SWR2 – Jazz-Programm Februar 2020

Fast alle Jazz-Sendungen von SWR2 können als Audio on Demand im Internet 7 Tage online nachgehört werden. Auf www.swr2.de/jazz finden sich auch Playlists und und weitere Informationen zum Programm.

Samstag, 1. Februar, 9.05 – 10.00 Uhr
Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann

Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer „global language“ geworden. „Jazz across the Border“ hört auf unterhaltsam-informative Weise hin.

Mal Waldron und Steve Lacy - Photo: Schindelbeck

Samstag, 1. Februar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Morsezeichen am Klavier
Der Pianist Mal Waldron
Von Hans-Jürgen Schaal

Schon in den 1950-er Jahren war er ein Aktivposten der amerikanischen Jazzszene. Mal Waldron, Hauspianist und künstlerischer Leiter beim Label Prestige, verantwortete im Hintergrund rund 200 Aufnahme-Sessions. Er arbeitete mit Charles Mingus, John Coltrane und Eric Dolphy und spielte provokant kantig. Nach einer schweren Krise ging er 1969 nach Europa. Das Klavierspielen musste er sich damals ganz neu beibringen. Der „zweite“ Mal Waldron klang noch sperriger, noch abenteuerlicher als früher. Seine strenge, eigenwillige Stilistik wurde ein wichtiger Orientierungspunkt im Euro-Jazz.

Sonntag, 2. Februar, 19.40 – 20.00 Uhr
SWR2 Jazz: Something Old, Something New
Die Preservation Jazz Band
Von Gerd Filtgen

Zu den großen Attraktionen im French Quarter von New Orleans zählt die Preservation Hall. Ursprünglich präsentierte man in dieser Spielstätte traditionellen Jazz – seit 1961 mit der hauseigenen Band mit legendären New-Orelans-Musikern wie dem Trompeter Punch Miller, dem Klarinettisten George Lewis oder der Pianistin Sweet Emma Barrett. Im Lauf der Zeit hat sich die Stil-Palette der Preservation Hall Jazzband erheblich erweitert. Die Nachfolgebands griffen Brass-Band-Elemente, Funk und Modern Jazz auf. 

Dienstag, 4. Februar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Jazz Alpin
Höhepunkte vom 40. Internationalen Jazzfestival Saalfelden 2019 (2)

mit Cykada und Sarah Tandy
Von Gerd Filtgen

Bei der 40. Jubiläumsausgabe brillierten in Saalfelden zwei britische Newcomer Bands: Cykada überzeugte mit einer packenden Fusion-Variante. Zu Javi Pérez´ aufregenden Gitarren-Sounds, pulsierendem Groove und Electronics gesellten sich die heißen Improvisationen des Trompeters Axel Kaner-Lindstrom und des Saxofonisten James Mollison. Die Pianistin Sarah Tandy beeindruckte mit Stücken aus ihrem Debütalbum „Infection In The Sentence”. Ihre motivreichen Beiträge wurden von der Trompeterin Sheila Maurice-Grey und dem Saxofonisten Binker Golding adäquat beantwortet.

Donnerstag, 6. Februar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Günther Huesmann

Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer Alben.

Freitag, 7. Februar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Akut!
Das Mainzer Festival 2019 (3) mit dem Trio „Zur Schönen Aussicht“
Von Julia Neupert

In Dresden beim Jazzstudium haben sie sich kennen gelernt: der Gitarrist Jo Wespel, der Saxofonist Paul Berberich und der Schlagzeuger Flo Lauer. Die Musik ihres Bandkollektivs „Zur Schönen Aussicht“ ist musikalische Verdichtung – polystilistisch und polyenergetisch treffen hier Jazz, Neue Musik, Hip Hop, Pop und anderes aufeinander. „Post-Zeitgenössisch“ nennen sie ihr Spielmethode, inspiriert von theoretischen Überlegungen des Philosophen Armen Avanessian zu einem neuen Konzept von Zeit. Das praktische Ergebnis in Mainz: komplex, irre, lässig.

Samstag, 8. Februar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Unvermindert aktuell
Der Pianist Herbie Nichols
Von Bert Noglik

Herbie Nicols, geboren 1919, zählt zu den großen Pianisten des Modern Jazz. Sein Name sollte in einem Atemzug mit Thelonious Monk und Bud Powell genannt werden. Seiner ersten Platteneinspielung für das Label Blue Note gab Alfred Lion den Titel „The Prophetic Herbie Nicols“. Doch der Prophet galt nur wenig im eigenen Land. Zu seinen Lebzeiten fand Herbie Nichols kaum Anerkennung. Er starb 1963 im Alter von nur 44 Jahren an Leukämie und wohl auch an Enttäuschung. Erst nachfolgende Generationen haben die Genialität seines Spiels und seiner kühnen kompositorischen Ideen wiederentdeckt.

