Nachlese Jazzfestival Saalfelden 2019 (mit Fotos von Frank Schindelbeck)

Einen gedie­ge­nen Abschluss des Haupt­pro­gramms gönn­ten sich die Ver­an­stal­ter zur 40. Aus­ga­be des Jazz­fes­ti­vals Saal­fel­den. Joshua Red­man spiel­te mit sei­nem Quar­tett hoch arti­fi­zi­el­len Jazz, die Sor­te, die in Kon­zert­sä­le mit andäch­tig lau­schen­dem Publi­kum strebt. Pas­send dazu, dass die Foto­gra­fen für ihre obli­ga­to­ri­schen 10 Minu­ten aus­schließ­lich bei die­sem Kon­zert an den Rand der Büh­ne ver­bannt wur­den. Auch damit kann man sei­ne „Bedeu­tung“ ver­su­chen noch einen Tick nach oben zu schrau­ben. An der Musik des Quar­tetts gab es vor­her­seh­bar nichts aus­zu­set­zen. Soweit so nicht schlecht. Glück­li­cher­wei­se zeig­te sich das Fes­ti­val­pro­gramm im Städt­chen am Stei­ner­nen Meer vor­her – und auch bei der abschlie­ßen­den Ses­si­on im Kunst­haus Nexus – erheb­lich aben­teu­er­lus­ti­ger und Expe­ri­men­tel­lem auf­ge­schlos­sen.

Jazzfestival Saalfelden 2019 – Fotos aus den Satelliten-Spielstätten

Die Expe­ri­men­tier­freu­de war schon in den vie­len aktu­el­len Neue­run­gen beim Fes­ti­val ange­legt. Ange­reist am ers­ten offi­zi­el­len Fes­ti­val­tag – am Vor­tag gab es schon auf der „Ranch“, dem tra­di­tio­nel­len Spiel­ort der frü­hen Fes­ti­val­jah­re ein Kon­zert mit Saal­fel­den-Urge­stein Wolf­gang Pusch­nig – und etwas ver­spä­tet stol­per­te der Rezen­sent mit­ten in den Auf­tritt der Audio-Per­for­mance “WENDY PFERD TOD MEXICO” mit der Autorin Nata­scha Gangl, Maja Oso­j­nik und Mati­ja Schel­lan­der – ein „Klang-Comic“. Elek­tro­ni­sche Musik, Geräu­sche, Spo­ken Word Poe­try – ein zau­ber­haf­ter Ein­stieg im gro­ßen Werk­statt­raum mit alten Druck­ma­schi­nen, Setz­käs­ten und Kunst in der Buch­bin­de­rei Fuchs. Eine von zahl­rei­chen neu­en Spiel­stät­ten des neu­en Fes­ti­val­kon­zepts.

Die Spiel­stät­ten­of­fen­si­ve ist offen­sicht­lich unter ande­rem von der seit eini­ger Zeit erblü­hen­den Zusam­men­ar­beit mit „Jazz & The City“ in Salz­burg inspi­riert: in vie­len klei­ne­ren Spiel­stät­ten in der Stadt tref­fen sich Publi­kum und Musik in schma­le­ren Beset­zun­gen und mit inter­es­san­ten expe­ri­men­tel­len Kon­stel­la­tio­nen. Bei kos­ten­lo­sen Kon­zer­ten. Das lockt nicht nur mehr Men­schen aus der Stadt zum Fes­ti­val, es flicht zudem ein dich­tes Netz von Stadt und Fes­ti­val, sorgt für mehr Kom­mu­ni­ka­ti­on der Besu­cher und ermög­licht einen wun­der­bar nahen Blick mit unmit­tel­ba­rem Hör­ge­nuss auf Musi­ke­rin­nen und Musi­kern.

