Die Big Band Schwäbisch Hall spielte in der Hospitalkirche

Ein Weihnachtskonzert der swingenden Art

„A Night Befo­re Christ­mas“ nann­te die Big Band Schwä­bisch Hall dies­mal ihr tra­di­tio­nel­les Fest­kon­zert, das sie gera­de­zu am 23. Dezem­ber in der Hos­pi­tal­kir­che durch­führ­te. Schon eine vol­le Stun­de vor Ver­an­stal­tungs­be­ginn sicher­ten sich etli­che Jazz­freun­de begehr­te Sitz­plät­ze – aus gutem Grund, denn wäh­rend der Dar­bie­tung lehn­ten vie­le auf­merk­sa­me Zuhö­rer an den Wän­den, saßen auf der engen Trep­pe zur Empo­re oder stan­den gedul­dig im Vor­raum. Der­ar­ti­ge Unbe­quem­lich­kei­ten gerie­ten aber durch die kurz­wei­li­ge Musik schnell in Ver­ges­sen­heit.

Es begann ganz pro­fan im pracht­vol­len Power-House-Stil von Stan Ken­ton. Wie der Vater, so der Sohn: Auch der ver­stor­be­ne Vater von Tobi­as Schei­beck, also Armin Schei­beck, schätz­te schon die­sen pro­gres­si­ven Jazz des legen­dä­ren ame­ri­ka­ni­schen Band-Lea­ders. Nach dem spa­ni­schen „Mala­guena“ folg­te süf­fig „A Litt­le Minor Boo­ze“. Mit jeweils zwei ange­rock­ten Titeln waren noch der Gitar­rist Pat Methe­ny („Heart­land“, „Every Sum­mer Night“) und der Pia­nist Joe Zawin­ul (“Bird­land“, „Mer­cy, Mer­cy, Mer­cy“) ver­tre­ten. Bei den rocki­gen Num­mern griff der bewähr­te Kon­tra­bas­sist Han­si Spei­del zur Bass­gi­tar­re, für den adäqua­ten Rhyth­mus sorg­ten zudem (der im letz­ten Jahr durch Krank­heit ver­hin­der­te) Gitar­rist Stan­ley McKee, der zuver­läs­si­ge Drum­mer Hen­drik Küfer und der Key­boar­der Mat­thi­as Egner.

In den 1980er Jah­ren wur­den für die jeweils am zwei­ten Mai-Sonn­tag im Gro­ßen SDR-Sen­de­saal der Stutt­gar­ter Vil­la Berg abge­hal­te­nen Mati­ne­en des Tanz­or­ches­ters Erwin Lehn jaz­zi­ge Auf­trags­kom­po­si­tio­nen, die auf deut­schen Volks­lie­dern basier­ten, erteilt. Zum Zuge kamen hier vor allem ein­hei­mi­sche Arran­geu­re. Der Ame­ri­ka­ner Dave Rivel­lo hat­te sich unab­hän­gig von die­ser Sit­te einst über „Du, Du liegst mir am Her­zen“ her­ge­macht. Das ver­trau­te Lie­bes­lied aus deut­schen Lan­den swing­te nun­mehr zier­lich nett, wäh­rend der Saxo­phon-Satz ziem­lich schrä­ge Har­mo­ni­en zu into­nie­ren hat­te. Mit einem län­ge­ren Solo brach­te Mat­thi­as Egner sich gewandt auf dem E‑Piano ein.

Zuvor ein ande­rer deutsch­spra­chi­ger Titel: „An hel­len Tagen“. Die­se cho­ral­ar­ti­ge Kom­po­si­ti­on stammt von dem Tübin­ger Rai­ner Tem­pel, der mitt­ler­wei­le das Jugend­jazz­or­ches­ter Baden-Würt­tem­berg anführt und eine Pro­fes­sur an der Musik­hoch­schu­le in Stutt­gart inne­hat.

„Wir kom­men lang­sam in den weih­nacht­li­chen Teil“ erklär­te als­dann Tobi­as Schei­beck, der an dem Abend auch solis­tisch zur Posau­ne gegrif­fen und einen but­ter­wei­chen Sound erzeugt hat­te. Im Arran­ge­ment von Mike Lewis kam der „Sleigh Ride“ beschwingt in Fahrt. Mit nicht weni­ger vor­wärts­trei­ben­dem „Dri­ve“ ver­sah in sei­ner Bear­bei­tung Jack Coo­per das „Win­ter Won­der­land“. Bei „A Big Band Christ­mas II“ von Carl Strom­men han­delt sich um ein mun­te­res Med­ley mit etli­chen Takt- und Tem­po­wech­seln und „San­ta Claus Is Com­ing To Town“ als Angel­punkt.

Foto: Hans Kumpf

Ein impo­san­ter Kon­zert­abend mit ins­ge­samt 14 Stü­cken. Alle Jah­re wie­der als regu­lä­re Zuga­be: Der schmach­ten­de ABBA-Hit „Thank You For The Music“, für Big Band ein­ge­rich­tet von Tors­ten Maaß. Mit einem (sin­gen­den) Spe­zi­al­gast war­te­te die Big Band Schwä­bisch Hall heu­er nicht auf. Aber solis­ti­sche Impro­vi­sa­ti­ons­ein­la­gen quer durch die Rei­hen gewin­nen bei die­ser Groß­for­ma­ti­on immer mehr an Bedeu­tung – ein erfreu­li­cher Aspekt. So pro­fi­lier­ten sich vor allem wie­der vor­ne an der Büh­nen­ram­pe am Solis­ten­mi­kro­phon der fet­zen­de Trom­pe­ter Tho­mas Wol­pert, Achim Lutz auf dem gra­zi­len Sopran­sa­xo­phon und Ste­fan Scheu­er­mann kräf­tig mit dem Tenor­sax.

Bes­tens inte­griert ver­stärk­te bei die­sem Auf­tritt der in Asperg bei Lud­wigs­burg woh­nen­de Ste­fan Koschitz­ki die Saxo­phon­grup­pe. Der ver­sier­te Notist fun­gier­te aus­hilfs­wei­se als 1. Altist. Auf wich­ti­ge Erfah­run­gen kann der Pro­fi dank sei­ner Tätig­keit sowohl im Lan­des­ju­gend­jazz­or­ches­ter als auch momen­tan in der SWR Big Band zurück­grei­fen. Und ein jun­ger „Prak­ti­kant“, wel­cher sich noch nicht an einen indi­vi­du­el­len Bei­trag wag­te, wirk­te mit, näm­lich Joel App­ler, der vor­mals bei Con­stan­ze Haas an der Hal­ler Musik­schu­le erfolg­reich Saxo­phon­un­ter­richt genie­ßen durf­te.

 

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Text und Foto­gra­fie von Hans KumpfKumpfs Kolum­nen

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