Sarah Lipfert im Gespräch mit Klaus Mümpfer

Sarah Lipfert - Foto: Klaus Mümpfer

Zu den jün­ge­ren Künst­lern, die einen ganz eigen­stän­di­gen Sound ent­wi­ckelt haben, zählt die Sän­ge­rin Sarah Lip­fert. Sie stellt mit ihrem Quar­tett die­ses Jahr beim „Inter­na­tio­na­len Jazz-Fes­ti­val Bin­gen swingt“ ihr neu­es Pro­gramm „Krug bis Knef“ vor. Für die­ses aus­ge­fal­le­ne Pro­jekt hat die Sän­ge­rin Kom­po­si­tio­nen aus­ge­wählt, die Künst­ler wie Hild­gard Knef und Man­fred Krug zu Klas­si­kern gemacht haben und die sie mit der ihr eige­nen San­ges­kunst inter­pre­tiert. Ele­gant sind die Arran­ge­ments, raf­fi­niert die Stimm­füh­rung mit Lied und Scat, emo­tio­nal die Aus­drucks­kraft. Sie singt mal unter­kühlt, mal intim. Doch stets vehe­ment swin­gend sind Beglei­tung und Gesang. Von beson­de­rem Reiz sind Stü­cke wie die „One Note Sam­ba“, „Für eine Nacht vol­ler Selig­keit“ oder „Irgend­wo auf der Welt“. „Lass mich bei dir sein“ outet Sarah Lip­fert als Roman­ti­ke­rin. Ver­rucht und zugleich naiv erklingt „Ich weiß nicht, zu wem ich gehö­re“. Dank der exzel­len­ten Musi­ker und der Inter­pre­ta­ti­ons­kunst der Sän­ge­rin ist das neue Pro­gramm nicht nur für Freun­de alter deut­scher Schla­ger, son­dern auch für Anhän­ger swin­gen­der Jazz­mu­sik reiz­voll und hörens­wert.

Schon vor Jah­ren ver­rie­ten die Pro­gram­me der Sän­ge­rin eine Vor­lie­be für Stü­cke die­ser Art. Gemein­sam mit den kon­ge­nia­len Beglei­tern Vol­ker Engel­berth am Kla­vier, dem Bas­sis­ten Tho­mas Sta­be­now und dem Schlag­zeu­ger Hol­ger Nes­we­da konn­te Sarah Lip­fert dann ihr neu­es Pro­gramm rea­li­sie­ren.

Ihre soli­de, klas­si­sche Gesang­aus­bil­dung an den Musik­hoch­schu­len in Mainz und Mann­heim sind der Nähr­bo­den für die musi­ka­li­schen Ide­en und uner­schöpf­li­che Krea­ti­vi­tät der 1979 gebo­re­nen Künst­le­rin. Von 2001 bis 2003 war Sarah Lip­fert Sän­ge­rin der Phoe­nix-Foun­da­ti­on, dem Land­ju­gend­jazz­or­ches­ter Rhein­land-Pfalz. Mit ihrer Band Sarahs Ball­room spiel­te sie 2009 die CD „Bet­ween hea­ven and hell“ ein. Sarah Lip­fert ist Sän­ge­rin des Duos „Fräu­lein­jazz“, Back­ground­sän­ge­rin in der Big­band „brass and fun“ sowie bei „Dada-die-Band“. Heu­te lehrt Lip­fert Gesang unter ande­rem an der Musik­hoch­schu­le Frei­burg, der Musik­hoch­schu­le Stutt­gart sowie im „Stimm­werk“ Stutt­gart.

Mit Sarah Lip­fert sprach Jazz­pa­ges-Mit­ar­bei­ter Klaus Mümp­fer über ihr neu­es Pro­jekt „Krug bis Knef“. 

KM: Wie ist es zu der neu­en Band gekom­men, nach der nach mei­ner Ansicht her­vor­ra­gen­den per­so­nel­len Zusam­men­set­zung von Sarahs Ball­room.

Sarah Lip­fert: Da muss ich ein wenig aus­ho­len.

