Enjoy Jazz 2013 – Festivalchef Rainer Kern im Gespräch mit Frank Schindelbeck

Rainer Kern, Enjoy Jazz - Foto: Frank Schindelbeck

Foto Rai­ner Kern: Frank Schin­del­beck

Ein Gespräch mit Rai­ner Kern, dem Grün­der und Lei­ter des Enjoy Fes­ti­vals seit 1999. Enjoy Jazz 2013, die fünzehn­te Aus­ga­be des Fes­ti­vals, hat­te bereits zwei Tage zuvor mit dem Auf­tritt des Joshua Red­man Quar­tets in der Hei­del­ber­ger Stadt­hal­le begon­nen.  Das Inter­view wur­de am 7.10.2013 in der Sen­dung Jaz­zo­lo­gy im Frei­en Radio Rhein-Neckar, Ber­mu­da­funk, aus­ge­strahlt.

FS: Wie war der Ein­stieg in die Fes­ti­val­sai­son 2013?

RK: Das Fes­ti­val hät­te nicht bes­ser anlau­fen kön­nen. Joshua Red­man hat ein unglaub­lich tol­les Kon­zert mit sei­nem Quar­tett gespielt. Wahn­sin­ni­ge Musi­ker auf der Büh­ne, es war aus­ver­kauft mit mehr als 1.200 Men­schen in der Stadt­hal­le. Alle waren zufrie­den und es gab gro­ßen Applaus – mehr kann man sich nicht wün­schen. Es war ein wun­der­vol­ler Auf­takt.

FS: Hat Joshua Red­man vor oder nach dem Kon­zert auch ein­mal an dem, nach ihm benann­ten Fes­ti­val­wein, einem Rot­wein Cuvé, genippt?

RK: Den hat er nach dem Kon­zert ver­kos­tet und er war sehr, sehr, sehr zufrie­den. Wir wis­sen ja aus vie­len Wein­ver­kos­tun­gen mit ihm, was er gern mag, inso­fern hat Tho­mas Box­ber­ger das rich­ti­ge Fass aus­ge­sucht. Es soll­te ja ein Wein sein, um ihn zu ehren – weil er eben Wein­lieb­ha­ber ist, das ist die Idee dahin­ter.

FS: Das war ein Schlück­chen unter Freun­den…

RK: Ja, im Lau­fe der Jah­re, im Lau­fe sei­ner vie­len Auf­trit­te, hat sich eine Freund­schaft ent­wi­ckelt, die dar­auf basiert, dass wir ein ähn­li­ches Ver­ständ­nis von Kunst haben. Joshua Red­man ist einer der wich­tigs­ten Musi­ker der jet­zi­gen Genera­ti­on und ein­fach ein wahn­sin­nig gro­ßer Publi­kums­lieb­ling und die Kon­zer­te sind jedes Mal sehr gut.

FS: Red­man ist in gewis­ser Wei­se exem­pla­risch für eine der Kon­stan­ten des Fes­ti­vals: Auf­trit­te von Künst­lern, die seit Jah­ren bei Enjoy Jazz spie­len und deren Ent­wick­lung somit beob­ach­tet wer­den kann. Erfüllt man sich damit als Fes­ti­val­chef auch Wün­sche?

RK: Es ist weni­ger ein Wunsch, den man sich erfüllt, son­dern die Idee dem Publi­kum und den Künst­lern den größt­mög­li­chen Frei­raum zu geben und die Chan­ce Ent­wick­lun­gen zu beob­ach­ten. Bei Joshua Red­man konn­te man das beim Eröff­nungs­kon­zert jetzt sehr gut sehen – Vie­le haben mich ange­spro­chen und gesagt, sie haben ihn ver­folgt die letz­ten Jah­re bei Enjoy Jazz, und hiel­ten es nicht für mög­lich, dass es noch bes­ser geht. Aber jetzt hat er sich noch ein­mal wei­ter ent­wi­ckelt und in der Quar­tett­for­ma­ti­on noch ein­mal Ande­res abge­lie­fert. So etwas kann man eben nur mit­be­kom­men, wenn man ihn regel­mä­ßig sieht. Das ist die Idee hin­ter die­sen Ein­la­dun­gen jedes Jahr.

