Semester-Abschlusskonzerte der Hochschule für Musik in Mainz, 1. und 8. Februar 2015

Kai Werth und Nathalie Hoyer - Foto: Mümpfer

Text & Fotografie: Klaus Mümpfer 

Sein Spiel auf den Saiten ist nahezu virtuos, seine Soli zeugen ebenso wie seine Komposition „Strukturen 1“ von Kreativität und Freude am Experiment. Nicola Hein kratzt beim Semesterabschlusskonzert des Fachbereich Jazz und Pop der Musikhochschule gehörig am freien Jazz. Später wird er nochmals in der Reihe „The Art oft he Duo“ gemeinsam mit dem Schlagzeuger Lukas Thielecke in der Nähe zur „Neuen Musik“ frei improvisieren. „Spontane Komposition“ nannte Altmeister Albert Mangelsdorff diese intensive Kommunikation, bei der die Partner anfangs nicht wissen, wie sich das Spiel entwickelt. Variationen mit und über einen Groove interpretiert mitreißend das Duo mit der Bassistin Franziska Aller und dem Schlagzeuger Julian Camergo im Metrum virtuos auseinander driftend und wieder zusammenschließend. Im Duo mit den Saxophonisten Maximilian Shaik-Jousef pendelt der Pianist Nicolas Hering gekonnt zwischen perlenden Läufen und wuchtigen Blockakkorden.

„Composers Combo“ steht ebenso für die stilistische Bandbreite der Jazz-Lehre wie die insgesamt die 14 Gruppen der Konzerte. Mit den beiden Semesterabschlussabenden wolle die Jazzabteilung einen Querschnitt der Ausbildung präsentieren, betont Professor Jesse Milliner vor den Zuhörern im zweimal überfüllten „Roten Saal“.

So präsentiert „Composers Combo“ (Leitung Vitold Rek)  mit kammermusikalischem Jazz, bevor die Formation „Moloko“ (Leitung Felix Fromm) mit der Sängerin Leona Berlin in Richtung Industrial Funk steuert. Kraftvoll und mit leicht rauem Timbre sowie technischem Equipment von Loops, Gitarrenverzerrer, Echo und Vocal-Hamonizer wandelt das Quartett mit seinem Trip-Hop in den Fußspuren des britischen Duos „Moloko. An eine andere stilistische Grenze stößt das „Wes Montgomery Ensemble“ (Leitung Henning Gailling), das mit Erfolg Kompositionen des Gitarren-Heros, von John Coltrane und Horace Silver bearbeitet. Mal lyrisch und filigran, mal kraftvoll  up-tempo, brillieren vor allem David Mehre in den Soli auf der akustischen Gitarre und Nicolas Hering mit sensiblen oder rasenden Läufen auf dem Flügel.

Ebenfalls mit einem rein akustischen Quartett nähert sich der Trompeter Marko Mebus  mit einer Formation der Legende „Woody Shaw“, der seinerzeit in dem Bereich von Hardbop, modalem Jazz und Avantgarde Maßstäbe gesetzt hat. Im Konzert bläst Mebus  die Trompete mit gleißendem Ton, klettert immer wieder mit Stakkati in die High-Note-Lagen.

Die Gruppe „Thelonious Monk“ interpretiert einige originelle Kompositionen des Pianisten, wobei die Sängerin Maria Kumbarsch vor allem in „Evidence“ sowie Up-Tempot in Misterioso“ mit Scat und Vokalisen brilliert. Die Sperrigkeit Monks lässt vor allem Pianist Andy Dittinger erkennen. Expressiv und percussiv nutzt „Free Sound“ (Leitung Janusz Stefanski) mit Soundspielereien die Freiheit in der neuen Jazzmusik insbesondere bei der Stefanski-Komposition „Day after“.

Orgiastisch und groovend stimmen mit instrumentaler Unterstützung die fünf Vokalisten der Gruppe „Contemporary Gospel“ unter der Leitung von Jessie Milliner ein „Hallelujah“ an. Zahlreiche Interaktionen folgen einer mitreißenden Duo-Version von „Everys prayer“ mit Nathalie Hoyer und Kai Werth.

Den Gegenpol bilden Caroline Trischler und Christoph Hoffmann als  „Vokalensemble“ (Leitung Nanni Byl) ausdrucksstark und nuancenreich mit intimen Duetten aus der Jazz-Geschichte

Dem „Tango nuevo“ des Argentiniers Astor Piazolla widmet sich das „World Beat Ensemble“ mit dem Schlagzeuger  Hermann Kock (und unter dessen Leitung) in einer ungewöhnlichen Besetzung mit den beiden Geigerinnen Sarah Krebs und So-Yunn Lee. Schade, dass sich das Sextett mit einem nachfolgenden irischen Reel auf nur zwei Stücke konzentriert, denn so reizvoll hatte man die Piazolla-Komposition und eine traditionelle irische Weise selten gehört.

Mit messerscharfen Bläsereinsätzen, voller Instrumentaler Wucht und energetischem Gesang reißen „Tower of Power“ (Leitung  Thomas Humm) die Zuhörer zu Beifallstürmen hin. Anleihen in der Popmusik macht auch die Band „Radiohead“ mit Interpretationen ihrer Vorbilder aus Großbritannien.

Mit präziser Satzarbeit und einer stützenden Rhythmusgruppe in den Kompositionen von Wayne Shorter, den Becker Brothers und von Jim McNeeely, mal fein timbriert in melodiösen Klangfarbenspielen, mal gleißend im Powerplay, besticht die klassisch besetzte „die Big Band“ der Musikhochschule unter der Leitung ihres Dirigenten Jesse Milliner. Erstaunlich, welche Reife und Musikalität die jungen Studierenden erreicht haben und wie souverän sie ihre technischen Fähigkeiten im Konzert umsetzen.

Foto: Mümpfer
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