Sarahs Ball­room for­mier­te sich wäh­rend mei­nes Stu­di­ums an der Hoch­schu­le für Musik in Mann­heim. Dani­el Prandl, Mat­thi­as Nowak, zwei wei­te­re Kol­le­gen und ich waren dort durch Zufall in einem Ensem­ble für „Vocal-Jazz­stan­dards“ gelan­det und prob­ten gemein­sam jede Woche.
Es mach­te uns so viel Spaß und har­mo­nier­te musi­ka­lisch so gut, dass sich dar­aus eine fes­te For­ma­ti­on bil­de­te, zu der zwei Jah­re spä­ter Dirik Schil­gen als Schlag­zeu­ger hin­zu­kam. Mit Dani­el Prandl als Co-Autor habe ich für Sarahs Ball­room vie­le Songs geschrie­ben. Sicher­lich einer der zu erwäh­nen­den Höhe­punk­te die­ses gemein­sa­men Schaf­fens­pro­zes­ses war 2008 die Ver­öf­fent­li­chung des Albums „bet­ween hea­ven and hell“.

Wie so oft, brach­te auch bei Sarahs Ball­room der erfolg­rei­che Abschluss unse­res Stu­di­ums den einen oder ande­ren Wohn­ort­wech­sel mit sich, und somit waren wir in Win­del­sei­le in alle Him­mels­rich­tun­gen ver­streut. Ein neu­er Stand­ort erfor­dert gera­de im Musik­ge­schäft sehr viel Auf­bau­ar­beit um bei­spiels­wei­se neue Netz­wer­ke zu knüp­fen. Im Jahr 2010 trenn­ten sich dann aus Zeit­man­gel unse­re Wege.

Die For­ma­ti­on, mit der ich die­ses Jahr bei „Bin­gen swingt“ auf­tre­ten darf, setzt sich aus Kol­le­gen der Mann­hei­mer Jazz­sze­ne zusam­men, mit denen ich jeweils schon mehr­mals in ande­ren For­ma­tio­nen arbei­te­te.

Auch hier ergab sich die Beset­zung durch eine kon­kre­te musi­ka­li­sche Idee, näm­lich durch ein gemein­sa­mes Kon­zert im Rah­men der Kon­zert­rei­he „New Jazz Voices“ im „Schatz­kistl Mann­heim“, letz­tes Jahr im Okto­ber. Hol­ger Nes­we­da und Tho­mas Sta­be­now, die Orga­ni­sa­to­ren der Rei­he, hat­ten Lust mit mir und dem Pia­nis­ten Vol­ker Engel­berth gemein­sam für den Abend ein spe­zi­el­les Pro­gramm zu erar­bei­ten.

Das Fes­ti­val ist nun eine schö­ne Gele­gen­heit, um die­se Arbeit noch ein­mal zu inten­si­vie­ren und zu ver­tie­fen.

KM: Wie­so von „Krug bis Knef?”

Sarah Lip­fert: Der Titel des Pro­gramms war das Resul­tat mei­ner Song­aus­wahl für das oben erwähn­te Kon­zert im Okto­ber 2012.

Zen­tra­les Anlie­gen war es dabei, den Fokus auf Jazz-Klas­si­ker mit unter­halt­sa­men deut­schen Tex­ten, unter ande­rem von Hil­de­gard Knef und Man­fred Krug, zu legen. Schluss­end­lich haben wir uns dann wäh­rend des Schaf­fens­pro­zes­ses noch dafür ent­schie­den, eini­ge bekann­te alte deut­sche Schla­ger zu bear­bei­ten und mit in das Pro­gramm auf­zu­neh­men.

KM: Wie kam es zu die­ser Idee und dem dar­aus resul­tie­ren­den Pro­gramm?

Sarah Lip­fert: Die Begeis­te­rung für alte deut­sche Schla­ger begann mit dem Stück „Für eine Nacht vol­ler Selig­keit“, wel­ches ich durch Tho­mas Sta­be­now ken­nen­ler­nen durf­te, der sei­ner Zeit an der Hoch­schu­le in Mann­heim zu mei­nen Dozen­ten gehör­te. Die­ser Song, im Ori­gi­nal geschrie­ben von Peter Kreu­der, ist auch schon auf mei­nem Album „bet­ween hea­ven and hell“ zu hören.

Vor allem fas­zi­niert mich an die­ser Musik der Facet­ten­reich­tum der Stim­mun­gen und Emo­tio­nen, die der dazu­ge­hö­ri­ge geschicht­li­che Kon­text her­vor­ge­bracht hat. Ob weh­mü­tig, humor­voll, fri­vol, oder sehn­süch­tig, die Tex­te und Melo­di­en bie­ten uns eine gro­ße Viel­falt an Aus­drucks­mög­lich­kei­ten und Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum.