FS: Ande­re Künst­ler, die regel­mä­ßig bei Enjoy Jazz spie­len sind unter ande­ren Nik Bärtsch mit Ronin, Brad Mehl­dau, Micha­el Woll­ny, viel­leicht auch Bill Fri­sell aber auch der Orga­nist Jo Bart­mes. Der Schlag­zeu­ger Erwin Ditz­ner gehört mit sei­ner „Car­te Blan­che” seit eini­gen Jah­ren auch in die­sen illus­tren Rei­gen und wenn man sich sei­ne dies­jäh­ri­ge Band mit dem aktu­el­len Echo Preis­trä­ger Sebas­ti­an Gramss am Bass, dem dies­jäh­ri­gen Albert Man­gels­dorff Preis­trä­ger Nils Wogram und Alex­an­der von Schlip­pen­bach am Kla­vier – das wird span­nend..

RK: Erwin Ditz­ner gehört für mich zu den wich­tigs­ten Künst­lern in Deutsch­land und er ist ein unglaub­li­cher Schlag­zeu­ger, der in einer Art das Schlag­zeug spielt, inter­pre­tiert, wie ich kei­nen Zwei­ten ken­ne. Das war für mich ein Grund die ein­zi­ge „Car­te Blan­che” Erwin Ditz­ner anzu­ver­trau­en, die er bis­her jedes Jahr sozu­sa­gen über­erfüllt hat. Die­ses Jahr steht natür­lich eine Traum­for­ma­ti­on mit Alex­an­der von Schlip­pen­bach am Flü­gel, Sebas­ti­an Gramss am Bass und mit Nils Wogram an der Posau­ne auf der Büh­ne. Ich bin davon über­zeugt, das wird ein ganz tol­les Kon­zert.

Nils Wogram ist auch schon oft hier gewe­sen, auch in unter­schied­li­chen For­ma­tio­nen. Das ist das Inter­es­san­te im Jazz: dass ein­fach vie­le Jazz­mu­si­ke­rin­nen und ‑musi­ker in unter­schied­li­chen For­ma­tio­nen spie­len und dort natür­lich unter­schied­li­che Din­ge tun. Und wenn man das im Gan­zen erfas­sen will, dann müs­sen sie eben oft kom­men.

FS: Wie fle­xi­bel muss ein Fes­ti­val­chef bezüg­lich des Pro­gramms sein – gibt es da nicht doch gele­gent­lich Kom­pro­mis­se, die einen künst­le­risch ein wenig mit den Zäh­nen knir­schen las­sen? Auch weil sich mitt­ler­wei­le gewis­se Enga­ge­ments auto­ma­tisch durch Koope­ra­tio­nen erge­ben (Neu­er Deut­scher Jazz­preis, Jazz­me, SWR Jazz­preis)? Der SWR Jazz­preis ist ja gera­de in die­sem Jahr ein Glücks­fall…

RK: Mit Hay­den Chis­holm, aller­dings, und letz­te Jahr mit Man­fred Bründl auch schon. Ich kura­tie­re mein Fes­ti­val ohne jeg­li­che Kom­pro­mis­se. Ich kann nur berich­ten, dass es kei­nen Grund gibt, Kom­pro­mis­se ein­zu­ge­hen und ich kann immer nur davon abra­ten Kom­pro­mis­se ein­zu­ge­hen – man muss das nicht tun. Dass die­se Preis­trä­ger, die Drei, die du genannt hast, bei Enjoy Jazz spie­len, dahin­ter steckt die Idee gemein­sam Din­ge zu tun auch wenn man hier den Ein­fluss doch ein­mal kurz abgibt.

Wenn man ein Fes­ti­val ver­an­stal­tet, das über sechs bis sie­ben Wochen läuft, mit 70 Ver­an­stal­tun­gen, dann kann das Pro­gramm auch drei Preis­trä­ger­kon­zer­te ver­tra­gen, bei denen mög­li­cher­wei­se Kon­zer­te dabei sind, die ich nicht ein­ge­la­den hät­te. Die­se wich­ti­gen Prei­se wer­den nun ein­mal ver­ge­ben und dann fin­de ich es gut, dass man hier auch Hand in Hand geht, für den Jazz ins­ge­samt. Da kann ich auch ein­mal kurz zurück­tre­ten. Das sehe ich aller­dings nicht als Kom­pro­miss, son­dern das ist eine bewuss­te Ent­schei­dung – muss ich ja nicht machen – an die­se Stel­le ein­mal kurz den Ein­fluss nicht zu haben – das tan­giert das Fes­ti­val ins­ge­samt nicht. Und ansons­ten kann ich nur noch ein­mal wie­der­ho­len: Kom­pro­mis­se – Nein.

