Just Music 2013 – Festivalchef Raimund Knösche im Gespräch mit Frank Schindelbeck

Just Music, das inter­na­tio­na­le Jazz­fes­ti­val in Wies­ba­den fin­det vom 21. bis 23. Febru­ar statt. Fes­ti­val­ma­cher Rai­mund Knö­sche zur ach­ten Aus­ga­be von Just Music im Metro­pol­jazz-Gespräch mit Frank Schin­del­beck.

FS: In die­sem Jahr beginnt das Fes­ti­val mit einem „Vor­spiel“ am Don­ners­tag-Abend im Klang­Werk mit­te. Hyper­ac­tive Kid spie­len dort – hat sich das zufäl­lig erge­ben oder erle­ben wir einen ers­ten Schritt zur „Ver­grö­ße­rung“ des an sich zwei­tä­gi­gen Fes­ti­vals?

RK: Das Klang­Werk-mit­te war bereits im ver­gan­ge­nen Jahr Bestand­teil des Fes­ti­vals, denn dort fand und fin­det auch in die­sem Jahr der Work­shop am Sams­tag statt.

Neu ist das Kon­zert am Don­ners­tag und ist fol­gen­dem Umstand zu ver­dan­ken: Hyper­ac­tive Kid hat­ten schon früh im ver­gan­ge­nen Jahr ange­fragt. Da wir bis­lang kei­ne Band zum wie­der­hol­ten Male auf der Büh­ne des Kul­tur­fo­rums hat­ten (ein­zel­ne Musi­ker schon) bot es sich ein­fach an hier über den Weg eines Club­kon­zerts eine Aus­nah­me zuzu­las­sen, dar­über hin­aus auch der Spiel­stät­te Klang­Werk-mit­te zu einem grö­ße­ren Bekannt­heits­grad zu ver­hel­fen und somit zum inte­gra­ti­ven Bestand­teil des Fes­ti­vals wer­den zu las­sen. Die Grö­ße des Fes­ti­vals wird auch in Zukunft bei 2–3 Tagen blei­ben – die Drei­ta­ges­ver­si­on gab es bereits 2007, damals in Ver­bin­dung mit dem Hes­si­schen Jazz­po­di­um.

FS: Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel – aber was steckt hin­ter dem Gedan­ken, Bands mög­lichst nur ein­mal bei Just Music auf­tre­ten zu las­sen?

RK: Ganz ein­fach: Es gibt ein solch viel­fäl­ti­ges Ange­bot an inter­es­san­ten, span­nen­den und groß­ar­ti­gen musi­ka­li­schen Kon­zep­ten, dass es bei einer Kon­zert­dich­te von ca. 6 Konzerten/Festival recht leicht ist Neu­es und/oder in Wies­ba­den bis­her Unbe­kann­tes zu Gehör zu brin­gen.

Außer­dem ist unse­re Wunsch­lis­te lang, bzw die Zahl der Bewer­bun­gen für Just Music hoch. Soll aber nicht hei­ßen, dass dies als in Stein gemei­ßel­tes Gesetz gilt, denn s.o.: Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel!

FS: Stam­men die Bewer­bun­gen im wesent­li­chen aus Deutsch­land oder kom­men auch Anfra­gen aus dem Aus­land – anders gefragt: wie sieht es mit der „Reich­wei­te“ und Bekannt­heits­grad des Fes­ti­val im ach­ten Jahr aus?

RK: „Ange­kom­men”! Anfra­gen welt­weit. Inner­halb der „Sze­ne” ist die Reich­wei­te groß, aller­dings wol­len wir natür­lich auch und gera­de die Men­schen errei­chen, die bis­lang eher Schwel­len­angst und Vor­be­hal­te gegen­über Jazz im All­ge­mei­nen und im Beson­de­ren gegen­über unse­rer „Spiel­rich­tung” haben.

