Sebastian Sternals „Transatlantic Trio“ mit „Home“ sowie das Duo Weinig/Mebus beim „Treffpunkt Jazz“ in Mainz, 9. April 2017

Sternal Transatlantic Trio - Photo: Mümpfer

„Home“ heißt die CD des Sebas­ti­an Ster­nal Trans­at­lan­tic Tri­os. In der Hei­mat Mainz ange­kom­men sei er beim letz­ten Kon­zert sei­ner Tour­nee, schmei­chelt der Pia­no-Pro­fes­sor dem Publi­kum beim „Treff­punkt Jazz“ im über­füll­ten Saal des Frank­fur­ter Hofes. Beim Titel­stück „Home“ kommt das Trio mit Jonas Burg­win­kel am Schlag­zeug und dem ame­ri­ka­ni­schen Bas­sis­ten Lar­ry Gre­na­dier dem Kern des Albums nahe. Ster­nal lässt sei­nem kon­ge­nia­len Beglei­ter aus New York Raum für ein Solo auf dem volu­mi­nö­sen Kon­tra­bass.

Das Trans­at­lan­tic Trio beginnt mit „I am the oce­an“, das zunächst ruhig dahin­fließt. Der Pia­nist wirft ein paar kur­ze repe­ti­ti­ve Akkor­de ein, der Drum­mer wischt mit den Sticks über die Fel­le und der Bass ant­wor­tet mit Bogen­stri­chen auf die Melo­die­frag­men­te aus dem Bech­stein-Flü­gel. Nur kurz dau­ert das schwe­re­lo­se Stück. Es geht naht­los in „Go“ über, bei dem auf ein poly­pho­nes The­ma eine völ­lig freie Pas­sa­ge folgt und bei dem das Trio mit per­kus­si­ven Bass­li­ni­en und trei­ben­dem Schlag­zeug im Up-Tem­po-Spiel sei­ne inter­ak­ti­ve Power ent­fal­tet.

Nach sei­nen Sym­pho­nic-Pro­jek­ten hat der Pia­nist Ster­nal zum klas­si­schen Kla­vier-Trio gefun­den, für das er zwölf Kom­po­si­tio­nen schrieb. Bei „Gra­vi­ty“ kön­nen die Musi­ker swin­gen. Der Bass mar­schiert, der Drum­mer treibt. Das Spiel groovt. Ster­nal lebt in vie­len Stü­cke sei­ne Vor­lie­be für repe­ti­ti­ve Ele­men­te aus, nutzt zum Erzeu­gen von Span­nung Har­mo­nie­va­ria­tio­nen und Osti­na­ti.

„Win­ter“ beginnt mit einer lyri­schen bis frei­en Pia­no­ein­lei­tung und ver­zwickt reiz­vol­len Har­mo­ni­en auf dem Bass sowie sanf­tem Spiel auf dem Schlag­zeug. Es geht um Melo­di­en, Ener­gie in der Musik und um Swing – natür­lich in der moder­nen Aus­le­gung und nicht im tra­di­tio­nel­len Sinn. Knal­len­des Bass­spiel und hart ange­ris­se­ne Sai­ten ver­bin­den sich mit fin­ger­fer­ti­gen Tas­ten­läu­fen und poly­rhyth­mi­schen Per­kus­sio­nen auf den Trom­meln. Burg­win­kel stand auch im Mit­tel­punkt von „Ali­as“, das Ster­nal dem ame­ri­ka­ni­schen Per­kus­sio­nis­ten Don Ali­as wid­me­te. Gre­na­dier zerrt sei­nen Kon­tra­bass per­kus­siv, Ster­nal ver­liert sich in Repe­ti­tio­nen.

In dem ein­zi­gen Klas­si­ker des Abends, Cole Por­ters „All of you“, bie­tet sich den drei Künst­lern die Mög­lich­keit für Soli, die das Publi­kum im Saal zum spon­ta­nen Applaus her­aus­for­dern. Das The­ma wird auf sei­ne Struk­tur redu­ziert und wirkt durch die Soli der drei Part­ner ste­tig im Hin­ter­grund.

Ster­nal hält es nicht auf sei­nem Hocker, sein Kör­per win­det sich, die lan­gen Bei­ne ver­schrän­ken sich unter dem Stuhl oder drü­cken die Peda­le des Flü­gels. Burg­win­kel lacht und Gre­na­dier brum­melt die auf dem Instru­ment fol­gen­den Har­mo­ni­en. Die Spiel­freu­de des Trans­at­lan­tic Tri­os springt auf die Zuhö­rer über. Man­che Kom­po­si­tio­nen sind kom­plett aus­ge­spielt, bei ande­ren wird nach ein­lei­ten­den Sin­gle Notes wie in „Sand“ wird die Idee zum Impro­vi­sie­ren frei­ge­ge­ben.

Mit dem getra­ge­nen Wie­gen­lied „Twin Song“, das Ster­nal den Zwil­lin­gen sei­ner Schwes­ter wid­me­te, schick­te das Trio sein begeis­ter­tes Publi­kum auf den Heim­weg.

Begon­nen hat­te der Abend mit einem Duo in außer­ge­wöhn­li­cher Beset­zung mit dem Kon­tra­bass von Bas­ti­an Wei­nig und dem Trom­pe­ter Mar­ko Mebus. Die bei­den jun­gen Künst­ler aus der Main­zer Musik­hoch­schu­le spiel­ten eige­ne Kom­po­si­tio­nen mal kraft­voll auf der Trom­pe­te, mal mit Atem­ge­räu­schen auf dem Flü­gel­horn sowie mit sen­si­blem Bass oder aus den Sai­ten gezerr­ten Läu­fen. Wei­nigs „Schmel­zen­de Eis­blu­men“ sind eher medi­ta­tiv, die Stan Getz-Anlei­he „Dear old Stock­holm“ fes­selt mit der gestopf­ten Trom­pe­te von Mebus. Von ihm stammt auch „The Lome“ mit dem Vibra­to auf dem Flü­gel­horn und der nor­disch anmu­ten­dem Stim­mung auf dem Bass.

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