„Jin Jim“ im rheinhessischen Jugenheim, 24. Februar 2018

Eini­ge lei­se, sanf­te Flö­ten­tö­ne erklin­gen, bevor Dani­el Man­ri­que Smith kraft­voll über­blasend bei „Duen­de“ in der Mehr­stim­mig­keit von Flö­te und Gesang lan­det. Feh­ler­frei bläst der 1982 im perua­ni­schen Lima gebo­re­ne Künst­ler sei­ne Instru­men­te von der C‑Flöte, die Alt- und die Bass­flö­te. Fas­zi­niert hört der Zuschau­er wie der zier­lich wir­ken­de Musi­ker die gesam­te Aus­drucks­fä­hig­keit sei­ner Instru­men­te nutzt – von der geschmei­di­gen melo­diö­sen Unter­ma­lung über die per­cus­siven Schnalz­tö­ne, der Überb­las­tech­nik  bis zur Mehr­stim­mig­keit, wie sie der Posau­nist Albert Man­gels­dorff kul­ti­vier­te. Nicht min­der vir­tu­os spie­len ihm der Kom­po­nist der meis­ten Stü­cke, der Bas­sist Ben Tai Tra­win­ski, der Schlag­zeu­ger Nico Stall­mannn sowie der Gitar­rist und Elek­tro­ni­ker Johann May zu. Beson­ders zwi­schen dem rasant zup­fen­den Kon­tra­bas­sis­ten sowie dem fle­xi­bel agie­ren­den Drum­mer herrscht eine vor­züg­lich ein­ge­spiel­te Zwei­sam­keit.

Dani­el Man­ri­que Smith grün­de­te „Jin Jim“ 2013. Seit­dem hat die For­ma­ti­on bei Fes­ti­vals Aus­zeich­nun­gen ein­ge­heimst und Erfol­ge bei Rei­sen rund um den Glo­bus gefei­ert. Beim jüngs­ten Kon­zert des außer­ge­wöhn­li­chen Quar­tetts der Kul­tur­in­itia­ti­ve in der Jugenhei­mer Mar­tins­kir­che begeis­tern die Künst­ler das Publi­kum und rei­ßen es zu „stan­ding ova­tions“ hin.

Die Musik ist stets geprägt von der ener­gie­ge­la­de­nen Band sowie den frei­en Impro­vi­sa­tio­nen der Solis­ten. Der Flö­tist lässt im ers­ten Stück „Qui­ro todo“ die süd­ame­ri­ka­ni­sche Folk­lo­re der Anden mit­klin­gen. Und immer wie­der kommt beson­ders bei den flink­fing­ri­gen, elek­tro­nisch ver­zerr­ten Gitar­ren-Läu­fen der unaus­weich­li­che Absturz in die Gefil­de der Rock­mu­sik – auch wenn May meist die sechs Sai­ten akzen­tu­iert und fili­gran zupft. Zu stark sind die Inten­si­täts­stei­ge­run­gen und der Dri­ve der Vier. Hin und wie­der hört der auf­merk­sam Lau­schen­de, dass der Front­man neben der Flö­te auch Klas­sik stu­dier­te. Denn die Band hat neben ihrem ener­ge­ti­schen und dem manch­mal nahe­zu ins Cre­scen­do füh­ren­de Spiel auch den lyri­schen Sound und die Ruhe bei­be­hal­ten.

Rhyth­mi­sche Osti­na­ti und Stimm-Stak­ka­ti sor­gen eben­so wie wech­seln­de Tem­pi für asso­zia­ti­ve Stim­mun­gen – etwa in „Land­s­capes“ mit der getra­ge­nen Kon­tra­bass-Ein­lei­tung und der dun­kel tim­brier­ten Bass­flö­te oder im „Duen­de“ (Kobold) mit dem viel­schich­ti­gen und auf­re­gen­den Besen-Solo auf den Fel­len der Trom­meln und den Becken. Bei „Sur­face“ greift Tra­win­ski zum Bogen, den er zunächst klop­fend, spä­ter grell und schnell strei­chend über die Sai­ten führt.

„House oft he King“ von „Focus“ ist die ein­zi­ge Fremd­kom­po­si­ti­on des Kon­zer­tes. Der hol­län­di­sche Orga­nist und Flö­tist Thijs von Leer hat zu Beginn der 70er-Jah­re die­se Pro­gres­si­ve Rock-Grup­pe gegrün­det, zu der auch zeit­wei­se der Gitar­rist Jan Akker­man gehör­te. Die­ser ers­ten der bei­den Zuga­ben, die sich die zahl­rei­chen Zuhö­rer erklat­schen, folgt das Tra­win­ski-Stück „Drea­ming“. Mit ihm for­dert der Bas­sist das Publi­kum auf, die Ver­wirk­li­chung der Träu­me, die ein Jeder hat, anzu­stre­ben. Für ihn sei­en vie­le in Erfül­lung gegan­gen. Das Werk lebt wie die Kom­po­si­tio­nen des Abends vom Kon­trast – die­ses Mal von der über­blase­nen Bass­flö­te und dem hel­len Klang der Gitar­re sowie den rhyth­mi­schen Voka­li­sen des Bas­sis­ten und des Drum­mers.

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