International Skoda Workshop Band in Mainz am 1. Oktober 2002

„Child´s Song”: Eine Intro mit schwebenden Klängen auf der Trompete, mit romantisch inspirierten Läufen auf dem Piano. Mit filigranen Linien auf der Gitarre sowie sonoren, singenden Melodien auf dem Tenorsaxophon. Der Bass läuft straight unter den Improvisationen der Frontline während das Schlagzeug mit sanft streichelnder Besenarbeit den Rhythmus stützt. Zwei Gesangsstimmen scatten – die eine hell und transparent, die andere eher dunkel-rauchig angeraut. Dann folgt Ralph Towner´s „Glide”. Ein swingendes Thema. Verspielt und tänzerisch. Von nordisch klarer Stimmung mit einem sensiblen Duo von Piano und Bass, einem Zwiegespräch von Stimme und Saxophon. Dies ist ein Konzert, in dem die Musiker nicht unbedingt Grenzen niederreißen wollen, das zeitgenössisch und zugleich traditionsverhaftet ist. Vor allem aber ist es der Schönheit und der Zeitlosigkeit eines Jazz verpflichtet, der Cool, Bebop und frei-kammermusikalischen Formen gleichermaßen gerecht wird. Dieses Oktett hat einen ganz originären und unverwechselbaren Klang. Die „International Skoda Workshop Band” brilliert beim Konzert in der „Alten Patrone” in Mainz mit solistischen Leistungen und kompaktem Gruppensound.

Ausflüge in den freien Jazz wagt der britische Pianist John Taylor mit seiner Komposition „Ambleside”, in der er die Saiten des Bechstein-Flügels mit den Handflächen percussiv zum Klingen bringt, in dem Gunnar Plümer den Bass mit aufgebrochenen Harmonien streicht und Bruno Castellucci groovend das Trio antreibt. Mit Synthesizer-Elektronik, Loops, Hall und Schleifen improvisiert expressiv Maria Pita de Vito über ein italienisches Lied. Ihre elektronisch gesampelten Vokalisen summieren sich mit der forschreitenden Stimme zu einem komplexen Soundgebilde, das in Stakkati vorwärtstreibt und dann wieder zurückgenommen wird.

Geradezu Klassisch mutet „Sarah” an, eine Ballade aus der Feder von Uli Beckerhoff, dem Trompeter und Initiator der Band. Er hat sich inzwischen einem melancholisch-verhangenen Ton verschrieben, der auch in den mittelhohen Lagen stets ein bisschen heiser wirkt, in den High-Notes dennoch mit gleißendem Klang strahlt. Beckerhoff ist ein sensibler Jazzer, ein Verfechter der Ästhetik, nicht aber des reinen Klanges. „A timeless place” mit den Lyrics von Norma Winston ist so ein typisches Stück mit verspielten Single-Notes-Figuren auf dem Piano und einem lyrischenTon auf dem Tenorsaxophon.

Fusion-Anklänge finden sich schließlich in „Terminal Departure”, der Komposition des Gitarristen Peter O´Mara, der dabei sein ansonsten feinzeichnendes und filigranes Spiel und die coole Tonfärbung eines Wes Montgomery in schnelle, vibrierende Läufe ausweitet, während Schlagzeuger Castellucci zu rockenden Rhythmen wechselt. Plümer hat seine klaren und singbaren Linien mit dem überraschenden harmonischen Wendungen auf dem Bass schon in der früheren Beckerhoff-Group und vor allem im Trio mit Engstfeld und Weiss gepflegt. So passt er sich nahtlos in das Beckerhoff-Konzept ein.

Die Musik der „International Skoda Workshop Band” ist stilsicher und vielfältig in den Schattierungen, aufregend nicht durch Aufgeregtheit, sondern durch Souveränität in einem eigenwilligen Gruppenspiel, das beim aufmerksamen Zuhören immer wieder für Überraschungen sorgt. Die Musiker schöpfen aus den Quellen des zeitgenössischen Jazz, der klassischen Musik des 20.Jahrhunderts, aus der Vokalmusik des Mittelmeerraumes und dem Jazz von Cool bis Bebop. Große emotionale Ausdruckskraft und virtuose instrumentale Fertigkeiten bestechen ebenso wie Spielfreude und Humor. Langjährige Zusammenarbeit in unterschiedlichen Formationen sowie grenzenloses Verständnis garantieren ein sensibles und traumhaft sicheres Zusammenspiel.

Alle acht Solisten sind Dozenten beim traditionellen Skoda-Workshop des Jazzclubs Eurocore in Trier, der seit Jahren Musiker aus den Nachbarländern Frankreich, Belgien, Niederlanden, aber auch aus Österreich und Großbritannien anlockt und sich einen guten Ruf erworben hat. Dies ist ein Verdienst von Skoda sowie von Tjomas Schmitt vor Ort. Eigentlich schade, dass der Autobauer sogar in der Szene als Jazz-Sponsor noch unterbewertet wird.

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