Interview mit Libor Sima : Ein wahrer Allround-Musikus

Bei der Sonn­tags­ma­ti­nee vom 13. Jazz-Art-Fes­ti­val in Schwä­bisch Hall trat der Mul­ti­in­stru­men­ta­list Libor Sima zusam­men mit dem Bas­sis­ten Mini Schulz und Schlag­zeu­ger Obi Jen­ne auf. Hans Kumpf nutz­te die Gele­gen­heit, dem 53-jäh­ren Alt-Hal­ler eini­ge Fra­gen zu stel­len.

Wie kamst Du in Schwä­bisch Hall zum Jazz ?

Über mei­nen Vater. Er war von 1973 bis Anfang der 90er Jah­re Stadt­ka­pell­meis­ter in Schwä­bisch Hall und lei­te­te neben der Stadt­ka­pel­le auch die „Big Band Schwä­bisch Hall“. Sei­ne gro­ße musi­ka­li­sche Lie­be ist der Jazz, und so bin ich mit die­ser Musik auf­ge­wach­sen. Schon als Kind hör­te ich Big Bands wie Count Basie und Woo­dy Her­man. Das Mit­sin­gen von Stan Getz Saxo­phon­so­los, wäh­rend ich mit Lego spiel­te, war für mich voll­kom­men natür­lich. Mein ers­ter rich­ti­ger „Jazz­gig“ war übri­gens, soweit ich mich rich­tig erin­ne­re, im Neu­bau­saal – das war 1981 im Quar­tett mit mei­nem Vater anläss­lich einer poli­ti­schen Ver­an­stal­tung.

Du hast meh­re­re See­len in Dei­ner Brust : Saxo­phon, Fagott, Jazz, Klas­sik und Kom­po­nie­ren. Was liegt Dir da ganz beson­ders am Her­zen ?

Ehr­lich gesagt habe ich da kei­nen Prio­ri­tä­ten. Es ist alles Musik – das Gen­re, das Instru­ment oder die Tätig­keit ist für mich eher zweit­ran­gig. Mit dem „SWR Sym­pho­nie­or­ches­ter“ ein Stück wie z.B. „Le Sacre du Prin­temps“ von Igor Stra­win­sky am Fagott zu spie­len, ist groß­ar­tig. Im Stutt­gar­ter Jazz­club am Saxo­phon mit Freun­den wie Obi Jen­ne oder Mini Schulz die Musik von John Col­tra­ne, Miles Davis oder den ande­ren „Gro­ßen“ des Jazz zu fei­ern, ist eben­falls gran­di­os ! Stü­cke für TRI oder die „Dresd­ner Staats­ka­pel­le“ zu kom­po­nie­ren oder span­nen­de Büh­nen­pro­jek­te mit Schau­spie­lern wie Wal­ter Sitt­ler oder den Tat­ort-Kom­mis­sa­ren Miros­lav Nemec und Udo Wacht­veitl mit­zu­ge­stal­ten. Für all die­se Mög­lich­kei­ten bin ich dank­bar und genie­ße sie alle glei­cher­ma­ßen.

Was bevor­zugst Du mehr : Tenor- oder Alt­sa­xo­phon ?

Obwohl ich von Haus aus eigent­lich Ten­orist bin, gibt es musi­ka­li­sche Situa­tio­nen, bei denen ich lie­ber auf das Alt- bzw. Sopran­sa­xo­phon zurück­grei­fe. Das bes­te Bei­spiel ist TRI, da ich in die­sem eher kam­mer­mu­si­ka­lisch ange­leg­ten Ensem­ble neben dem Saxo­phon auch Fagott spie­le. Der Klang des Tenor­sa­xo­phons wäre ein zu schwa­cher Kon­trast zum Fagott – des­halb set­ze ich hier auf das Alt­sa­xo­phon.