FS: …womit wir beim Kern des Fes­ti­vals ange­kom­men sind: was ist denn die – für die „Neu­en“ – die­se „Spiel­rich­tung“?  Und wür­dest Du sagen, dass euer Fes­ti­val­pro­fil auch für Jazz-Ein­stei­ger geeig­net ist

RK: Selbst­ver­ständ­lich ist unser Fes­ti­val auch für „Jazz­ein­stei­ger“ geeig­net, da wir wie­der einen wei­ten Bogen span­nen vom kam­mer­mu­si­ka­li­schen Bass-Solo über Barock­mu­sik­in­ter­pre­ta­tio­nen und ima­gi­nä­ren Film­sound­tracks bis hin zu „free­style“ neu­er und alter Schu­le.

Das alles geschieht mit einem neu­gie­ri­gen Blick über den musi­ka­li­schen Tel­ler­rand des main­streams: JUST MUSIC ver­steht Jazz als Expe­ri­men­tier­feld, das die Gen­re­gren­zen hin­ter­fragt und immer wie­der ver­schiebt. So prä­sen­tiert JUST MUSIC aktu­el­le, leben­di­ge Musik mit Zeit­be­zug, die nicht nur span­nen­de Unter­hal­tung ver­spricht, son­dern auch Rei­bungs­flä­che bie­tet.

FS: Auf den Trom­mel­fel­len rei­ben dürf­te sicher der gro­ße alte Mann des frei­en Power­sa­xo­phon­spiels, Peter Brötz­mann – er spielt in einem Trio mit „Regio­nal­be­zug“…

RK: Peter Brötz­mann blieb und bleibt sich treu und ent­fal­tet sich nichts­des­to­trotz mun­ter wei­ter. Das ist nicht nur bezo­gen auf sei­ne indi­vi­du­el­le Aus­drucks­mög­lich­keit von Bedeu­tung, son­dern passt haar­ge­nau in unser Kon­zept des „Muts zum Risi­ko”. Zwar hat es ein ers­tes Kon­zert mit Peter Brötz­mann und Jörg Fischer bereits in Wies­ba­den gege­ben, so dass das „first mee­ting” (auch ver­öf­fent­licht auf Ton­trä­ger) auf die­se bei­den nicht mehr zutrifft, aller­dings in der Erwei­te­rung mit Georg Wolf am Kon­tra­bass wird die Musik sicher wie­der eine Wen­de neh­men, wohin, wird sich wäh­rend des Gigs am Sams­tag wei­sen.

Ja, es ist in der Tat ein Kon­zert mit Regio­nal­be­zug, näm­lich mit Jörg Fischer als Wies­ba­de­ner Schlag­zeu­ger – sei­ner Initia­ti­ve ist es übri­gens zu ver­dan­ken, dass das Pro­jekt zustan­de gekom­men ist – steht auch ein loka­ler Musi­ker im Zen­trum des Gesche­hens. Um es zu kom­plet­tie­ren: Georg Wolf kommt aus Gie­ßen, so dass sich hier durch­aus ein­mal Hes­sen in (Jazz)szene setzt.

FS: Das kom­plet­te Pro­gramm fin­det sich natür­lich auf der Fes­ti­val­sei­te www.justmusic-festival.de und es tum­meln sich neben dem erwähn­ten deut­schen Jazz-Urge­stein, dem  ver­gleichs­wei­se „Jun­gen Gemü­se“ am Eröff­nungs­abend auch eine gan­ze Rei­he hoch­span­nen­der  inter­na­tio­na­ler Bands. Klar – als Fes­ti­val­chef kann man kei­ne her­aus heben, trotz­dem: viel­leicht eine beson­de­re Emp­feh­lung?

