Ella Fitzgerald wäre am 25. April 100 Jahre alt geworden

Ewig die „First Lady of Jazz”

New York. „Ich hör­te im New Yor­ker Savoy Ball­room plötz­lich eine Stim­me, die mir kal­te Schau­er über den Rücken jag­te. Ich rann­te zum Podi­um, um her­aus­zu­krie­gen, wem die­se Stim­me gehört – und ent­deck­te ein rei­zend aus­se­hen­des dun­kel­häu­ti­ges Mäd­chen, das ganz beschei­den dastand und der­ar­tig wahn­sin­nig sang.” So beschrieb die Jazz­pia­nis­tin Mary Lou Wil­liams ihre ers­te Begeg­nung mit Ella Fitz­ge­rald im Jah­re 1936. Weni­ge Mona­te zuvor hat­te die in einem Wai­sen­haus auf­ge­wach­se­ne Ella als 16-Jäh­ri­ge bei einem Ama­teur­wett­be­werb gewon­nen. Eigent­lich ging es da haupt­säch­lich ums Tan­zen, jedoch wur­de auch ihre Stim­me getes­tet – und für phä­no­me­nal emp­fun­den.

Nach die­sem Erfolg kam Ella Fitz­ge­rald unter die Fit­ti­che des Band­lea­ders Chick Webb. Aller­dings wur­de sie im Orches­ter zunächst nur als Refrain-Sän­ge­rin ein­ge­setzt. Erst spä­ter ent­deck­te Ella, dass sie mit ihrem kla­ren Vokal­or­gan und dem beacht­li­chen Ton­um­fang auch her­vor­ra­gend Bal­la­den vor­tra­gen konn­te. Es ist lebens­lang die Stär­ke von Ella Fitz­ge­rald geblie­ben: Das Impro­vi­sie­ren von Melo­di­en auf „sinn­lo­sen” Sil­ben. Und dies voll­führ­te „die Ella” in einer Ver­schmitzt­heit und Beweg­lich­keit, dass sie auch als rei­fe Dame wie ein ver­gnüg­ter Teen­ager zu wir­ken ver­moch­te. Erfin­dungs­reich­tum und Krea­ti­vi­tät zeich­ne­te sie, die wirk­lich den Begriff „Jazz­sän­ge­rin” ver­dient hat, aus. Da mach­te sie ver­blüf­fen­de Instru­men­tal-Imi­ta­tio­nen (gerau­me Zeit vor Al Jar­reau, Bob­by McFer­rin und Andre­as Schae­rer!), bezog Geräu­sche ein und jon­glier­te gekonnt mit Zita­ten bekann­ter Musik­stü­cke; gesun­gen und gespro­chen berei­cher­te sie alte Stan­dards mit neu­en und aktu­el­len Tex­ten.

Rund­um ist Ella also eine eigen­stän­di­ge Per­sön­lich­keit gewe­sen, abso­lut unver­wech­sel­bar. Mit vie­len Grö­ßen des Jazz konn­te sie zusam­men­ar­bei­ten: Lou­is Arm­strong, Count Basie, Duke Elling­ton, Ben­ny Good­man, Oscar Peter­son. Aner­ken­nung durch die (männ­li­chen) Musi­ker­kol­le­gen bedeu­te­te ihr viel. Gleich­falls war ihr der enge Kon­takt zum Publi­kum wich­tig.

Weder eine Augen­krank­heit noch der ste­te Tour­nee-Stress hin­der­te am sie auch im eigent­li­chen Ren­ten­al­ter dar­an, ihre gan­ze Kraft der Musik zu geben. In ihrem sieb­ten Lebens­jahr­zehnt ging es der an Dia­be­tes lei­den­den Jazz-Lady gesund­heit­lich immer schlech­ter. Ella Fitz­ge­rald starb am 15. Juni 1996 im kali­for­ni­schen Bever­ley Hills. Gebo­ren wur­de die unver­gess­li­che Künst­le­rin 79 Jah­re zuvor am 25. April 1917 im ame­ri­ka­ni­schen Bun­des­staat Vir­gi­nia.

Text und Foto­gra­fie von Hans KumpfKumpfs Kolum­nen

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