Im Jazz­be­reich ken­ne ich eigent­lich nur Lind­say Coo­per (1951–2013) als Fagott-Per­sön­lich­keit. Ich selbst bemerk­te beim eige­nen Spie­len, dass die­ses tief­tö­ni­ge Dop­pel­rohr­blatt­in­stru­ment sound­mä­ßig doch sehr dem Tenor­sax nahe­kom­men kann. Wel­che Erfah­run­gen hast Du selbst damit gemacht ?

Genau dies ist der Grund, wes­halb ich es ver­mei­de, Tenor­sa­xo­phon und Fagott im glei­chen musi­ka­li­schen Kon­text ein­zu­set­zen.

Kurio­ser­wei­se bin ich aber über einen Tenor­sa­xo­pho­nis­ten (Frank Tibe­ri, Woo­dy Her­man Big Band) zum Fagott gekom­men. Das ist ein aus­ge­spro­chen „exo­ti­scher“ Ein­stieg in die Lauf­bahn eines klas­si­schen Fagot­tis­ten …

1989 wur­dest Du in Heil­bronn vom dama­li­gen SDR-Fern­se­hen über Dei­ne Zeit in dem von Bernd Kon­rad gelei­te­ten Lan­des­ju­gend­jazz­or­ches­ter befragt. Wel­che Erin­ne­run­gen hast Du heu­te an die­se Big Band ?

Nur posi­ti­ve ! Einer­seits war die frü­he Zusam­men­ar­beit mit Jiggs Whig­ham (dem dama­li­gen Co-Lei­ter des LJJO Baden Würt­tem­berg) und Bernd Kon­rad eine aus­ge­spro­chen prä­gen­de Erfah­rung, ande­rer­seits hal­ten die damals geknüpf­ten musi­ka­li­schen Ban­de zu Musi­kern wie Mini Schulz oder Klaus Graf (SWR Big Band) bis heu­te.

Klei­nes Jazz-Trio und rie­si­ges Klas­sik-Orches­ter – was fas­zi­niert Dich da jeweils ?

Wie schon gesagt : jede musi­ka­li­sche Situa­ti­on hat ihren ganz spe­zi­fi­schen Reiz. Im Orches­ter fas­zi­niert mich die Ener­gie, die 90 oder 100 Musi­kern zu ent­wi­ckeln in der Lage sind. Im Übri­gen sind vie­le der größ­ten Kom­po­si­tio­nen der Musik­ge­schich­te für eben die­sen Klang­kör­per geschrie­ben wor­den. Im Jazz-Trio wie­der­um hat man ungleich indi­vi­du­el­le­re „Wege“, die man beschrei­ten kann – ein wun­der­bar offe­nes Sys­tem mit viel Raum zur spon­ta­nen Gestal­tung. Im Jazz steht die Inter­ak­ti­on der ein­zel­nen Musi­ker im Vor­der­grund, bei der „Klas­si­schen Musik“ die mög­lichst span­nen­de und authen­ti­sche „Repro­duk­ti­on“ bereits bestehen­der Kom­po­si­tio­nen. Bei­des kann sehr span­nend und befrie­di­gend sein.

Gleich nach dem heu­ti­gen Kon­zert fährst Du nach Tros­sin­gen. Was wird da gebo­ten ?

Wir (d.h. TRI) solie­ren mit den „Stutt­gar­ter Phil­har­mo­ni­kern“ bei zwei Wer­ken von Duke Elling­ton und Geor­ge Gershwin. Da wir drei alle­samt sowohl auf eine „klas­si­sche“ wie auch eine „Jazz“-Ausbildung zurück­schau­en kön­nen, liegt solch eine Zusam­men­ar­beit nahe. Einer­seits sind wir in der Lage, uns in das Orches­ter zu inte­grie­ren, ande­rer­seits „machen wir kei­ne Gefan­ge­nen“ wenn es „jazz­mä­ßig“ abge­hen soll.

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Text und Foto­gra­fie von Hans KumpfKumpfs Kolum­nen

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