Moers Festival 2021: Jubiläum in unsicheren Zeiten

Moers Festival 2021

Noch wenige Wochen vor der 49. Ausgabe des Moers Festival im vergangenen Jahr 2020 wurde fleißig in Richtung Festival mit Publikum geplant. Am Ende wurde es ein außerordentliches Streaming-Event, komplett von ARTE übertragen. Die hartnäckigen Fans verfolgten und feierten bei vielen kleinen Festivalparties vor dem heimischen Bildschirm. Aber im kommenden Jahr, zum 50. Jubiläum im Jahr 2021 sollte der Spuk doch nur noch ein fieser Schatten über der Kulturszene gewesen sein?

Mitte März 2021 sieht die Situation leider nicht viel besser aus. Geimpft sind gerade einmal ein Teil der über 80-jährigen – und so alt ist der typische Festivalbesucher in Moers dann doch nicht, als dass damit Entspannung fürs Festivalgeschehen absehbar ist. Die Kulturszene bleibt mit am schlimmsten von Corona gebeutelt, und wenn überhaupt irgend etwas besser geworden ist, dann ist es wohl der flexiblere Umgang mit den nach wie vor schwierigen Rahmenbedingungen seitens der Veranstalter.

Und so reagiert man eben auch in Moers: mit Abstand, mit einem verstärkten Schwerpunkt der Konzerte im Park und mit vielen, vielen Tests, die dem Festival von großzügigen Sponsoren zur Verfügung gestellt werden. Trotzdem: es wird weniger Publikum geben, mit Anmeldung und zugewiesenen Plätzen einzeln für die Konzerte. Und Livestreaming wird ein wichtiger Baustein des Programms bleiben, inklusive eines experimentellen Ausflugs in die „virtuelle Realität“ – was immer das am Ende sein mag.

Moers 1990 / www.jazzfotografie.de

Das musikalische Programm 2021: moerstypisch bunt bis in die Randbereiche. Es gibt ein Wiederhören mit alten Moersreckinnen und -recken wie David Murray oder Han Bennink. Internationale Jazzklasse mit Sylvie Courvioisier und ihrem Trio. Die Bassistin Joëlle Léandre spielt mit Sängerin Lauren Newton und Myra Melford am Piano. Und der grandiose Multiinstrumentalist Joe McPhee beehrt Moers.

Spaß an exotischen Musikszenen hat Festivalchef Tim Isfort schon immer – der Wunsch, nordkoreanische Musik aufs Festival zu holen ist gewiss noch nicht begraben – in diesem Jahr soll der exotische musikalische Schwerpunkt von der äthiopischen Musikszene geprägt werden. Unter anderem in einer speziellen Large Unit des norwegischen Schlagzeugers Paal Nilssen-Love, in der skandinavische, äthiopische und brasilianische Musiker eine brodelnde Musiksuppe kochen.

Unser Nachbarland Frankreich ist gut vertreten: Die Formation La Tène tritt auf und das Oktett Le Grand Sbam aus Lyon. Programmatisch setzt sich das 27-köpfige Pariser Ensemble ONCEIM mit dem dem Werk der Synthesizerpionierin Éliane Radigue auseinander.

Das aufgeweckte Duo Talibam!, bestehend aus Matt Mottel und Kevin Shea, macht schon seit einiger Zeit als Improvisers in Residence in und um Moers auf sich aufmerksam. Sie bespielen ihren Instagram Account mit anarchischem Humor und dass sie musikalisch eine Bereicherung des Festivals sein werden ist klar – schließlich haben sie bereits 2018 das Programm aufgemischt, Shea unter anderem mit einem spektakulären Drummer-Happening zum Finale des Festivals.

Die Improvisers in Residence Tradition begann im Jahr 2008 mit der Saxophonistin Angelika Niescier und sie wird, wie alle Improvisers seitdem, in einer speziellen Formation namens Große Kleine Allee Band in Moers zu erleben sein. Ob diese und viele weitere Pläne für das Pfingstfestival von 21.-24. Mai in Moers aufgehen, liegt nur zu Teil in der Hand der Veranstalter. Geplant wird mit vielen Unwägbarkeiten – ein Glück, dass Flexibilität und Improvisationskunst zur DNA des Moersfestivals gehören.

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