FS: Es fällt auf, dass in die­sem Jahr kein „gro­ßes Abschluss­kon­zert” statt­fin­det, im Sin­ne von „gro­ße alte Män­ner des Jazz”. Gehen die einem als Ver­an­stal­ter so lang­sam aus, ist es eine Abkehr von die­ser Tra­di­ti­on oder ein­fach Zufall, weil in die­sem Jahr kei­ner in die­sem Zeit­raum unter­wegs ist?

RK: Es gibt für das Abschluss­kon­zert – und gab auch nie – das Kon­zept „gro­ße alte Stars” des Jazz ein­zu­la­den. Das jewei­li­ge Jahr ergibt das Pro­gramm und es gibt kei­ner­lei Über­schrift über das Pro­gramm und kei­ner­lei Zwän­ge. Dass zwei­mal hin­ter­ein­an­der sol­che Kon­zer­te statt­fan­den, ein­mal Son­ny Rol­lins, dann im nächs­ten Jahr Archie Shepp mit Yusef Lateef, Reg­gie Work­man und Mul­grew Mil­ler – der lei­der gestor­ben ist, mitt­ler­wei­le – das ist unge­plant gewe­sen. Ich hal­te das dies­jäh­ri­ge Abschluss­kon­zert in keins­ter Wei­se für weni­ger spek­ta­ku­lär.

Anou­ar Bra­hem, ein ara­bi­scher Musi­ker, der in einer christ­li­chen Kir­che in Mann­heim spielt in der jet­zi­gen Zeit, das ist – glau­be ich –  ein State­ment, künst­le­risch und auch poli­tisch. Das Alter eines Künst­ler – ob der 18 ist oder 88 – ist mir „Wurst”.

FS: Und die Alten gehen einem auch nicht aus, übri­gens…

RK: (lacht) .… das ist wahr…

FS: Für mich ist die Ver­pflich­tung des Artist in Resi­dence, Micha­el Woll­ny, die posi­tivs­te Über­ra­schung des Fes­ti­vals, weil Enjoy Jazz the­ma­tisch und musi­ka­lisch zu einem neu­en Schwer­punkt kommt. Ist die Ein­füh­rung des Artist in Resi­dence Kon­zepts im Rah­men von Enjoy Jazz auch als stra­te­gi­sche Ent­schei­dung zu ver­ste­hen und ist die­ses  Kon­zept nicht – rein prak­tisch – schwer  über ein so lang dau­ern­des Fes­ti­val umzu­set­zen?

RK: Wie gesagt, ich pro­gram­mie­re grund­sätz­lich ohne Fokus­sie­rung auf ein bestimm­tes The­ma oder auf einen bestimm­ten Bereich. Man könn­te ja sagen, ich mache jetzt ein­mal Tri­os oder vie­le Quar­tet­te oder was auch immer, oder ein bestimm­tes Instru­ment – das mache ich nicht. Und auch im Fal­le des ers­ten Artist in Resi­dence des Fes­ti­vals war es nicht so, dass ich dach­te, jetzt müss­te Enjoy Jazz ein­mal einen Artist in Resi­dence bekom­men. Der Weg war ein Ande­rer. Ich hat­te ein­fach das Bedürf­nis, Micha­els unglaub­li­che Spiel­kunst in all sei­nen Facet­ten zu prä­sen­tie­ren in Rah­men eines Fes­ti­vals. Und beim Nach­den­ken dar­über wur­de mir klar: das ist ja ein Artist in Resi­dence. Ich habe mit Micha­el gespro­chen, ihm von der Idee erzählt, er fand sie sehr gut, wir haben das so genannt, haben es gemein­sam ent­wi­ckelt, natür­lich hat­te Micha­el das letz­te Wort was er machen möch­te – und wie es sich jetzt im Moment angeht, die­se „Artist in Resi­dence” Geschich­te, kann ich mir durch­aus vor­stel­len, das wir es fort­füh­ren.

