Just Music 2012 – Interview mit Raimund Knösche

Just Music, das inter­na­tio­na­le Jazz­fes­ti­val in Wies­ba­den fin­det 2012 in der 7. Aus­ga­be statt, wie erst­mals 2011 früh im Jahr vom 24. bis 25. Febru­ar. Orga­ni­siert wird Just Music von „Jaz­zar­chi­tekt“ Rai­mund Knö­sche und dem Pia­nis­ten Uwe Oberg und es ist ein cle­ve­rer Schach­zug der Ver­an­stal­ter, das Fes­ti­val so früh ins Jahr zu legen, hält man sich damit doch aus den Fes­ti­val-Stür­men des Som­mers und Herbs­tes her­aus und offe­riert dem jazz­hung­ri­gen Jazz­volk mit die ers­ten deli­ka­ten Jazz­fes­ti­val-Häpp­chen der Sai­son.

Ein­hei­mi­sche Gewäch­se, wie Sebas­ti­an Gramss und Pablo Held aus der just wie­der erstar­ken­den Köl­ner Sze­ne. „ Monk’s Casi­no“ mit einem wei­sen alten Mann am Kla­vier – Alex­an­der Schlip­pen­bach – der die jün­ge­re Ber­li­ner Avant­gar­de inklu­si­ve des aktu­el­len SWR-Jazz­preis­trä­gers Rudi Mahall um sich schart um sich einer zwi­schen Iro­nie und Respekt hoch­schau­keln­den Hom­mage an das Werk The­lo­nious Monks zu wid­men. Avant­gar­de Urge­stei­ne wie Keith Tip­pet mit Julie Tip­pets; der mit bei­den Hän­den eigen­stän­dig in der Impro­vi­sa­ti­ons­mu­sik wüh­len­de Uwe Oberg solo am Kla­vier und das stets zum Spie­len auf­ge­leg­te und spiel­freu­di­ge Ensem­ble „Most­ly other Peop­le do the Kil­ling“.

Nur weni­ge Fes­ti­vals in Deutsch­land set­zen der­art kon­se­quent auf die Avant­gar­de des natio­na­len und inter­na­tio­na­len Jazz, ohne Rück­griff auf die bei Fes­ti­vals mitt­ler­wei­le so beliebt gewor­den „Aus­set­zer“ aus Main­stream- oder gar Pop-Gefil­den.  Das Resul­tat: ein pro­fil­schar­fes Fes­ti­val aktu­el­ler impro­vi­sier­ter Musik.

Rai­mund Knö­sche im Kurz-Inter­view mit Frank Schin­del­beck


Just Music im 8. Jahr mit dem sieb­ten Fes­ti­val: ein „Ver­flix­tes“?

Den Ein­druck habe ich nicht. Wir haben uns tat­säch­lich allen Wid­rig­kei­ten zum Trotz eta­bliert, durch die Ver­le­gung des Ter­mins einen grö­ße­ren Publi­kums­zu­spruch erfah­ren, der Pres­se­fo­kus wäh­rend der letz­ten Aus­ga­be war inten­si­ver und für die dies­jäh­ri­ge Aus­ga­be konn­ten wei­te­re Spon­so­ren gewon­nen wer­den. Ten­denz stei­gend also. Und: es gibt in der Tat mitt­ler­wei­le auch ein Stamm­pu­bli­kum

Wie wür­dest du den künst­le­ri­schen Anspruch des Fes­ti­vals for­mu­lie­ren?

„Pro­fil­schar­fes Fes­ti­val aktu­el­ler impro­vi­sier­ter Musik“ trifft es auf den Punkt. Wir wol­len nach wie vor kei­nen „Gemischt­wa­ren­la­den“, wo dann für jeden Geschmack etwas dabei ist, son­dern sagen: Wir sind ein Fein­kost­la­den für Spe­zia­li­tä­ten!

Was sind eure Kri­te­ri­en bei der Aus­wahl der Künst­ler für Just Music?

Es gibt kei­nen kon­kre­ten Kri­te­ri­en­ka­ta­log, wir gehen sehr intui­tiv vor, haben per­sön­li­che Vor­lie­ben, offe­ne Ohren und vie­le Ide­en, hecheln aber kei­nen Trends hin­ter­her. Mal sind wir durch­aus in der Lage Brand­neu­es zu prä­sen­tie­ren, aber eben­so setz­ten wir auf Bewähr­tes oder lan­ge nicht mehr Gehör­tes. Zwangs­läu­fig fällt der eine oder ande­re Wunsch aus finan­zi­el­len oder ter­min­li­chen Grün­den aus, aber wir sind, den­ke ich vor allem eins: nicht: dog­ma­tisch.

Anders her­um gefragt: Gibt es auch Aus­schluss­kri­te­ri­en?

Ja, ganz ein­fach, wenn uns das, was uns zum Hören ange­bo­ten wird, schlicht­weg nicht gefällt und nicht unse­rem hohen musi­ka­li­schen Anspruch gerecht wird; die Musik soll­te schon einen Hauch von Risi­ko in sich ber­gen.

Wie siehst du die Rol­le von Just Music in der Fes­ti­val­sze­ne all­ge­mein und in Bezug auf die regio­na­le Sze­ne?

