Martin Keller Quintett in Schwäbisch Hall: Skurriles mit musikalischem Humor genommen

Etliches Notenmaterial und viel Improvisationsspaß: Das Quintett des Saxofonisten und Klarinettisten Martin Keller begeisterte im Club Alpha 60 von Schwäbisch Hall.

Drei Jazzkonzerte mussten während der letzten Wochen kurzfristig abgesagt werden, so fand als erster swingender Event des Jahres im Club Alpha 60 die Performance des Martin-Keller-Quintetts statt. Skurril schon fing der Abend an – mit der schrägen Vertonung des absurden Gedichts „Die gebratene Ameise“ von Paul Carl Wilhelm Scheerbart (1863–1915). Auf der Bühne war ein altes Röhrenradio postiert, und eine Rezitation, welche schließlich elektronisch zerhackt wurde, kam aus dem Off: „Die Ameise, die in acht Tagen am meisten gearbeitet hat, wird am neunten Tag feierlich gebraten und von den Ameisen ihres Stammes gemeinschaftlich verspeist.“ Nicht minder komisch komponierte der Bassist Kurt Holzkämper die Musik dazu, wobei er an Hanns Eisler und Kurt Weill erinnerte. Schließlich ein intensives Duo vom Bandleader auf dem Tenorsaxofon mit dem Geiger Florian Vogel, der ansonsten mehr dem Django-Reinhardt-Mitspieler Stéphane Grappelli als dem „coltranesken“ Zbigniew Seifert aus Polen huldigte.

Neutönerisch-Punktuelles wurde bei dem Stück „Very Blue“ nicht verschmäht; ebenfalls von Martin Keller stammt die Nummer „Drunken Drummerman“, die eine ruckartige VW-Bus-Fahrt mit einem beschwipsten Schlagzeuger am Steuer verklanglicht. Sämtliche Instrumentalisten, und nicht nur Rhythmus-Profi Hans Fickelscher, geraten da vorbestimmt aus dem Takt, und das Tempo wechselt hin und her – ein amüsantes Stolpern und Stottern, ein nervöses Gehupe und Gekreische.

Hinter dem Titel „Uschi“ verbirgt sich ein holpriger Marsch, gewidmet Ursula von der Leyen in ihrer einstigen Funktion als Bundesverteidigungsministerin. Und lustig geht es auch zu, wenn die fünf Mannsbilder eine Zeitungsanzeige mit dem Werbespruch „In der Damenhose liegt unsere Kompetenz“ veralbern und Salsa tänzeln..

Vervollständigt wurde das seit sechs Jahren existierende Quintett durch den – wie auch alle seine Kollegen – aus der Region Stuttgart stammenden Akkordeonisten Tobias Escher, der nicht weniger gekonnt zusätzlich eine Melodica zum Einsatz brachte. Wahrlich eine stil- und genreübergreifende Band mit außergewöhnlicher Instrumentierung (Martin Keller blies noch außer Sopransax drei verschiedene Klarinetten) – und mit knitzem Witz. Organisator Wolfgang Kronmüller resümierte: „Die Stimmung im Publikum als auch auf der Bühne war sehr gut. Martin Keller versteht es, die Titel entsprechende launig mit Humor anzusagen. Hans Fickelscher spielt sein Schlagzeug sehr dezent im Hintergrund, wobei er im zweiten Set ein beeindruckendes Solo hingelegt hat. Die Zuschauer und auch wir Veranstalter wurden nach einem kurzweiligen Jazzkonzert  mit einer Zugabe verabschiedet.“

Info Das Nachholkonzert der Gustav-Lichdi-Combo im Club Alpha 60 erfolgt am 9. April um 20 Uhr. Sämtliche Einnahmen sollen dann der Ukraine-Hilfe zugutekommen.