Aller­dings nicht im Sin­ne eines Zwangs, „ich muss jedes Jahr Einen fin­den”. ich habe jetzt noch zwei Künst­ler im Kopf, die ich auch gern in die­ser Rei­he prä­sen­tie­ren wür­de und wenn danach im dar­auf fol­gen­den Jahr kei­ner sinn­voll erscheint, dann muss man das auch nicht zwang­haft wei­ter füh­ren. Ich fin­de es jeden­falls gut, dass man – ich hat­te es ja schon gesagt – dass mir wich­tig ist einen Künst­ler auch „ver­fol­gen” zu kön­nen. Das kann jetzt auch ein­mal inner­halb eines Fes­ti­vals tun, mit meh­re­ren Auf­trit­ten. Ich wer­de jetzt die­ses Fes­ti­val abwar­ten und schau­en, wie es gelau­fen ist.

FS: …das dürf­te über den län­ge­ren Zeit­raum auch aus finan­zi­el­len Grün­den wohl nur mit „ver­füg­ba­ren”, sprich: in Deutsch­land behei­ma­te­ten Musi­kern mög­lich sein?

RK: Das Orga­ni­sa­to­ri­sche ist das Eine, da kann man immer sehen, wie damit umzu­ge­hen ist. Bei einem süd­afri­ka­ni­schen Musi­ker oder einem US-ame­ri­ka­ni­schen, müss­te man das eben orga­ni­sie­ren. Das ist im Fall von Micha­el Woll­ny, der in Frank­furt lebt, natür­lich ein­fa­cher. Ich mache mir aller­dings um das Drum­her­um erst ein­mal kei­ne Gedan­ken. Wenn ich eine künst­le­ri­sche Idee habe, ver­su­che ich die­se zu rea­li­sie­ren. Egal wo der Künst­ler lebt, egal wie alt er ist, egal was sein Lieb­lings­es­sen ist.

FS: Euer Haupt­spon­sor, das Hei­del­ber­ger Soft­ware Unter­neh­men SAS gehört mitt­ler­wei­le schon fast zur Enjoy Jazz Fami­lie – die lang­jäh­ri­ge Zusam­men­ar­beit ist schon unge­wöhn­lich und erfreu­lich sta­bil…

RK: SAS ist mitt­ler­wei­le im neun­ten Jahr Haupt­spon­sor des Fes­ti­vals und das ist abso­lut nicht üblich, dass ein Haupt­spon­sor so lan­ge dabei bleibt. Und dar­an kann man sehen, dass das nicht so ein „ganz nor­ma­les” Spon­so­ring ist, was uns zusam­men bringt und zusam­men­hält, son­dern, dass es eine rich­ti­ge Part­ner­schaft ist mit SAS. Wir ver­an­stal­ten unse­re Sonn­tag­mor­gen Mati­ne­en im Hei­del­ber­ger Fir­men­sitz, unser Som­mer­fest fin­det dort immer statt, vie­le Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter sind Stamm­gäs­te beim Fes­ti­val und so ist im Lau­fe der Zeit ein­fach eine Bezie­hung ent­stan­den, die man auch nicht so ein­fach wie­der kappt.

Und das ist sehr, sehr wich­tig für die Pla­nungs­si­cher­heit des Fes­ti­vals, da wir immer noch mehr pri­va­te Gel­der haben als öffent­li­che und so ein Fes­ti­val ein Jahr Vor­be­rei­tung braucht und wenn man ein Jahr irgend etwas vor­be­rei­tet, muss man schon ein Jahr vor­her wis­sen, dass man es auch finan­zie­ren kann. Dafür brau­chen wir star­ke Part­ner und außer SAS haben wir natür­lich die BASF, die seit acht Jah­ren ein genau­so ver­läss­li­cher Part­ner ist und nicht nur För­de­rer des Fes­ti­vals ist son­dern auch eige­ner Ver­an­stal­ter von Kon­zer­ten. Inso­fern haben wir da wirk­lich einen glück­li­chen Zustand.

FS: Neben den Kon­zer­ten haben sich in den ver­gan­gen Jah­ren auch eini­ge „Neben­rei­hen” eta­bliert, die Jazz Mati­ne­en, Jugend­för­de­rung mit ver­schie­de­nen Pro­jek­ten, die Mas­ter­clas­ses – und last not least ent­wi­ckeln sich die­se Pro­gramm­tei­le auch zuneh­mend in eine inter­na­tio­na­le Rich­tung: in die­sem Jahr mit dem „2. Sym­po­si­um zum trans­at­lan­ti­schen Dia­log Euro­pa – USA” und mit dem „Euro­päi­schen Sym­po­si­um für jun­ge Kul­tur­ma­na­ger in der Musik­bran­che”.