Wir bie­ten in der Nische Jazz eine Nische für den beson­de­ren Jazz im gesam­ten ange­spro­chen Raum und sind da in jedem Fall einen Berei­che­rung. Pro­gram­ma­tisch ver­gleich­bar viel­leicht mit den Fes­ti­vals in Nickel­dorf oder Wels.

Just Music fir­miert unter „Inter­na­tio­na­les Jazz­fes­ti­val“ und setzt doch auch ganz deut­lich auf Musi­ker aus Deutsch­land – wie schätzt du die deut­schen Jazz­sze­ne ein? Wel­che Rol­le spielt sie inter­na­tio­nal gese­hen, siehst du in der deut­schen Jazz­sze­ne beson­de­re Aspek­te, die auch bei Just Music dar­ge­stellt wer­den sol­len?

Zur­zeit wird ja nahe­zu wöchent­lich ein neu­es Fass auf­ge­macht mit der Fra­ge­stel­lung „Wo steht der deut­sche Jazz?“, was zum Teil zu sehr gereiz­ten Dar­stel­lun­gen und Gegen­dar­stel­lun­gen in den unter­schied­lichs­ten Pres­se­or­ga­nen führt.

Ich per­sön­lich hal­te die­se gan­zen Dis­kus­sio­nen für über­flüs­sig, weil es nicht dar­auf ankommt wer wann wo wie steht, son­dern was für Impul­se von der aktu­el­len Jazz­sze­ne, sprich den Musi­kern und der Musik, die sie MACHEN, aus­ge­hen.

Mei­ner Ansicht nach ist Jazz schon lan­ge kein ame­ri­ka­ni­sches Son­der­phä­no­men mehr, was er ja lan­ge Zeit war, son­dern die inter­na­tio­na­le Sze­ne hat sich so ver­dich­tet, dass sich erfreu­li­cher­wei­se gegen­sei­ti­ge Durch­mi­schun­gen nahe­zu von selbst erge­ben.

Und im Übri­gen weiß ich gar nicht, was das soll, stän­dig her­aus­fin­den zu wol­len oder müs­sen, was das Spe­zi­fi­sche an der deut­schen Jazz­sze­ne sei. Ich behaup­te mal es gibt in allen Regio­nen – ich spre­che hier mal ganz bewusst nicht von Län­dern – kul­tu­rel­le Beson­der­hei­ten, die ihren Ein­gang in den Jazz fin­den, und damit ist JAZZ per se inter­na­tio­nal. Wer da wo wel­chen Ein­fluss hat, ist das wirk­lich wich­tig?

Es fällt auf, dass Just Music auch einen Brü­cken­schlag zwi­schen den Genera­ti­on im Bereich der Impro­vi­sier­ten Musik schlägt. Am ers­ten Abend mit dem Duo Julie Tip­petts und Keith Tip­pett und am zwei­ten mit „Monk’s Casi­no“ – hat sich das so erge­ben oder ist das eine bewuss­te Pla­nung?

Das hat sich so erge­ben, Monk’s Casi­no war gewis­ser­ma­ßen schon gesetzt und die Tip­petts waren auf der Wunsch­lis­te. Im Grun­de ist das der nächs­te Wesen­zug des Jazz, dass sich schon immer Musi­ker aller Genera­tio­nen tref­fen.

Das dies­jäh­ri­ge Fes­ti­val beginnt gleich mit einem beson­ders reiz­vol­lem Expe­ri­ment: Zwei Trio-For­ma­tio­nen spie­len gleich­zei­tig auf der Büh­ne – Ein Pro­jekt des Bas­sis­ten Sebas­ti­an Gramss. Was hat es damit auf sich?

Sicher beant­wor­ten lässt sich das erst am Ende des Kon­zerts, hier kommt die Risi­ko­freu­de ins Spiel!

Sebas­ti­an Gramss ist bei Just Music beson­ders prä­sent. Er tritt als Initia­tor von „Makro­po­ly­pho­nie“ auf, lei­tet einen Jazz-Ensem­ble Work­shop am 2. Fes­ti­val­tag und prä­sen­tiert die Ergeb­nis­se gleich als Ope­ner des zwei­ten Fes­ti­val­abends. Reprä­sen­tiert ein Musi­ker wie Gramss spe­zi­ell die Aus­rich­tung des Fes­ti­vals?

Ja, ich den­ke schon. Er ist als Frei­geist uner­müd­lich im For­schen nach neu­en Klän­gen und durch­aus tra­di­ti­ons­be­wusst. Aber die­se Prä­senz  hat einen ein­fa­chen Hin­ter­grund, dass wir näm­lich immer einen „Just Musi­ker“  für unse­ren Ensem­ble-Work­shop ver­pflich­ten und die Ergeb­nis­se des sel­bi­gen dann auch prä­sen­tie­ren.

Wie sieht die Zukunft aus? Plant man als Fes­ti­val­ma­cher schon fürs Jahr 2013 oder ist die Ent­schei­dung wei­ter zu machen abhän­gig vom Erfolg in die­sem Jahr?

Kon­kret haben wir erst mal noch reich­lich mit der dies­jäh­ri­gen Aus­ga­be zu tun, inso­fern ist noch nichts geplant  für 2013, außer dem Wunsch, es dann auch wie­der statt­fin­den las­sen zu dür­fen!

Alle Infor­ma­tio­nen zum Just Music Bey­ond Jazz Fes­ti­val

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