In einer eher „über­spitz­ten“ Form der Inter­pre­ta­ti­on kann man mich mit die­ser Art von Musik auch bei „Fräu­lein­jazz“ sehen. Mei­ne Kol­le­gin Judith Gold­bach (Kon­tra­bass) und ich ent­wi­ckel­ten mit der Regis­seu­rin Caro­li­ne Richards ein Klein­kunst­pro­gramm, wel­ches alte deut­sche Schla­ger mit der Geschich­te von zwei Fräu­leins ver­eint, wie sie unter­schied­li­cher nicht sein könn­ten. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen dazu fin­det man unter: www.fraeuleinjazz.de.

KM: Was reizt Dich beson­ders an die­sem Pro­jekt?

Sarah Lip­fert: Zum einen reizt mich die oben erwähn­te Viel­falt der Tex­te und Melo­di­en und die sich dadurch erge­ben­de Inter­pre­ta­ti­ons­frei­heit. Jazz habe ich unter ande­rem des­we­gen stu­diert, weil er mir genau die­se Mög­lich­keit bie­tet mich har­mo­nisch und rhyth­misch viel frei­er aus­zu­drü­cken. Durch tona­le und rhyth­mi­sche Varia­tio­nen der Melo­die bin ich in der Lage, Tex­te so zu inter­pre­tie­ren und wie­der­zu­ge­ben, wie ich sie ver­ste­he oder ver­stan­den wis­sen will. Zum ande­ren reizt mich das musi­ka­li­sche Kom­mu­ni­zie­ren mit mei­nen groß­ar­ti­gen Mit­mu­si­kern. Durch ihre Offen­heit und ihre musi­ka­li­schen Fer­tig­kei­ten konn­ten unglaub­lich schö­ne und viel­fäl­ti­ge Arran­ge­ments ent­ste­hen, die jeden von uns inspi­rie­ren und mich immer wie­der zum Scat­ten ein­la­den. Jeder Mit­mu­si­ker bringt sein Instru­ment, in mei­nem Fall eben mei­ne Stim­me, in das Pro­jekt ein und die dar­aus resul­tie­ren­den Klang­far­ben klei­den die aus­ge­wähl­ten Songs auf eine beson­de­re Art und Wei­se.

KM: Was war bei der Umset­zung zu beach­ten und was ist Dir wich­tig bei der Inter­pre­ta­ti­on?

Sarah Lip­fert: Für mich ist die erfolg­rei­che und auch inspi­rie­ren­de musi­ka­li­sche Arbeit immer ana­log zu sehen zu einer erfolg­rei­chen Seil­schaft in den Ber­gen. Es ist wich­tig, dass man sich auf­ein­an­der ver­las­sen kann und dass man eine gemein­sa­men „Spra­che“ fin­det. Die­se haben wir gefun­den und genau das war und ist die Grund­la­ge für ein gutes Zusam­men­spiel und bie­tet Frei­raum für jeden ein­zel­nen Musi­ker. Ich per­sön­lich kann in mei­ner Inter­pre­ta­ti­on frei sein, weil ich mich „gut gesi­chert“ und har­mo­nisch unter­stützt füh­le. Wich­tig ist mir vor allem, dass die ver­schie­de­nen Stim­mun­gen der Songs zum Aus­druck kom­men und der Zuhö­rer somit die Chan­ce hat, in sein ganz per­sön­li­ches „Kopf­ki­no“ abzu­tau­chen.

KM: Eine letz­te Fra­ge: Wann wird eine CD „Krug bis Knef erschei­nen?

Sarah Lip­fert: Eine CD ist lei­der noch nicht kon­kret geplant. Wir hat­ten vor, dass Pro­gramm Anfang des Jah­res ein­zu­spie­len, aber durch mei­ne Schwan­ger­schaft hat sich alles ver­scho­ben. (Anm. d. Redak­ti­on: Am 12. März kam der klei­ne Lou­is Cas­per gesund zur Welt) Einen kon­kre­ten Ter­min kann ich des­we­gen nicht nen­nen.

Die CD von Sarahs Ball­room, auf der „Für eine Nacht vol­ler Selig­keit” mit Fre­de­rik Kös­ter als Gast an der Trom­pe­te zu hören ist, ist unter mei­ner eige­nen Home­page „www.sarahlipfert.de” erhält­lich.

 

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