Klezmer-Klarinettist Giora Feidman feiert am 25. März 2021 seinen 85. Geburtstag

Giora Feidman (* 25. März 1936 in Buenos Aires, Argentinien) ist Klarinettist und Instrumentalsolist der Klezmer-Musik. Aufgrund seiner Erfolge in der Musik wird er „King of Klezmer“ bezeichnet.

Hans Kumpf schrieb Anfang 2017 über ein Feidman-Konzert in Schwäbisch Hall

Die Beatles und Klarinettenklang? Da denkt man zunächst an die Anfangstakte des Songs „When I’m Sixty-Four“, eingespielt Ende 1966 in den Londoner Abbey-Road-Studios. Giora Feidman zählt inzwischen 80 Lenze und nimmt sich derzeit der „Fab Four“ an. Der in Argentinien geborene Klezmer-Musiker hatte sich in seiner langen Karriere auch schon intensiv mit dem Tango beschäftigt. Als er zuletzt vor drei Jahren in Hall gastierte, hieß sein Programm swingend „Jazz Experience“.  

Eine Universalität künstlerischer Art zeichnet Feidman, der 18 Jahre lang klassisch im Israel Philharmonic Orchestra agierte, allemal aus. Momentan lautet das mit einem Ausrufezeichen versehene Motto „Feidman plays Beatles!“. Dem Maestro zur Seite sitzt hierbei das Rastrelli-Cello-Quartett. Drei Saitenkünstler stammen aus St. Petersburg, einer – Sergio alias Sergej Drabkin – kam 1953 in Weißrussland auf die Welt.   Beatles und klassische Streicher? Hier fällt einem zu allererst Paul McCartneys „Yesterday“ ein. Mit dieser Nummer wird jeweils die laufende Konzertrunde eröffnet. Nicht wie er es sonst gerne tut im Zuschauerraum, sondern bereits auf der Bühne bließ Feidman hauchzart auf der B-Klarinette das Thema. Ein Spielen im leisesten Pianissimo vermag kräftezehrender sein als überlautes Gedröhne.

Giora Feidman beherrscht diese hohe Kunst auch im fortgeschrittenen Alter auf bewundernswerte Weise. Freilich starrt und stiert der sehbehinderte Musiker förmlich in die großformatig ausgedruckten Noten auf seinem Pult. Und da liest er penibel ab, was dem geneigten Zuhörer wie eine spontane Improvisation oder wie ad hoc erfundene Verzierungen erscheint. Die Enkelin ist mit dabei In den gewitzten Drabkin-Arrangements klingt das Cello-Quartett so variantenreich wie ein gemischtes Ensemble: Da ertönen aus der Formation von Kira Kraftzoff quasi filigrane Geigentöne als auch satt-sonores Zupfen eines Kontrabasses. Ein willkommener Fake, denn gespielt wird ausschließlich auf Celli. Weitere virtuose Partner im Saiten-Quartett sind Mikhail Degtjareff und Kirill Timofeev, der etliche Soli mit Bravour meisterte.

Einen speziellen Support im Feidman-Abend erhielt das Jerusalem-Duo. Dahinter verbergen sich eine Enkeltochter von Giora Feidman und deren Ehemann: Hila Ofek. (Harfe) und Andre Tsirlin (Sopransaxofon). Auswendig brachte das Paar zwei Nummern von dem Indien-Esoteriker George Harrison zu Gehör. Nach dem Rührstück „While My Guitar Gently Weeps“ folgten zartbesaitete Originaltöne von Johann Sebastian Bach: Die Akkordbrechungen des Präludiums Nr. 1 in C-Dur aus dem „Wohltemperierten Klavier“, BWV 846. Doch dann vom Saxofon nicht etwa Charles Gounods sentimentale Melodie „Ave Maria“, sondern schön schluchzend Harrisons verzweifeltes Liebeslied „Something (In The Air)“.   Alle sieben Instrumentalisten vereinten sich glückselig in der zweiten Zugabe. Bei der traurigen Hymne „Hey Jude“ forderte Giora Feidman das ohnehin begeisterte Publikum auf, mitzuklatschen und kräftig das semantikfreie „Na-na-na-naa“ mitzusingen.

Text und Fotografie von Hans KumpfKumpfs Kolumnen

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