Caterina Valente wurde am 14. Januar 1931 in Paris geboren: Zum 88. Geburtstag ein 33 Jahre altes Interview

Hans Kumpf inter­view­te den poly­glot­ten Welt­star 1986 in Stutt­gart

„Impro­vi­sa­ti­on ist das A und O für einen Musi­ker“


Hans Kumpf: Sie sind sozu­sa­gen in der gan­zen Welt zuhau­se. Was ver­bin­det Sie mit Stutt­gart?

Cate­ri­na Valen­te: Eine gan­ze Men­ge: Ich habe hier ange­fan­gen zu arbei­ten vor 50 Jah­ren, 1936. Ja, viel. Die ers­te Fern­seh­se­rie, die ers­te Per­so­na­li­ty-Show, die in Deutsch­land gemacht wur­de, war in Stutt­gart. Außer­dem habe ich hier das gro­ße Jubi­lä­um gefei­ert. Ich bin fast jedes Jahr in Stutt­gart.


Hans Kumpf: Sie haben 1953 in der Jazz­sze­ne Deutsch­lands ange­fan­gen mit dem Kurt Edel­ha­gen-Orches­ter, Sie haben 1954 in Frank­furt beim Jazz-Fes­ti­val einen Auf­tritt gehabt. Und jetzt arbei­ten Sie mit dem Count Basie Orches­tra zusam­men. Ist das wie eine Brü­cke in Ihrer Kar­rie­re, dass Sie wie­der zum Jazz hin­kom­men?


Cate­ri­na Valen­te: Das ist nicht Zufall und auch nicht Absicht. Ich habe mit sehr vie­len Bands zusam­men­ge­ar­bei­tet. Die ers­te war Edel­ha­gen, dann kamen noch ein paar ande­re Bands wie Woo­dy Her­man, wie Tom­my Dor­sey, wie Bud­dy Rich und jetzt Count Basie. Und Basie ist für mich die größ­te Band über­haupt.


Hans Kumpf: Haben Sie irgend­wie mal das Bedürf­nis, – wie­der in einem Jazz­club – und nicht in einer gro­ßen Gala-Show – zu musi­zie­ren, zu impro­vi­sie­ren?


Cate­ri­na Valen­te: Das mache ich immer neben­bei, über­all – wo es eben Jazz gibt. Da ste­he ich ein­fach auf und sin­ge mit. Den Jazz habe ich im Grun­de genom­men nie ver­las­sen.


Hans Kumpf: Was bedeu­tet Ihnen dann in die­sem Fall eine krea­ti­ve Impro­vi­sa­ti­on gegen­über der „blo­ßen” Inter­pre­ta­ti­on?


Cate­ri­na Valen­te: Impro­vi­sa­ti­on ist das A und O für einen Musi­ker. Ich stel­le mich mehr als Musi­ker denn als Sän­ge­rin. Und Impro­vi­sie­ren ist das, was der Mensch in die­sem Moment fühlt und inter­pre­tiert. Das ist wich­tig.


Hans Kumpf: In Stutt­gart haben Sie nur ein biss­chen impro­vi­siert. Könn­te es sein, dass es zukünf­tig auch vor dem gro­ßen Publi­kum mehr wer­den wird?


Cate­ri­na Valen­te: Ja, das kann sehr mög­lich sein. Es ist so – gut, die Arran­ge­ments ste­hen. Aber, wenn Sie die Vor­stel­lung mor­gen sehen, ist sie ganz anders. Ich sin­ge anders, ich sin­ge nicht das­sel­be, oder ich atme nicht im sel­ben Moment.


Hans Kumpf: Zu Ihrer „schwä­bi­schen” Zusam­men­ar­beit. Mit Wolf­ram Röh­rig, dem frü­he­ren Chef für Unter­hal­tungs­mu­sik am Süd­funk, haben Sie eini­ges gemacht…


Cate­ri­na Valen­te: Eine gan­ze Men­ge! Wolf­ram war prak­tisch der ers­te, der sich das Ton­band ange­hört hat, das ich jedem Sen­der zuschick­te. Ich habe die gan­zen „Wochen der Leich­ten Musik” gemacht mit Chet Baker, Ger­ry Mul­ligan und Michel Legrand. Das waren all die Ver­an­stal­tun­gen, die der Wolf­ram orga­ni­siert hat für den Süd­deut­schen Rund­funk. Ich pro­du­zie­re heu­te noch für den SDR mit Erwin Lehn.


Hans Kumpf: Bedau­ern Sie nun all­ge­mein, dass Sie mehr in der Show-Bran­che tätig sind und nicht so sehr im Jazz-Bereich?


Cate­ri­na Valen­te: Nein, ich bedau­re über­haupt nichts. Das ist mein Beruf: ich bin Enter­tai­ner. Dass ich sehr ger­ne Jazz sin­ge, ist etwas Schö­nes. Ich mache auch ande­re Sachen.


Hans Kumpf: Sie haben offen­sicht­lich Ihr Publi­kum der fünf­zi­ger und sech­zi­ger Jah­re behal­ten – und nicht etwa das glei­che Ziel­pu­bli­kum der neu­en Jazz-Swing-Wel­le wie Sade und der Band „Working Week“. Glau­ben Sie, dass Sie die jun­gen Leu­te her­an­zie­hen kön­nen?


Cate­ri­na Valen­te: Her­an­zie­hen möch­te ich nicht sagen. Aber die Leu­te, die im Jazz ger­ne Swing haben und die Namen Valen­te und Basie sehen, wis­sen, dass die Valen­te frü­her mal Jazz gesun­gen hat. Und Basie ist eben Basie. Und das sind die Fans, die kom­men.

Das Gespräch führ­te Hans Kumpf

Info: Cate­ri­na Valen­te lebt inzwi­schen sehr zurück­ge­zo­gen in der Schweiz.

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Text und Foto­gra­fie von Hans KumpfKumpfs Kolum­nen

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