Dienstag, 11. Februar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Von Nina Polaschegg

Persönliche Lieblingsalben aus der älteren oder jüngeren Jazzgeschichte werden in der Reihe „My Favorite Discs“ regelmäßig vorgestellt: von den Autoren unserer SWR2-Jazzredaktion. Legendäre Klassiker oder weniger bekannte Favoriten – warum gerade ein bestimmtes Album sie so beeindruckt hat, erklären sie in dieser Sendung.

Donnerstag, 13. Februar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Peter Bruun’s All Too Human
Beim Festival Enjoy Jazz 2019
Von Günther Huesmann

Man braucht ihm nur beim Spielen zuzusehen, um mitzubekommen, dass dies ein wahrhaft unkonventioneller Drummer ist: Der Däne Peter Bruun hat eine hybride Mischung aus Drumming und Keyboard-Spiel entwickelt. Er bedient mit der linken Hand einen Bass-Synthesizer während er gleichzeitig mit seiner rechten Hand und seinen beiden Füßen Schlagzeug spielt. Mit seiner Band „All Too Human“ stößt Peter Bruun in neue Dimensionen des multi-metrischen Spiels vor. Hochkomplexe Musik, die jedoch gar nicht so wirken will, sondern eine mitreißende Erdigkeit besitzt.

Freitag, 14. Februar, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update: Sonic Wilderness
Von Ulrich Kriest

Diese Reihe auf dem freitäglichen NOWJazz Update Sendeplatz führt in abenteuerliche Zwischenwelten des Jazz. Ob Improv, Electronica, Klangkunst, Noise oder Rock – für die atmosphärischen Mixes gibt es nur eine Regel: Die Lust am musikalischen Abenteuer muss hörbar sein.

Samstag, 15. Februar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Spot that Man
Erinnerungen an den Pianisten, Komponisten und Produzenten Don Grolnick
Von Karsten Mützelfeldt

Er war einer der meistbeschäftigten Studiomusiker und Produzenten in Jazz, Pop und R&B. Als Bandmitglied stand er stets im Schatten großer Solisten, sei es in der Fusion-Gruppe Dreams, bei den Brecker Brothers oder bei Steps. Als Don Grolnick gegen Ende seines allzu kurzen Lebens erstmals als Leiter in eigener Sache auftrat, griff er auf alte Freunde wie Michael und Randy Brecker zurück und demonstrierte, dass dank exzellenter Kompositionen und Arrangements und eines integrativen Konzepts auch reine All-Star-Formationen für hochklassige Musik sorgen können.

Dienstag, 18. Februar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session. Aus dem Archiv: Inside And Outside Traditions:
Das Myra Melford Trio 2006 in Singen
Von Thomas Loewner

In der New Yorker Downtown-Szene zählt sie seit vielen Jahren zu den beständigsten Größen: Melford überzeugt gleichermaßen als Pianistin, Bandleaderin und Komponistin. In ihren Stücken verbindet sie verschiedene Traditionen des Jazz und anderer Stile – von Souljazz und Hard Bop über Funk und Free Jazz bis hin zu Gospel. Vor allem das ausgewogene Verhältnis komponierter und improvisierter Passagen sorgt dabei immer wieder dafür, dass sich in ihren Bands eine Dynamik entwickelt, die das Publikum zu packen weiß. So auch 2006 im Singener Kulturzentrum GEMS, wo Myra Melford mit ihrem „Be Bread Trio“ auftrat.

Leila Martial

Donnerstag, 20. Februar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Ein ganz eigenes Verständnis von Schönheit
Die französische Vokalistin Leila Martial
Von Ssirus W. Pakzad

Leïla Martial ist mehr als eine Jazz-Sängerin: die 35-jährige Stimmakrobatin und Performerin aus Frankreich setzt sich mühelos über Genregrenzen hinweg; lässt Chansons, Folklore, Rock, Minimal Music und selbst die Gesänge der Inuit in ihre stets überraschende, atmosphärische und vielschichtige Musik einfließen. Hauptsächlich ist Martial mit ihrem Trio Baa Box aktiv. 2013 lud der Akkordeonist Vincent Peirani sie ein, seine Band „Living Being Extended“ anlässlich des SWR NEWJazz Meetings zu verstärken.

