Der britische Trompeter Tom Arthurs trat mit Trio in Schwäbisch Hall auf

Friedliche Phrasen und vereinzelt vehemente Attacken

Zwei­tes Kon­zert in der Koope­ra­ti­on der Schwä­bisch Hal­ler Rei­he „Jazz­ti­me“ und den  „Bri­ti­schen Kul­tur­wo­chen“, wie­der ein in deutsch­spra­chi­gen Lan­den wohn­haf­ter Eng­län­der als Prot­ago­nist samt einem inter­na­tio­nal besetz­ten Ensem­ble. Nach dem vita­len Schlag­zeu­ger Pete York beehr­te jetzt Tom Arthurs die Hos­pi­tal­kir­che – und pfleg­te ein ganz ande­res Musi­zier­ide­al.

Nur ein hal­bes Hun­dert auf­merk­sa­me Zuhö­rer fan­den sich zu die­ser Ver­an­stal­tung ein. Zu Herbst­be­ginn ist das Kul­tur­le­ben in Schwä­bisch Hall eben mäch­tig über­frach­tet. Schlicht und gemüt­lich erschien zunächst die Musik des Tri­os. Die von dem Band­lea­der auf­ge­schrie­be­nen Noten, wel­che Pia­nist Marc Schmol­ling (Ber­lin) vor sich hat­te, waren jedoch ganz und gar nicht sim­pel kon­zi­piert. Ett­li­che alea­to­ri­sche Ent­schei­dungs­frei­hei­ten wur­den zwar ein­ge­räumt, aber Rhyth­men und Melo­die­ver­läu­fe gestal­te­te Arthurs äußerst kom­plex.

Dar­über hin­aus gab es in der von schnel­len Trio­len durch­setz­ten Zuga­be, einem erst 2018 ent­stan­de­nen Stück ohne Titel, fast schon poe­ti­sche Ver­bal­an­wei­sun­gen wie „pia­no light­ly pre­pa­red, even just paper“, “the heart of things”, “a melo­dy: over the groo­ve, or not” und “a fine romance (inter­lu­de)”. Zuvor erfuh­ren vor allem auf dem als CD und Vinyl­schei­be vor­han­de­nen Ton­trä­ger „One Year“ kon­ser­vier­te Stü­cke aktu­el­le Inter­pre­ta­tio­nen. Die Kom­po­si­tio­nen von Tom Arthurs hei­ßen dort fast schon kryp­tisch bei­spiels­wei­se „Ever­greens“, „Pyöräh­del­len“ (fin­nisch, dt. „Schwin­gen“), „Liepnitz in Ruhe“ oder „Ver­klös­tert“.

Auf ein weni­ger scharf tönen­des Flü­gel­horn ver­zich­te­te der 1980 in Nort­hamp­tonshire gebo­re­ne Tom Arthurs in Schwä­bisch Hall, sei­ne Trom­pe­te spiel­te er meist offen und stopf­te in die­se nur gele­gent­lich einen Dämp­fer hin­ein, um dann an den sil­ber­nen Klang-Glanz von Miles Davis zu erin­nern. Mit­un­ter blies der seit Febru­ar im schwei­ze­ri­schen Bern dozie­ren­de Bri­te aber forsch zur Atta­cke. Ansons­ten agier­te die Band ins­ge­samt behut­sam und lei­se – auch der aus Finn­land stam­men­de Schlag­wer­ker Mark­ku Ounaska­ri, der auf sei­nem kon­ven­tio­nel­len Drum­set gera­de­zu Uner­hör­tes bis Unhör­ba­res her­aus­hol­te; sei­ner vor­sich­ti­gen Besen­ar­beit sei es gedankt. Jedoch auch mit den Sticks ging der sen­si­ble Skan­di­na­vi­er sanft und sach­te vor.

Mit ziem­lich hym­ni­schen Trom­pe­ten-Kan­ti­le­nen hat­te der Abend begon­nen, vom Stein­way-Flü­gel wur­de akkor­disch die melan­cho­lisch-medi­ta­tiv-moda­le Stim­mung auf­ge­grif­fen. Impres­sio­nis­men wie bei Clau­de Debus­sy ent­fal­te­ten sich immer wie­der, ein­zel­ne Moti­ve wur­den inten­siv repe­tiert. Mit aus­gie­bi­ger Peda­li­sie­rung sorg­te Marc Schmol­ling für „Ober­ton­hö­rig­keit“, „Nach­hall­tig­keit“, Raum und Wei­te. Ohren­ge­fäl­li­ge ori­en­ta­li­sche Ska­len als auch jaz­zi­ge „blue notes“ inte­grier­te der 46-jäh­ri­ge Tas­ten­mann (und auch mit Vokal­wer­ken her­vor­ge­tre­te­ne Kom­po­nist) glei­cher­ma­ßen in sei­nen span­nungs­rei­chen Vor­trag.

Ein nach oben gerich­te­ter Quart­sprung der Trom­pe­te bil­de­te eine Zeit­lang eine beru­hi­gen­de Kon­stan­te. Blech­blä­ser Tom Arthurs mach­te meist nicht den heroi­schen Strah­le­mann, son­dern ging weit­ge­hend bewusst wür­de­voll vor, konn­te jedoch kurz­fris­tig jubi­lie­rend und vibrie­rend agie­ren. Mark­ku Ounaska­ri (Jahr­gang 1967) setz­te hier­zu gedie­gen dezen­te Akzen­te, spä­ter ori­en­tier­te er sich auf der klei­nen Kon­zert­trom­mel schlag­fer­tig offen­bar an Mau­rice Ravels berühm­tem „Bolero“-Rhythmus.

Impro­vi­sa­ti­ons­be­ding­te Über­ra­schungs­ef­fek­te hat­ten kei­nen Platz in der aus­ge­klü­gel­ten Kon­zep­ti­on die­ses Tri­os. Mehr sta­ti­sches Ver­har­ren als dyna­mi­sche Ent­wick­lungs­pro­zes­se – dem anwe­sen­den Publi­kum gefiel die­se Vor­ge­hens­wei­se.

Jazzpages Logo
ruler1



Text und Foto­gra­fie von Hans KumpfKumpfs Kolum­nen

Schreibe einen Kommentar

Scroll Up

Durch die weitere Nutzung der Seite Stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen