Sebastian Sternal im Gespräch mit Klaus Mümpfer, Februar 2015

Sebastian Sternal - Foto: MümpferDer Pia­nist und Kla­vier­pro­fes­sor an der Musik­hoch­schu­le Mainz, Sebas­ti­an Ster­nal, erhielt für sein Pro­jekt „Ster­nal Sym­pho­nic Socie­ty“ den Jazz-Echo 2013 in der Kate­go­rie „New­co­mer des Jah­res“. Ster­nal hat sich mit sei­nen Musi­kern einen lang geheg­ten Wunsch erfüllt, den Far­ben­reich­tum eines Orches­ters mit der Beweg­lich­keit und Spon­ta­ni­tät einer Jazz­band zu kom­bi­nie­ren. Ermu­tigt durch den Erfolg, hat der Pia­nist, Kom­po­nist und Diri­gent Ster­nal nun eine zwei­te Ein­spie­lung vor­legt, mit der er die­se Kon­zep­ti­on wei­ter­ent­wi­ckelt. Die „Volu­me 2“ des Pro­jek­tes „Sym­pho­nic Socie­ty“ wird am 20. Febru­ar 2015 als CD auf den Markt kom­men. Wir spra­chen mit Ster­nal über die­se Fort­füh­rung sei­ner Arbeit. Die CD wird bei einer Release-Tour zunächst am 25. Febru­ar in Aachen, am 26. In Osna­brück, am 27. in Düs­sel­dorf, am 28 Febru­ar in Mün­chen sowie am 1. März in Köln vor­ge­stellt. Nach Mainz kommt Ster­nal mit sei­ner „Sym­pho­nic Socie­ty“ im Novem­ber die­ses Jah­res.

Fra­ge : Die ers­te Auf­nah­me der „Ster­nal Sym­pho­nic Socie­ty“ ist mit dem „Echo“ im Bereich Jazz aus­ge­zeich­net wor­den. Ist die­se zwei­te Fol­ge des Pro­jek­tes ein Erleb­nis die­ser Ehrung oder eine logi­sche und damit zwin­gen­de Fort­set­zung ?

Ster­nal : Es ist eigent­lich eine logi­sche und kon­se­quen­te Fort­set­zung des ers­ten Teils des Pro­jek­tes. Es war schon  so, dass durch den Gewinn des Prei­ses eine beacht­li­che Auf­merk­sam­keit auf das Ensem­ble und das Pro­jekt gelenkt wur­de. Vie­le Leu­te waren von der Auf­nah­me begeis­tert und frag­ten direkt, wann denn die nächs­te Plat­te kommt. Aber auch ich hat­te nach der ers­ten Ein­spie­lung das Gefühl, dass ich das The­ma bei wei­tem noch nicht „aus­er­zählt“ habe. Ich woll­te ohne­hin noch einen wei­te­ren Teil fol­gen las­sen. Als dann von außen die Zustim­mung kam und die häu­fi­ge Fra­ge, wann und wie es wei­ter geht, hat sich dies gegen­sei­tig hoch­ge­schau­kelt.

Fra­ge : Du hast in Dei­nen Erläu­te­run­gen zur ers­ten Auf­nah­me gesagt, dass es nicht vor­dring­lich dar­um gehe, Jazz mit Klas­sik zu ver­bin­den, wie es ande­re Kom­po­nis­ten woll­ten, son­dern viel­mehr dar­um, einen Klang­kos­mos so zu gestal­ten, wie er Dir im Kopf vor­schwebt. Immer­hin kom­men die Strei­cher aus dem Klas­sik­be­reich und die rest­li­chen Musi­ker aus dem Jazz. Bei­des muss unter einen Hut gebracht wer­den. Gilt Dei­ne Prä­mis­se von frü­her auch für die neue Auf­nah­me ?

Ster­nal : Das ist genau so gewollt. Es spie­len ein Streich­quar­tett mit 2 Vio­li­nen, Vio­la, und Cel­lo auf der einen sowie vier Jazz-Blä­ser auf der ande­ren Sei­te, unter­stützt von einer Jazz-Rhyth­mus­grup­pe – genau wie auf dem ers­ten Album. Musi­ka­lisch gehen wir aber eini­ge Schrit­te wei­ter. Ich woll­te bei der neu­en Auf­nah­me noch mehr die Far­ben die­ses „Mini­or­ches­ters“ aus­kos­ten. Es sind die­ses Mal – wie ja schon aus der Track­lis­te der CD her­vor­geht – eini­ge sym­pho­ni­sche Skiz­zen, „Sym­pho­nic I“ bis Sym­pho­nic VI“, hin­zu gekom­men, die die Band wirk­lich wie ein klei­nes Sym­pho­nie­or­ches­ter her­aus­for­dern. Mir gefällt bei die­sem Ensem­ble, dass es schon fast den Klang­far­ben­reich­tum eines gro­ßen Orches­ters hat,  zugleich aber die Beweg­lich­keit einer klei­nen Band. Die­se Mög­lich­kei­ten habe ich noch mehr aus­zu­spie­len ver­sucht. Da ist es gut, dass ich die Band und ihre Mit­glie­der inzwi­schen noch viel bes­ser ken­ne als noch vor zwei Jah­ren.

Fra­ge : Ist es denn auch zugleich so, dass die Musi­ker Dein Kon­zept und Dei­ne Klang­vor­stel­lun­gen bes­ser ein­schät­zen, dies also auf Gegen­sei­tig­keit beruht ?

