Herbert Joos – der Trompeter, Flügelhornist und Grafiker ist verstorben

Er war eine baro­cke Gestalt und eine lyri­sche Trom­pe­ten­stim­me, zudem ein erfolg­rei­cher Gra­fi­ker: der Karls­ru­her Trom­pe­ter Her­bert Joos ist im Alter von 79 Jah­ren gestor­ben. Joos begann sei­ne musi­ka­li­sche Kar­rie­re auto­di­dak­tisch als Trom­pe­ter und stu­dier­te spä­ter eini­ge Zeit Kon­tra­bass, bevor sich end­gül­tig den Blas­in­stru­men­ten zuwand­te und zu einem der bedeu­tends­ten Trom­pe­ter und Flü­gel­hor­nis­ten Deutsch­lands wur­de. In den 1960er Jah­ren war sein lyri­scher Ton schon zu erlau­schen, im „Modern Jazz Quin­tet Karls­ru­he“, spä­ter spiel­te er in vie­len For­ma­tio­nen des Modern Jazz mit Aus­flü­gen in den Free Jazz, ohne ihn so radi­kal zu leben wie Schlip­pen­bach oder Brötz­mann – dazu blieb er immer dem Melo­di­schen zu sehr ver­bun­den.

In Baden-Würt­tem­berg war Joos beson­ders prä­sent, bei­spiels­wei­se in Bernd Kon­rads For­ma­ti­on „Süd­pool“. Her­bert Joos hat­te zudem einen engen Kon­takt zur öster­rei­chi­schen Jazz­sze­ne – als jahr­zehn­te­lan­ger Mit­spie­ler in der legen­dä­ren For­ma­ti­on „Vien­na Art Orches­tra“ und spä­ter, seit den 2000er Jah­ren, immer wie­der als Teil und Lea­der klei­ne­rer For­ma­tio­nen. Bei­spiels­wei­se mit den Saxo­pho­nis­ten Wolf­gang Pusch­nig oder Cle­mens Sales­ny. Frü­her hat­te er schon mit Hans Kol­ler gespielt.

Wei­te­re Musi­ker mit denen Her­bert Joos musi­zier­te waren der Gitar­rist Frank Kuruc und der Pia­nist Patrick Bebe­la­ar. Auf „Cou­sins Ger­mains“ ist er mit dem Tubis­ten Michel Godard zu hören. Mit Peter Lehel am Saxo­phon und dem Orga­nis­ten Peter Schind­ler nahm er „Pipes and Pho­nes“ auf, eine Ver­bin­dung von Kir­chen­mu­sik und Jazz. Auf ECM erschie­nen eini­ge Auf­nah­men mit Her­bert Joos, unter ande­rem sein expe­ri­men­tel­les Solo­werk „The Phi­lo­so­phy of the Flue­gel­horn“ aus dem Jahr 1974, auf dem er ver­schie­de­ne Blas­in­stru­men­te im Mul­ti­track­ver­fah­ren ein­setz­te.

Anfang 2017 wur­de Her­bert Joos den Lan­des­jazz­preis Baden-Würt­tem­berg als „Son­der­preis für das Lebens­werk“ über­reicht, schon 1984 wur­de er mit dem SWF-Jazz­preis aus­ge­zeich­net.

Odi­lio Claus­nit­zer hat den „Meis­ter der Atmo­sphä­re“  im Jahr 2015 für ein SWR Fea­ture aus dem Jahr 2015 kurz por­trai­tiert – dort ist er mit eini­gen O‑Tönen zu hören. Sein musi­ka­li­sches Werk bleibt auf über 20 Ton­trä­gern unter eige­nem Namen und unzäh­li­gen Auf­nah­men mit ihm als her­aus­ra­gen­dem Mit­spie­ler dau­er­haft prä­sent.

| Nach­ruf auf Her­bert Joos von Hans Kumpf auf den Jazz­pa­ges

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