RK: Unser Sym­po­si­um mit dem Hei­del­berg Cen­ter for Ame­ri­can Stu­dies zum trans­at­lan­ti­schen Dia­log zwi­schen Euro­pa und den USA war uns als Idee schon lan­ge wich­tig. Letz­tes Jahr konn­ten wir es erst­mals mit der Unter­stüt­zung der BASF umset­zen. Die Kunst­form Jazz steht ja immer im Span­nungs­feld zwi­schen USA und Euro­pa. Sie ist zwar pri­mär kei­ne urei­ge­ne euro­päi­sche Kunst­form aber sie hat sich eigen­stän­dig ent­wi­ckelt in den letz­ten hun­dert Jah­ren und ist mitt­ler­wei­le sehr stark geprägt von euro­päi­scher Kunst. Inso­fern war es uns wich­tig – weil wir uns ja als euro­päi­sches Fes­ti­val ver­ste­hen – ein­mal auf einer wis­sen­schaft­li­chen Ebe­ne über die­ses The­ma nach­zu­den­ken und zu dis­ku­tie­ren. So ist es schön, dass wir die­ses Jahr zum zwei­ten Mal mit dem HCA in Hei­del­berg die­ses Sym­po­si­um ver­an­stal­ten kön­nen und vie­le hoch­ka­rä­ti­ge Refe­ren­ten und Refe­ren­tin­nen aus den USA und aus Euro­pa teil­neh­men.

FS: Wel­ches Publi­kum soll kon­kret ange­spro­chen wer­den?

RK: An dem HCA Sym­po­si­um neh­men inter­es­sier­te Zuhö­re­rin­nen und Zuhö­rer unse­rer Kon­zer­te teil, aber auch Stu­den­ten und Stu­den­tin­nen die im HCA stu­die­ren und inter­es­sier­tes Fach­pu­bli­kum aus ganz Deutsch­land. Vie­le Jour­na­lis­ten und Jour­na­lis­tin­nen rei­sen an und so erwar­ten wir eine gute Mischung aus inter­es­sier­tem Publi­kum und Leu­ten, die sich wis­sen­schaft­lich mit die­ser Fra­ge­stel­lung aus­ein­an­der set­zen.

Neben dem Sym­po­si­um ver­an­stal­ten wir die­ses Jahr zum zwei­ten Mal unse­ren Euro­päi­schen Kul­tur­ma­na­ge­r­aus­tausch, den wir als Platt­form mitt­ler­wei­le in Euro­pa eta­bliert haben. Wir wol­len da zum einen jun­gen Kul­tur­ma­na­ger und ‑mana­ge­rin­nen aus unse­rer Regi­on aber auch mit ande­ren in Euro­pa ver­net­zen, um eine Platt­form zu haben wo über die Zukunft von Fes­ti­vals und über­haupt von Kunst- und Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen nach­ge­dacht wird. Irgend­wann wird ein Genera­tio­nen­um­bruch statt­fin­den – alle älte­ren Direk­to­ren / Direk­to­rin­nen von Fes­ti­vals und ande­ren kul­tu­rel­len Ein­rich­tun­gen wer­den irgend­wann weg sein. Ich ja auch…

FS: …ich woll­te gera­de nach­ha­ken…

RK: (lacht)… ich sehe mich noch nicht da – aber wir kön­nen machen, was wir wol­len, es wird irgend­wann so sein, dass ich auch nicht mehr das Fes­ti­val machen wer­de. Wir wol­len jetzt schon mit jun­gen Kul­tur­ma­na­ge­rin­nen und Kul­tur­ma­na­gern aus Euro­pa dis­ku­tie­ren: „wie wer­den denn Fes­ti­vals in der Zukunft über­haupt aus­se­hen?” „Wird das line­ar so wei­ter gehen?” „Wie über­nimmt man ein Fes­ti­val?” „Wie kura­tiert man ein Fes­ti­val?” – das sind die Schwer­punk­te in die­sem Jahr. Und das wird sehr gut ange­nom­men in ganz Euro­pa.

Ich glau­be ein­fach, dass wir in einer Zeit leben, wo man Din­ge nicht mehr für sich allei­ne tut und auch nicht mehr in sei­nem geo­gra­phi­schen Nah­um­feld rea­li­siert, son­dern, dass es wich­tig ist, dass man sich mit ande­ren ver­netzt. Wir alle ken­nen das Wort der „Netz­werk­ge­sell­schaft” und wir wol­len die­sem Wort Leben ein­hau­chen.  Und dabei gibt es kei­ne geo­gra­phi­schen Gren­zen.

