Die Big Band Schwäbisch Hall trat in der vollen Hospitalkirche mit dem versierten Vokalisten Brady Swenson auf

Knall­hart und mes­ser­scharf

Eigent­lich wur­de das Kon­zert pla­ka­tiv mit „Spring­time Swing­time“ bewor­ben, doch Tobi­as Schei­beck prä­sen­tier­te mit sei­ner Groß­for­ma­ti­on zum Früh­lings­be­ginn weni­ger Stü­cke aus der stol­zen Swing-Ära der 1930er Jah­re als ziem­lich aktu­el­le Pop-Songs im Jazz­ge­wand und Frank-Sina­tra-Hits. Frei­lich, es gelang­ten eini­ge alt­be­kann­te und bewähr­te Titel wie Geor­ge Gershwins „Fasci­na­ting Rhythm“ oder der von Sam­my Nes­ti­co erdach­te Rei­ßer „Basie Strai­ght Ahead“ zu Auf­füh­rung.

Bei den meis­ten der am Abend gespiel­ten 16 Num­mern wirk­te Brad Swen­son mit. Seit zwei Jahr­zehn­ten lebt der aus Wis­con­sin stam­men­de Ame­ri­ka­ner in Ber­lin, und in Schwä­bisch Hall ver­kör­per­te er bei den Frei­licht­spie­len auf der Gro­ßen Trep­pe wie­der­holt den Hei­ner in der Revue „The Stair­ways To Hea­ven“. Nun stand also der stu­dier­te Musik­wis­sen­schaft­ler, Voka­list und Pia­nist in der baro­cken Hos­pi­tal­kir­che vor geball­ter Big-Band-Power. Mit sono­rem Bari­ton und auch in geschmei­di­ger Tenor­la­ge inter­pre­tier­te der gewief­te Enter­tai­ner eini­ge ein­schmei­cheln­de Welt­erfol­ge von Frank Sina­tra, bei­spiels­wei­se „New York, New York“, „My Way“ und „I Get A Kick“. Aller­dings sang Swen­son prä­zi­ser als sei­ner­zeit der oft into­na­ti­ons­ge­trüb­te „Fran­kie Boy“. Ohne osten­ta­ti­vem Ziga­ret­ten­kon­sum und wil­der Whis­keysau­fe­rei auf der Büh­ne geht’s eben bes­ser…

Cy Pay­ne rich­te­te etli­che Charts-Erfol­ge für swin­gen­de Big Bands samt Gesang­so­lis­ten (Paul Anka!) ein. So etwa „Won­der­wall“ von Oasis, „True“ (Span­dau Bal­let) sowie „Smells Like Teen Spi­rit“ von Kurt Cobain (Nir­va­na). Die von Tobi­as Schei­beck diri­gier­te Big Band und (der inzwi­schen bart­lo­se) Swen­son kre­ierten davon jeweils ein stim­mi­ges künst­le­ri­sches Gesamt­ergeb­nis.

Beson­ders reiz­voll geriet das aus­ge­feil­te Arran­ge­ment eines lei­der anonym ver­blie­be­nen Autoren zu „Locked Out Of Hea­ven“, pri­mär bekannt durch Jen­ni­fer Lopez: Himm­lisch jubi­lie­rend und höl­lisch-feu­rig zugleich, knall­har­te und mes­ser­schar­fe Trom­pe­ten-Stac­ca­ti, rocki­ge Ein­wür­fe der Rhyth­mus­grup­pe.

Neu in der „rhythm sec­tion“ saß nun am Schlag­zeug der ein­fühl­sa­me Uwe Her­den, die Key­boards wur­den die­ses Mal mit Mat­thi­as Egner und Raf­fa­el Spei­del der Klang­fül­le wegen dop­pelt besetzt. Zwei „Oldies“ agier­ten wie­der gekonnt mit ihren Sai­ten­in­stru­men­ten: Stan McKee an der Gitar­re und Han­si Spei­del am Kon­tra­bass und der Bass­gi­tar­re.

Etli­che Blä­ser würz­ten die diver­sen Musik­stü­cke durch kur­ze Solo­bei­trä­ge, stell­ver­tre­tend für vie­le Kol­le­gen sei hier Ste­fan Scheu­er­mann auf dem Tenor­sa­xo­phon genannt. Diri­gent Tobi­as Schei­beck griff bei dem süd­ame­ri­ka­nisch inspi­rier­ten „Tan­ge­ri­ne“ beherzt zur Posau­ne. 

Text und Foto­gra­fie von Hans KumpfKumpfs Kolum­nen

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