Ster­nal : Das trifft sicher auch zu. Eines­teils ver­ste­he ich als Kom­po­nist die „Mecha­nik“ die­ses Ensem­bles immer bes­ser – was wich­tig ist, da die­se Beset­zungs-Kon­stel­la­ti­on ja in gewis­sem Sin­ne ein­zig­ar­tig ist – ich ken­ne kein ande­res Ensem­ble, das genau so struk­tu­riert ist. Auf der ande­ren Sei­te ver­ste­hen auch die Musi­ker natür­lich immer bes­ser, wel­che Rol­le sie im Zusam­men­hang die­ser Band ein­neh­men. Das ist ganz klar.

Fra­ge : Heißt dies, dass auf der neu­en CD die Stü­cke nicht mehr so stark durch­kom­po­niert sein müs­sen und dass man den Musi­kern mehr Frei­heit las­sen kann ?

Ster­nal : Eigent­lich ist es eine aus­ge­wo­ge­ne Ord­nung sowie Gleich­be­hand­lung von Kom­po­si­ti­on und Impro­vi­sa­ti­on. Die notier­ten Tei­le schaf­fen den Rah­men und bie­ten Anlass zum Impro­vi­sie­ren. Und das noch viel stär­ker als bei der ers­ten Auf­nah­me, weil ich viel ziel­ge­rich­te­ter auf die Musi­ker hin­schrei­ben konn­te – weil ich genau­er weiß, wie sie „funk­tio­nie­ren“. Ohne mich im Ent­fern­tes­ten mit ihm ver­glei­chen zu wol­len, muss ich da immer an den legen­dä­ren Duke Elling­ton den­ken, der ein gro­ßes Vor­bild für mich ist. Elling­ton dach­te ja stets dar­an, dass er nicht für den Alt­sa­xo­pho­nis­ten schrieb, son­dern für sei­nen Alt­sa­xo­pho­nis­ten.

Fra­ge : Da stellt sich natür­lich die Fra­ge, ob die Strei­cher, die aus der Klas­sik kom­men, impro­vi­sie­ren kön­nen und dür­fen.

Ster­nal : Also das meis­te, was sie spie­len, ist notiert. Im neu­en Pro­gramm haben sie tat­säch­lich an ein paar Stel­len die Mög­lich­keit zu impro­vi­sie­ren – so ein biss­chen. Aber eigent­lich steht hin­ter dem Pro­jekt die Idee, dass alle das machen, was sie am bes­ten kön­nen. Und da sind natür­lich die Jaz­zer die Impro­vi­sa­ti­ons­pro­fis.

Fra­ge : Es bleibt also im Gro­ben bei der Zwei­tei­lung. Dass die Jazz­mu­si­ker den Impro­vi­sa­ti­ons­part über­neh­men und die Strei­cher den notier­ten.

Ster­nal : Das ist rich­tig und im Wesent­li­chen so gewollt. Die Klas­si­ker brin­gen ihre Klang­kul­tur mit ein und ihre Inter­pre­ta­ti­ons­kunst. Aber ich habe ver­sucht, ihnen Vie­les auf den Leib zu schrei­ben, und viel gestalt­ba­res Mate­ri­al mit auf den Weg zu geben, so dass sie gleich­auf sind mit den impro­vi­sie­ren­den Jaz­zern.

Fra­ge : Heißt dies, dass es tat­säch­lich um eine gleich­be­rech­tig­te Part­ner­schaft zwi­schen dem klas­si­schen und dem jaz­zi­gen Anteil geht ?

Ster­nal : Ganz genau, ja.

Fra­ge : Bist Du jetzt mit der zwei­ten Auf­nah­me zufrie­de­ner als mit der vor­he­ri­gen oder darf man nicht bei­des mit­ein­an­der ver­glei­chen ?

Ster­nal : Ich höre die ers­te Auf­nah­me des Sym­pho­nic-Pro­jek­tes nach wie vor ger­ne. Aber wie dies so ist, die bes­te Plat­te ist stets die letz­te. (Ster­nal lacht) Ich weiß, das ist über­trie­ben. Doch ich höre die meis­ten mei­ner frü­he­ren Plat­ten glück­li­cher­wei­se noch immer ger­ne. Das heißt natür­lich nicht, dass ich heu­te nicht vie­les anders machen wür­de. Plat­ten sind schließ­lich Moment­auf­nah­men. Inso­fern haben sie ihre Berech­ti­gung. Und auch wenn man denkt, man wür­de heu­te die­ses oder jenes anders machen, heißt dies natür­lich nicht unbe­dingt, dass man es bes­ser machen wür­de. Aber es kommt ein biss­chen mehr Erfah­rung hin­zu.

Fra­ge : Wenn Du sagst, ich wür­de heu­te man­ches anders machen, bezieht sich das auch auf die neue Sym­pho­nic-Ein­spie­lung ? Schwebt Dir bereits ein drit­ter Teil vor oder ist die Auf­nah­me jetzt erst mal ein Abschluss ?

Ster­nal : Eigent­lich kann ich die Fra­ge gegen­wär­tig noch nicht beant­wor­ten. Ich bin noch so stark mit der Arbeit an der der neu­en CD beschäf­tigt und jetzt erst mal total glück­lich damit. Aber mir sind beim Schrei­ben so vie­le Ide­en gekom­men, dass es durch­aus wei­ter­ge­hen könn­te. Doch das ist im Moment noch Zukunfts­mu­sik, jetzt freue ich mich zunächst mal, mit die­ser groß­ar­ti­gen Band und dem neu­en Pro­gramm im Febru­ar auf Tour zu gehen.

Wei­te­re Infos : www.sebastiansternal.com

 

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