Dave Brubeck würde am Nikolaustag 100 Jahre alt

Gleicher Jahrgang wie der ebenfalls kunstsinnige Charlie Parker, musikalisch aber ganz anders: Dave Brubeck wurde (wie beispielsweise noch Kurt Edelhagen, Paul Gonsalves, Yousef Lateef, Carmen McRae, Clark Terry, Shelly Mann sowie John Lewis vom Modern Jazz Quartet) 1920 geboren.

Das Vorurteil, er habe „Take Five“ erfunden, konnte Dave Brubeck wohl verschmerzen. Tatsächlich stammt der Welt-Hit im Fünfvierteltakt von Paul Desmond, dem vormaligen Altsaxofonisten des Pianisten. Gleichwohl durfte die Nummer aus dem Jahre 1959 bei keinem Brubeck-Konzert fehlen – die obligatorische Zugabe.

Faszinierend, wie der große Mann des Cool Jazz selbst im hohen Alter recht „hot“ in die Tasten zu greifen vermochte – mit über 80  und nach mehreren Byepass-Operationen. Seine ebenfalls weißhaarigen Kollegen agierten adäquat in gleichen Intensitätsgraden. Besonders der gewichtige Bobby Militello profilierte sich da im Jahre 2002, nämlich als rasanter Altsaxofonist im Bebop-Metier. „Take Five“ funktionierte der Drummer Randy Jones zu einer rhythmischen Rock-Attacke um, während Michael Moore (nicht zu verwechseln mit dem renitenten Filmregisseur oder Musikern gleichen Namens!)  mitunter seine Kontrabasssaiten nicht nur zupfte, sondern beherzt mit dem Bogen strich, beispielsweise in einem auf 16 Takte erweiterten Blues.

Stilistisch variabel zeigte sich der am 6. Dezember 1920 im kalifornischen Concord geborene Brubeck. Sein Faible für Johann Sebastian Bach offenbarte er wiederholt, wenn er barockale Linien fugativ verästelte. Coole Kontrapunktik fand alsbald einen Kontrast in dissonierenden  „cluster-haften“ Blockakkorden der rechten Hand. Außerdem: Hier „strammes“ Stride-Spiel, dort liebevolle Lyrismen.

Dave Brubeck verstarb am 5. Dezember 2012 – genau einen Tag vor seinem 92. Geburtstag in Norwalk, Connecticut, USA. Der 1947 geborene Brubeck-Filius Darius, benannt nach dem von Papa hoch verehrten französischen Komponisten Darius Milhaud und wie sein „Dad“ elegant Klavier spielend, sorgte im Sommer diesen Jahres für aufschreckende Schlagzeilen, als er mit einer lebensbedrohenden Covid-19-Erkrankung in einem englischen Hospital lag. Auch die anderen Brubeck-Kids haben Musik im Blut.

Text und Fotografie von Hans KumpfKumpfs Kolumnen

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