Jazzpages Jazz News 200109

Sebas­ti­an Gramss / Foto: Schin­del­beck

Was trump­ge­beu­tel­te US-Bands wie die Irrever­si­ble Ent­an­gle­ments oder Jai­mie Branch mit „Fly or Die” vor­ma­chen, Jazz mit poli­ti­schem Anspruch, das gibt’s jetzt auch auf Deutsch. Und nicht wei­ter ver­wun­der­lich: dahin­ter steckt der Kopf des Köl­ner Bas­sis­ten Sebas­ti­an Gramss. Das Ensem­ble unter dem Namen HARD BOILED WONDERLAND ver­spricht „Music Resis­tan­ce” und es geht um eine Viel­zahl von The­men: „Kli­ma, Fake news, Mikro-Plas­tik, Regen­wald, Müll, Kon­sum­wahn, Umwelt, Digi­ta­les Leben, E. Snow­den, Flücht­lin­ge, Caro­la Racke­te, Me too, Shit­s­torms, Gre­ta, Ras­sis­mus, Kli­ma­tou­ris­mus, Reli­gi­on, Gen­ma­ni­pu­la­ti­on” – laut Pres­se­info nur eini­ge der The­men der For­ma­ti­on

Sebas­ti­an Gramss sagt:

„Es kann nicht sein, dass wir Musi­ker im Stre­ben nach indi­vu­del­lem künst­le­ri­schem Aus­druck die aktu­el­len gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen ledig­lich wie „aus einer ande­ren Welt“ wahr­neh­men und aus unse­rer Nische stau­nend zuschau­en, wie unser Zusam­men­le­ben in vie­ler­lei Hin­sicht dege­ne­riert, kol­la­biert und in immer neue Nie­de­run­gen absackt! Wir wol­len und müs­sen uns mit unse­rem Ein­fluss / Gewicht als öffent­li­che Per­so­nen und mit unse­rer Krea­ti­vi­tät und Musik den aktu­el­len Fra­gen unse­rer Zeit stel­len…
Es kommt auch für uns der Punkt, wo Wider­stand und Akti­on zur Pflicht wird !“

„Laut­stark, iro­nisch, poe­tisch, scho­nungs­los und krea­tiv zugleich” soll es wer­den. Die zusam­men­set­zung der For­ma­ti­on macht es plau­si­bel. Mit dabei sind Tama­ra Lukas­he­va (Ukraine/D) – Stim­me, Mar­ja­na Sadovs­ka (Ukraine/D) – Stim­me, Maxi­mi­li­an Hil­brand (D) – Stim­me. Chor: „Les Saxo­sy­thes“: The­re­sia Phil­lip – Saxo­phon, Flö­ten, Lucas Lei­din­ger – Key­boards, Pia­no, Tho­mas Sauer­born – Schlag­zeug, Chris­ti­an Loren­zen – Key­boards, Sebas­ti­an Gramss – Kon­tra­bass, Rodri­go Lopez-Klin­gen­fuss (ARG) – Gitar­re. Spe­cial Guests:
Sumu­di Sura­wee­ra (Sri Lan­ka) – Drums, Helen Svo­bo­da (Aus­tra­lia) – Kon­tra­bass.

Bis­lang drei Ter­mi­ne gibt es im Febru­ar 2020:
Frei­tag, 14. Feb. 20: Wup­per­tal, „Loch“ – 20:30 Uhr
Sams­tag, 15. Feb. 20: Köln – Stadt­gar­ten – 20:30 Uhr
Sonn­tag, 16. Feb. 20: Bonn – Dia­log­raum Kreu­zung an St. Hele­na – 20 Uhr

Neu­es Jazz­jahr und immer noch sind Frau­en­quo­ten hip. Bei der Jaz­zahead in Bre­men 2020, bei­spiels­wei­se, bei der mit dem belieb­ten Begriff „Frau­en-Power” in der aktu­el­len Pres­se­mel­dung um sich gewor­fen wird, und man sehr stolz drauf ist, dass „21 von 40 Bands weib­lich geprägt” sind. Wozu auch immer das beson­ders gut sein mag. Der künst­le­ri­sche Lei­ter der „welt­weit größ­ten Fach­mes­se Jazz-Fach­mes­se”, Ulrich Becker­hoff, weiß es: „Dies zeigt mehr als deut­lich, dass der Jazz nicht mehr eine aus­schließ­lich nur von Män­nern domi­nier­te Musik ist!“ Nun denn, wenn’s mehr als deut­lich gezeigt wird, dann wird man es womög­lich sogar her­aus­hö­ren. Posi­tiv immer­hin, dass die Pres­se­mel­dung der Jaz­zahead trotz­dem beim sprach­li­chen Gen­de­r­un­sinn nicht mit­spielt. Anlass für Pres­se­mel­dung war unter ande­rem die Ankün­di­gung der 40 Show­ca­se­kon­zer­te (hier die Bands als PDF) und unbe­strit­ten ist, dass sich die Jaz­zahead in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu einem Jour Fixe nicht nur der deut­schen Jazz­sze­ne ent­wi­ckelt hat. In die­sem Jahr von 23.–26. April.

Ob die bra­si­lia­ni­sche Künst­le­rin Mariá Por­tu­gal (Schlag­zeu­ge­rin, Kom­po­nis­tin, Sän­ge­rin, elek­tro­ni­sche Musi­ke­rin, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­le­rin, Film- und Thea­ter­mu­si­ke­rin) aus Quo­ten­grün­den die neue Impro­vi­ser in resi­dence beim Moers Fes­ti­val gewor­den ist? Sie löst jeden­falls den Vibra­pho­nis­ten Emi­lio Gordoa ab. Mein Tipp trotz­dem eher: die Frau ist ein­fach gut.
Frau Por­tu­gal stammt aus Sao Pao­lo und ist seit eini­gen Jah­ren in der euro­päi­schen frei­en Musik­sze­ne bes­tens ver­netzt. In Moers konn­te man sie schon in den Vor­jah­ren erle­ben, in Wies­ba­den hat sie auch einen Stick in der Tür, im Febru­ar wie­der beim Just Music Bey­ond Jazz Fes­ti­val in der For­ma­ti­on Quar­ta­bê, die in Moers wie­der­um 2018 am Start war. Mariá Por­tu­gal wird als 13. impro­vi­ser in resi­dence wie­der das gan­ze Jahr über – und natür­lich im Fes­ti­val­zeit­raum von 29. Mai bis 1. Juni – in unter­schied­li­chen Pro­jek­ten zu hören sein.

Die Jazz­news der Jazz­pa­ges sind kur­ze Hin­wei­se und Mel­dun­gen zu Jazz, Musik und Allem drum­her­um, die bei den Jazz­pa­ges ein­tru­deln und einen grö­ße­ren Kreis von Inter­es­sen­ten anspre­chen könn­ten. Wir freu­en uns über ent­spre­chen­de Jazz-Kurz­nach­rich­ten an jazz@jazzpages.com.

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