zu entwickeln.
Die Förderung ist nicht an Genres gebunden.

https://www.initiative-musik.de

Parkside im Hof Festival Offenbach im Juli und August

Das Festival im Hof der Parkside-Studios in Offenbach soll ab Anfang Juli bis Mitte August jeweils von Donnerstag bis Samstag laufen. Mit dem alten Industriebau als Kulisse ist Kino, Theater und Livemusik geplant. Als Veranstalter sind unter anderem die Kinoinitiativen Lederpalast und Filmklubb Offenbach sowie Volker Rebell und die Akademie für interdisziplinäre Prozesse dabei, begleitet von der Stadt Offenbach. Das sudddenorchestra spielt am 29. August.
www.afip-hessen.de

Leider problematisch sind natürlich Formate wie „Festivals in den Häusern der Stadt“. Das Festival mit Kulturveranstaltugen in Privatwohnungen der Städte Köln, Bonn und Hamburg musste abgesagt werden.

Der Freie Radio Jazzkollege Peter Reif-Spirek war wieder einmal am Mikro – mit zwei Kollegen – beim Radio F.R.E.I. – drei Stunden zum Nachhören. Corona spielt auch hier eine Rolle: die Sendung wurde im Homeoffice aufgezeichnet. Klasse Musik, gleich zu Beginn mit Yazz Ahmed.

Es sei erwähnt: Die Fotogalerie des letzten Jazzfestivals, dass ich besuchen konnte, ist jetzt doch „schon“ online. Auf Jazzfotografie.de sind die Bilder vom diesjährigen Just Music Beyond Jazz Festival 2020 zu sehen.

Die Jazznews der Jazzpages sind kurze Hinweise und Meldungen zu Jazz, Musik und Allem drumherum, die bei den Jazzpages eintrudeln und einen größeren Kreis von Interessenten ansprechen könnten. Wir freuen uns über entsprechende Jazz-Kurznachrichten an jazz@jazzpages.com.

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