Beim Jazz­fes­ti­val Saal­fel­den funk­tio­niert das beson­ders gut, weil die ver­schie­de­nen „Satel­li­ten-Spiel­stät­ten“ alle nur einen Stein­wurf von­ein­an­der ent­fernt sind – ein Fes­ti­val der kur­zen Wege. Und es erge­ben sich gele­gent­lich fie­se Ent­schei­dungs­si­tua­tio­nen: Met­te Ras­mus­sen vs. Max Andrze­jew­ski solo, Orjazz­tra Vien­na, das jun­ge öster­rei­chi­sche Big­band­pro­jekt von Chris­ti­an Muth­spiel, wäh­rend – schon wie­der in der Buch­bin­de­rei – Nate Woo­ley, Ken Van­der­mark und Hil­de­gunn Øiseth jeweils solo die gra­phi­schen Kunst­wer­ke des Gang­nagl-Pro­jekts inter­pre­tier­ten. Die Aus­wahl letzt­lich: eine Fra­ge des per­sön­li­chen Geschmacks. Ange­sichts des abwechs­lungs­rei­chen Pro­gramms und der durch­weg exzel­len­ten Kon­zer­te waren die „Ver­lus­te“ ver­schmerz­bar.

Jazzfestival Saalfelden 2019 – Fotos von der Hauptbühne

Die sti­lis­ti­sche Band­brei­te von expe­ri­men­tel­len Elek­tro­ni­ka bis Rich­tung „Neo­klas­si­zis­mus“ war enorm. Knall­har­te, lau­te und vor Ener­gie bers­ten­de Bands wie MeOW (mit der dies­jäh­ri­gen SWR-Jazz­preis­trä­ge­rin Liz Kosack), Mop­cut oder Aba­ca­xi – die bei­den letz­te­ren übri­gens mit dem der­zeit sehr umtrie­bi­gen Gitar­ris­ten Juli­en Des­p­rez, lös­ten sich ab mit inti­me­ren Duo-Kon­stel­la­tio­nen. Her­aus­ra­gend waren bei den Short­cuts im Nexus Syl­vie Cour­voi­sier am Pia­no mit Trom­pe­ter Lorenz Raab und das Pia­no-Saxo­phon-Duo Elli­ot Gal­vin und Bin­ker Gol­ding. Auch das dies­jäh­ri­ge Eröff­nungs­pro­jekt von Bas­sist Manu Mayr mit der Bass­kla­ri­net­tis­tin Susan­na Gart­may­er: sehr gelun­gen. Mit einem etwas sper­ri­gen Auf­takt spä­ter in tran­ce­ar­ti­gem Flow und mit auf­ge­weck­ten Per­cus­sion-Pas­sa­gen. Das Duo eröff­ne­te das Pro­gramm auf der Haupt­büh­ne im Con­gress.

In den fol­gen­den Tagen auch dort: Viel­falt. Jai­mie Branch spiel­te die Trom­pe­te dies­mal nicht mit ihrer eige­nen Band, son­dern in der von James Bran­don Lewis – bril­lan­te For­ma­ti­on. Bei Koma­Sa­xo traf der deut­sche Schlag­zeu­ger Chris­ti­an Lil­lin­ger auf sei­nen lang­jäh­ri­gen Spiel­part­ner Frans Pet­ter Eldh und gleich drei Saxo­pho­nis­ten (Otis Sands­jö, Jonas Kull­hammar, Mikko Inna­nen). Auch neo­klas­si­zis­tisch aber mit Ver­ve und offen­sicht­li­cher Begeis­te­rung bei die­sem Fes­ti­val spie­len zu kön­nen: die bri­ti­sche Pia­nis­tin Sarah Tan­dy – mit dem Unge­stüm der jün­ge­ren Genera­ti­on in ihrer Band. Ein Wie­der­hö­ren mit Bin­ker Gol­ding am Tenor­sa­xo­phon, und in der Band spiel­te auch die Trom­pe­te­rin Shei­la Mau­rice-Grey. Letz­te­re ließ sich neben vie­len wei­te­ren Künst­lern des Fes­ti­vals noch bei Lukas Kran­zel­bin­ders „Spi­r­i­tal Unity Ses­si­on“ am spä­ten Sonn­tag after hours hören. Wie bereits im ver­gan­ge­nen Jahr ein gran­dio­ser Abschluss eines gran­dio­sen Fes­ti­vals bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den.

Jazzfestival Saalfelden 2019 – Fotos aus dem Nexus

| Jazz­fes­ti­val Saal­fel­den

Fotos Jazz­fes­ti­val Saal­fel­den / Urhe­ber­recht: Frank Schin­del­beck Jazz­fo­to­gra­fie

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