RK: Mei­ne per­sön­li­che Emp­feh­lung geht auch inter­na­tio­nal in Rich­tung „Jun­ges Gemü­se“, zum einen am Frei­tag mit dem Barock­pro­jekt des Schwei­zer Posau­nis­ten Samu­el Bla­ser, (mit kei­nem gerin­ge­ren als US-Ame­ri­ka­ner Ger­ry Heming­way am Schlag­zeug!) sowie am Sams­tag die ima­gi­nä­ren Film­sound­tracks des deutsch-fin­ni­schen Tri­os Kli­ma Kali­ma um den Gitar­ris­ten Kal­le Kali­ma.

FS: Ger­ry Heming­way – das ist ein gutes Stich­wort. Er lei­tet den dies­jäh­ri­gen Work­shop. Offen­sicht­lich auch ein gut funk­tio­nie­ren­der Bau­stein bei Just Music, wie  sich im ver­gan­ge­nen Jahr beim aus­ge­buch­ten Work­shop des Bas­sis­ten Sebas­ti­an Gramss‘ gezeigt hat. Rich­ten sich die Work­shops eher an Ama­teu­re oder an pro­fes­sio­nel­le Musi­ker?

RK: Sowohl als auch, wobei hin­zu­zu­fü­gen ist, dass es kein Work­shop für Anfän­ger ist, son­dern für Fort­ge­schrit­te­ne. Wir haben auch bis­lang nicht den Unter­schied gemacht, ich könn­te also nicht sagen, ob der Anteil pro­fes­sio­nel­ler Musi­ker höher als der der Ama­teu­re ist.

Jeden­falls ist es schön zu sehen, dass der Work­shop an sich ange­nom­men wird und somit tat­säch­lich zum fes­ten Bestand­teil jeg­li­cher Fes­ti­val­pla­nung gewor­den ist. In die­sem Jahr wer­den übri­gens acht Teil­neh­mer dabei sein, Anmel­dun­gen sind nun lei­der nicht mehr mög­lich. Statt­fin­den wird er übri­gens am Sams­tag im Klang­Werk-mit­te.

FS: Das Klang­Werk mit­te ist Dein „stän­di­ges Stand­bein“ für Jazz­ver­an­stal­tun­gen in Wies­ba­den. Strahlt der „Fes­ti­val-Hype“ auch auf die stän­di­gen Ver­an­stal­tun­gen dort aus?

RK: Das „befeu­ert” sich gegen­sei­tig, nicht zuletzt durch die krea­ti­ve Ener­gie des Work­shops, aber Anker­platz, das ist schon rich­tig, ist das Klang­Werk.

Aller­dings ist es so, dass die Kon­zer­te im Klang­Werk-mit­te the­ma­tisch wei­ter gefasst sind und somit auch ein brei­te­res Publi­kum anspre­chen sol­len, was wie­der­um dazu führt, dass der oder die eine oder ande­re Lust auf „exo­ti­sche­re Früch­te” sowohl im Klang­werk als auch bei Just Music bekommt…

FS: Eine per­sön­li­che Fra­ge zu Schluss – was treibt den „Jaz­zar­chi­tek­ten“ an? Ist es nur das vie­le Geld, das man mit Jazz­ver­an­stal­tun­gen ver­die­nen kann…?

RK: GENAU, haupt­säch­lich das vie­le Geld + Ruhm und Ehr natür­lich. …Allein: es han­delt sich wohl eher um eine uner­klär­li­che Form der Lei­den­schaft für die­se Musik! Da ent­ste­hen immer wie­der die­se Momen­te, die mich beglü­cken und inspi­rie­ren, die ich wahr­lich nicht mis­sen woll­te. Und in die­sem Umfeld tätig zu sein, ist groß­ar­tig und macht eine Men­ge Spaß. Zum Glück bin ich dabei nicht allein, und das ist jetzt auch ein­mal eine gute Gele­gen­heit mich bei allen Mit­strei­tern und ins­be­son­ders bei mei­ner Part­ne­rin Feli­ci­tas und mei­nem Freund Wolf­gang für ihre tat­kräf­ti­ge Unter­stüt­zung zu bedan­ken.

www.justmusic-festival.de
www.jazzarchitekt.de

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