FS: Bei­de Ver­an­stal­tun­gen wer­den vom Ver­ein „Fri­ends of Enjoy Jazz” unter­stützt. Wor­um geht es da und wel­che Rol­le spielt die­ser Ver­ein im Rah­men des Fes­ti­vals?

RK: Die Fri­ends of Enjoy Jazz sind sozu­sa­gen der För­der­ver­ein des Fes­ti­vals, der sich vor drei oder vier Jah­ren gegrün­det hat. Dort gib es Stamm­gäs­te als Mit­glie­der, inter­es­sier­te Men­schen, die uns unter­stüt­zen wol­len und es gibt Fir­men, die dort eine För­der­mit­glied­schaft haben. Zum Bei­spiel die SAP, die über ihre För­der­mit­glied­schaft auch den Euro­päi­schen Kul­tur­ma­na­ge­r­aus­tausch unter­stützt. Die­ser Freun­des­kreis ist für uns sehr wich­tig, weil wir vie­le Din­ge über den Ver­ein noch extra mög­lich machen kön­nen.

FS: Wir haben im Jahr 2005, vor 8 Jah­ren, ein län­ge­res Inter­view geführt, sei­ner­zeit mit dem dama­li­gen Lei­ter der Alten Feu­er­wa­che Egbert Rühl, an des­sen Ende ich Dich gefragt hat­te, „Wo steht Enjoy Jazz im Jahr 2010?”. Damals war die Ant­wort: „Im Jahr 2010 steht Enjoy Jazz hof­fent­lich auf soli­den, fes­ten Bei­nen. Man braucht sich nicht jedes Mal … Gedan­ken machen: „Gibt es das über­haupt noch jemals wie­der?“

Jetzt sind wir zwar sogar schon im Jahr 2013… – wür­dest du sagen, die dama­li­gen Wün­sche haben sich weit­ge­hend erfüllt?

RK: Davon hat sich viel erfüllt. Ich in sehr zufrie­den in der Rück­schau. Wir haben eini­ges erreicht. Die Finan­zie­rung könn­te zwar noch soli­der sein aber die Kon­ti­nui­tät des Fes­ti­vals ist gewahrt. Wir konn­ten unser Pro­gramm inhalt­lich aus­bau­en, wir haben uns die Strin­genz bewahrt, wir haben kei­nen „Über­flie­ger” bekom­men – zumin­dest neh­me ich das so wahr – und wir ent­wi­ckeln uns kon­ti­nu­ier­lich wei­ter.

Ich glau­be, so ein Fes­ti­val muss zwei Din­ge erfül­len. Zum einen muss es Kon­ti­nui­tät wah­ren zum ande­ren muss es sich aber auch stän­dig erneu­ern, an vie­len Ecken. Die­sen Balan­ce-Akt muss man hin­be­kom­men und geht so ein Fes­ti­val auch län­ger als nur zwei Jah­re…

FS: Letz­te Fra­ge zum Schluss: wel­ches Kon­zert will Rai­ner Kern bei Enjoy Jazz 2013 auf kei­nen Fall ver­pas­sen?

RK: Ich will auf kei­nen Fall die Kon­zer­te mit Micha­el Woll­ny ver­pas­sen, weil ich die, zusam­men mit ihm, lan­ge ent­wi­ckelt habe.  Ganz ehr­lich: …will ich gar kein Kon­zert ver­pas­sen.

Wenn man ein Fes­ti­val kura­tiert und mona­te­lang über dem Pro­gramm sitzt, sich über­legt wen man am Ende strei­chen muss, von der lan­gen Lis­te, die man ger­ne ein­la­den wür­de – und wenn die gewünsch­ten Kon­zer­te letzt­lich statt­fin­den, dann hat das ja einen künst­le­ri­schen Grund und dann will ich die Musik auch hören und freue mich dar­auf. Des­halb kann ich das *eine* Kon­zert gar nicht her­aus grei­fen – weil es tat­säch­lich so ist: ich will alle hören. Und das ver­su­che ich auch.

FS: Ein schö­nes Schluss­wort, vie­len Dank für das Gespräch.

| Enjoy Jazz Fes­ti­val

 

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