Gewinner Neuer Deutscher Jazzpreis 2019: Shreefpunk plus Strings. Benjamin Schaefer gewinnt Kompositionspreis (mit Fotos)

Mit einer außer­ge­wöhn­li­chen Ges­te been­de­te Mat­thi­as Schriefl den gelun­ge­nen Wett­be­werbs­abend in der Alten Feu­er­wa­che Mann­heim – das Preis­geld wird unter allen 16 Musi­ke­rin­nen und Musi­kern des Wett­be­werbs geteilt.

Es war eine der sym­pa­thischs­ten Ver­an­stal­tun­gen in der Rei­he Neu­er Deut­scher Jazz­preis seit dem Beginn im Jahr 2006. Bei der vier­zehn­ten Aus­ga­be konn­te am Ende der Trom­pe­ter Mat­thi­as Schriefl nicht nur den Solis­ten­preis ergat­tern, son­dern er gewann auch mit sei­ner For­ma­ti­on Shreef­punk plus Strings die Gunst des abstim­men­den Mann­hei­mer Publi­kums, und damit Band­preis. In der Band: Mat­thi­as Schriefl (tp, flh, bflh, tuba, alp­horn, voc), Alex Eckert (git, uku­le­le, voc), Alex Mor­sey (b, tuba, voc), Clau­dia Schwab (vl, voc), Marie-The­res Här­tel (va,voc), DeeLin­de (cel­lo, voc), Sebas­ti­an Merk (drums).

Der Neue Deut­sche Jazz­preis hat sich seit sei­nen Anfän­gen zu einer Erfolgs­ge­schich­te gemau­sert: die Alte Feu­er­wa­che war an bei­den Wett­be­werbs­aben­den voll. Die Orga­ni­sa­to­ren prä­sen­tie­ren sich und die Ver­an­stal­tung in fei­nem Zwirn, und die Stim­mung konn­te nicht ein­mal durch eine mit eini­gen Scho­ten gespick­te Erbau­ungs­re­de zum The­ma „Frau­en­wahl­recht und Jazz­ge­schich­te“ sei­tens der Ver­tre­te­rin der Stadt Mann­heim getrübt wer­den („Die ers­te Frau im Jazz, welt­be­rühmt, ist natür­lich Ella…“).

Novum beim Neuen Deutschen Jazzpreis – Sieger teilt mit den Mitbewerbern

Anar­chisch wur­de das Kon­zept des Jazz­prei­ses mit einer wun­der­ba­ren Ges­te in Fra­ge gestellt, als Mat­thi­as Schriefl sofort nach Ver­kün­den sei­ner Preis­trä­ger­schaft ver­kün­de­te, dass er den Preis mit den ande­ren Bands tei­len wer­de. Die Ambi­va­lenz des kom­pe­ti­ti­ven Wett­be­werbs­spie­lens hat­te zuvor schon Richard Kös­ter, der Trom­pe­ter von Coast­li­ne Para­dox auf der Büh­ne kurz ange­ris­sen, als er die Stim­mung im Back­stage­be­reich augen­zwin­kernd ansprach, wo  die Fra­ge im Raum gestan­den sei, ob man trotz des har­ten Wett­be­werbs „Freun­de sein kön­ne“.

Tat­säch­lich war der Abend auch musi­ka­lisch kurz­wei­lig und auf einem sehr erfreu­li­chen – und gleich­wer­ti­gen – Niveau. Dass es am Ende Shreef­punk plus Strings wur­den, dürf­te zwar auch an der unge­küns­telt Son­nig­keit des Band­lea­ders und der fröh­lich daher­kom­men­den Band gele­gen haben. Aber: sie spiel­ten auch ein­fach gut. Ein Pro­gramm zwi­schen alpen­län­di­scher Folk­lo­re, lust­voll auf­ge­bro­che­nen Stan­dards – mit eine hin­reis­sen­den Inter­pre­ta­ti­on von „Bewit­ched, bothe­red, and bewil­de­red“, die oben erwähn­te Ella hät­te ihre Freu­de gehabt – und schräghu­mo­ri­gen Ansa­gen. Alp­horn noch dazu, und schon ist das Publi­kum bezirzt. Das ist Jazz mit einer Note, wie er sie frü­her ganz unge­niert haben durf­te: spek­ta­ku­lä­re Unter­hal­tungs­mu­sik im bes­ten Sin­ne. Eini­ge Men­schen im Publi­kum zück­ten schon das Stimm­kärt­chen.

Die ande­ren Bands hat­ten es gegen die­se Erfolgs­mi­schung nicht leicht. Niko Sei­bolds „Sei­bol­zing “ ließ mehr als auf­hor­chen. Der Saxo­pho­nist ist ein Gewächs der Musik­hoch­schu­le Mann­heim, hol­te sich den Fein­schliff an der Man­hat­tan School of Music bei Jim McNee­ly und Dave Lieb­man, und er ist – vor­erst – ange­kom­men auf dem Jazz­cam­pus Basel. Das Quar­tett: inter­na­tio­nal besetzt, mit Rapha­el Ros­sé an Posau­ne und Eupho­ni­um, Rober­to Koch am Kon­tra­bass und Fre­de­rik Heis­ler am Schlag­zeug. Fein­ge­spon­ne­ne Kom­po­si­tio­nen, wun­der­ba­re Dia­lo­ge zwi­schen Sax und Eupho­ni­um, eine homo­ge­ne Band, die ganz zurecht im Fina­le gelan­det war.

Ein schö­nes Bei­spiel für das über­zeu­gen­de Kon­zept den anonym aus­wäh­len­den Vor­ju­ry war die drit­te Band auf der Büh­ne. Das Quin­tett Coast­li­ne Para­dox mit Richard Kös­ter (tp,flh), Dami­an Dal­la Tor­re (ts,bcl), Felix Römer ℗, Marc Mez­go­lits (b), Valen­tin Duit (d) hat noch nicht ein­mal eine CD auf dem Markt (die kommt im April her­aus). Auch die­se Band hat schon die Vor­ju­ry und den Kura­to­ren schlicht durch ihre Musik über­zeugt und schaff­te das auch live auf der Büh­ne in Mann­heim. Mit Gespür für ein­gän­gi­ge Melo­di­en, Sinn für gegen­krat­zi­ge Ein­wür­fe – jun­ger Jazz at its best.

Kompositionspreis an Benjamin Schaefer

Die Ent­schei­dung war zwar schon am Vor­abend gefal­len, die Ver­kün­dung des Sie­gers fand aber eben­falls erst am Sams­tag statt. Ben­ja­min Schae­fer hat die belieb­tes­te Kom­po­si­ti­on geschrie­ben, damit 2000 Euro Preis­geld erhal­ten, und er wird ver­mut­lich der Behaup­tung nicht wider­spre­chen, dass sei­ne „Kon­kur­ren­ti­nen“ kaum weni­ger den Preis ver­dient hät­ten. Mit im Ren­nen waren Chris­ti­na Fuchs und des Schrei­bers Lieb­ling war das Werk von Marei­ke Wien­ing.

| IG-Jazz Rhein-Neckar

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