Freitag, 21. Februar, 23.03 – 24,00 Uhr
NOWJazz: Avant Folk
Ein Portrait des norwegischen Akkordeonisten Frode Haltli
Von Thomas Loewner

Frode Haltli entdeckte schon als Kind seine Leidenschaft für das Akkordeon. Ausgehend von der traditionellen norwegischen Musik erweiterte er seine Spieltechnik und stilistische Bandbreite konsequent weiter und wurde schon bald zum wohl meist beachteten Musiker seines Instruments in Skandinavien. Komponisten Neuer Musik schreiben Werke für ihn und er spielte in zahlreichen Bands, die sowohl in den Bereichen Folklore als auch improvisierter Musik aktiv sind. In seinen eigenen Projekten gelingt es Haltli, all diese Einflüsse zu einer Musik zu bündeln, die zugleich traditionell und visionär ist.

Samstag, 22. Februar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: The Black and Crazy Blues
Der Multi-Instrumentalist Rahsaan Roland Kirk
Von Hans-Jürgen Schaal 

Der Mann blies in Instrumente, die kein Mensch kennt, und gab ihnen Fantasienamen wie Stritch, Manzello oder Slidesophone. Häufig steckte er sich zwei oder drei davon gleichzeitig in den Mund. Neben rund 20 Blasinstrumenten setzte er noch etwa 30 weitere Tonerzeuger ein: Kalimba, Becken, Gongs, Glocken, Sirenen. Er befestigte sie am Knie, am Schuh, am Ellenbogen, am Kopf. Ein Arsenal von Klanggeräten baumelte an seinem Körper, gehalten von Schnüren und Bändern. Manch einer hätte da die Übersicht verloren. Doch für Rahsaan Roland Kirk war Übersicht kein Thema. Er war blind.

Dienstag, 25. Februar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Homezone – Jazz in Südwest
Der Fotograf und Labelbetreiber Frank Schindelbeck
Von Julia Neupert

Die monatliche Sendereihe „Homezone“ führt regelmäßig an die vielen verschiedenen Orte, an denen der Jazz im Sendegebiet zu Hause ist. Er ist überall da, wo der Jazz ist: Frank Schindelbeck. Als Fotograf hat er eine höchst originelle eigene Handschrift entwickelt, Konzertbilder und Künstlerportraits von „Schindelbeck“ sind weit über den Südwesten hinaus bekannt. Außerdem betreibt der gebürtige Heidelberger mit „fixcel records“ ein eigenes Plattenlabel und mit den „Jazzpages“ eine Internetplattform für seine Lieblingsmusik.

Donnerstag, 27. Februar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: 25 Jahre zweiter Frühling
Das Münchner Plattenlabel Winter & Winter
Von Henry Altmann

Die Trümmer des zerbrochenen Labels JMT fügt dessen ehemaliger Geschäftsführer Stefan Winter seit 1995 neu zusammen – mit Können, Karton und Kunst! CDs von Winter & Winter fallen auf, durch ihr Material und ihr Design, durch ihre Musiker und deren genreübergreifende Projekte, durch „Hörfilme“, thematische Panoramen und Soundscape-Aufnahmen. Henry Altmann über ein Label, das in diesem Jahr seinen 25. zweiten Frühling begeht.

Freitag, 28. Februar, 23.03 – 24,00 Uhr
NOWJazz: Crowdfunding – durch Getreue vertont
Aktuelle Musikprojekte, vom Schwarm finanziert
Von Franziska Buhre

Musiker der improvisierten Musik sind nahbar, sie schätzen den Austausch mit ihrem Publikum und kennen es oft sehr genau. Wie aber erreichen sie eine Vielzahl an Menschen, die sich verbindlich auf die Finanzierung eines Musikprojektes einlassen? Immer mehr Bandleaderzeigen Mut und beweisen, dass ein Album keine große Plattenfirma mehr braucht, um Gehör zu finden. Der direkte und zugleich virtuelle Draht zum Publikum setzt kreative Ideen frei, die nicht allein im Studio entstanden wären. Und selbst besondere Konzertereignisse und Tourneen werden mithilfe des Schwarms Wirklichkeit.

Samstag, 29. Februar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Meine erste Jazzplatte
Mit Klaus Doldinger, Paolo Fresu, Kris Davis und anderen
Von Michael Rüsenberg

Was verbindet den Saxofonisten Klaus Doldinger mit dem Pianisten Pablo Held? Beide können keine erste Jazzplatte benennen: „Es waren zu viele“. Der Trompeter Paolo Fresu stammt aus einer sardischen Schäferfamilie, er hat das Cover seiner ersten Jazzplatte im Kopf, auch die Interpreten, aber nicht mehr den Titel. Bei der kanadischen Pianistin Kris Davis war es eine klassische Jazzaufnahme, und der Gitarrist Jean-Paul Bourelly, aufgewachsen an der Southside in Chicago (er nennt den Stadtteil „die Universität von Chicago“) hat schon im Alter von vier Jahren zu seiner ersten Jazzplatte getanzt.

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