SWR2 – Jazz-Programm Februar 2021

Dienstag, 2. Februar, 20:05 – 22:00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Beyond! Witch ‚N‘ Monk, Y–OTIS Remixed und andere Höhepunkte vom Jazzfest Berlin 2020
Von Julia Neupert

Punk-Sopranistin und Folk-Flötist treffen auf ein Ensemble für Neue Musik und einen Jazzschlagzeuger: Es war eine dieser unwahrscheinlichen Konstellationen, die beim digitalen Jazzfest Berlin 2020 richtig Spaß gemacht haben! Ausschnitte aus dem Konzert des Duos Witch ‚N‘ Monk feat. LUX:NM und Jim Black heute Abend in der SWR2 Jazz Session, genauso wie aus dem elektroakustischen Remix-Projekt von Dan Nicholls und Ludwig Wandinger. Aus der Not heraus geboren (Y-OTIS Bandleader Otis Sandsjö war erkrankt) wurde es zu einem echten Höhepunkt des Festivals.

Donnerstag, 4. Februar, 23:03 – 24:00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Bert Noglik

Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer Alben.

Freitag, 5. Februar, 23:03 – 24:00 Uhr
NOWJazz: Fortschritt und Vergnügen – Georg Graewes Sonic Fiction Orchestra
Von Nina Polaschegg

Erstmals ist Georg Graewe mit seinem Sonic Fiction Orchestra 2006 bei den Konfrontationen Nickelsdorf aufgetreten. Nun sollte im Frühjahr letzten Jahres das erste Album erscheinen. Unterbrochen wurden die Studio Sessions im März aber durch den ersten Lockdown. Georg Graewe bat daraufhin einzelne Musikerinnen und Musiker, Teile seiner Stücke alleine einzuspielen. Diese hat er dann re–kompositorisch in das Ensemblewerk integriert. Vielschichtige und abwechslungsreiche Kompositionen mit Freiraum zur Improvisation sind entstanden und nun auf CD und in der heutigen Sendung zu hören.

Samstag, 6. Februar, 09:05 – 10:00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz across the border
Von Günther Huesmann

Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer „global language“ geworden. „Jazz across the border“ hört auf unterhaltsam – informative Weise hin.

Samstag, 6. Februar, 22:03 – 23:00 Uhr
Jazztime: Drei Seiten auf vier Saiten – der geniale Bassist und Jazzkomponist Charles Mingus
Von Henry Altmann

Er selbst bescheinigte sich in seiner Autobiografie „Beneath the Underdog“ drei Persönlichkeiten: Das ängstlich-wütende Tier, das sanfte Wesen und den kühlen Beobachter. Alle drei zusammen machten einen der bedeutendsten Jazzmusiker zwischen Hard Bop, Free und Third Stream aus. In SWR2 Jazztime folgen wir dem musikalischen Weg des Bassisten Charles Mingus‘ (1922 – 1979): Vom virtuosen Saitenreiter der 1940er-Jahre zum anerkannten Komponisten der 1960er – eine Schöpfungsgeschichte aus genialen Einfällen, wüsten Ausfällen und heftigen Wutanfällen.

Dienstag 9. Februar 21:05 – 22:00 Uhr 
SWR2 Jazz Session: Supercool – Hans Koller zum 100. Geburtstag
Von Gerd Filtgen

Die Stories, die Hans Koller mitunter bei seinen Auftritten aus der Welt des Jazz erzählte, waren originell, menschenfreundlich und steckten voller Witz. Der legendäre österreichische Saxofonist, Komponist und Maler wurde am 12. Februar 1921 in Wien geboren. Bevor er in den 1950er-Jahren nach Deutschland kam, hatte er die Szene im „Hot Club Vienna“ kräftig aufgemischt. Kollers kreativer Weg führte ihn vom Swing zum Cool Jazz, aber auch zur freien Auslegung improvisierter Musik. Mit seinen coolen Saxofon-Chorussen verlor Hans Koller in jedem stilistischen Genre niemals sein Gespür für Innovationen.

Donnerstag, 11. Februar 23:03 – 24:00 Uhr
NOWJazz: P.P.P. – Pianist, Pädagoge, Professor: die Talente des Sebastian Sternal aus Mainz
Von Michael Rüsenberg

Vom Duo bis zur Symphonic Society: Der Pianist Sebastian Sternal, 38, glänzt durch seine Anschlagskultur. Als Professor für Jazzklavier an der Musikhochschule Mainz wird er derzeit von Pablo Held vertreten. Ab 2021 nämlich ist der Pädagoge Sternal voll und ganz beschäftigt mit dem neuen „Jazz Campus Mainz“, der „anteilig internationale Exzellenz- und regionale Breitenförderung“ vereinen soll. Dort wird man das „Gutenberg Jazz Collective“ ebenso finden wie eine „Summer School“.

Freitag, 12. Februar 23:03 – 24:00 Uhr 
NOWJazz: Old Songs, New Songs – die Schweizer Sängerin Lucia Cadotsch   
Von Thomas Loewner

Ihr Talent, alte Songs ganz zeitgemäß klingen zu lassen, demonstrierte Lucia Cadotsch erstmals mit dem Quintett „Yellow Bird“: Sie singt dort vorwiegend klassische Country-Songs, begleitet von einer Band, die musikalisch fest in der Gegenwart verankert ist. Ihr aktuelles Projekt „Speak Low“ setzt diesen Weg konsequent fort. Diesmal bilden Jazzstandards den Ausgangspunkt. Gemeinsam mit den beiden schwedischen Klangforschern – Otis Sandsjö am Saxofon und Petter Eldh an Kontrabass sowie Keyboards – formt Cadotsch sehr individuelle Interpretationen, respektvoll und selbstbewusst zugleich.

Samstag, 13. Februar 22:03 – 23:00 Uhr
Jazztime: The Human Factor – Der Posaunist Albert Mangelsdorff
Von Hans–Jürgen Schaal

Lange war Albert Mangelsdorff (1928 – 2005) im In- und Ausland der bekannteste und meistgeschätzte Jazzmusiker Deutschlands. Gleich nach dem Krieg hatte er begonnen, Jazz-Posaune zu spielen, und geriet stilistisch bald unter den Einfluss der kühlen Tristano-Schule. Schon 1962 zählte ihn kein Geringerer als John Lewis (Modern Jazz Quartet) zu den drei besten Posaunisten des Jazz. Immer offen für neue Entwicklungen, erkundete Albert Mangelsdorff später die Welt des Free Jazz ebenso wie die des Jazz Rock. Bis zuletzt war „unser Albert“ eine wichtige Symbolfigur der europäischen Jazz-Emanzipation.

Sonntag, 14. Februar 19:40 – 20:00 Uhr
SWR2 Jazz: Sweet and Lovely – der Big–Band–Leiter Eddie Heywood 
Gerd Filtgen

Für Eddie Heywood (1915 – 1989) hätte es nicht besser laufen können: Die Faszination für das Klavierspiel vermittelte ihm sein Vater, ein bekannter Pianist und Bandleader in Atlanta, Georgia. Als der erst knapp über 20jährige Eddie Heywood in New York auftauchte, fand er dank seiner superben Pianistik Anschluss in der Swing-Szene. In den 1940er-Jahren feierte Heywood mit seinem Orchester große Erfolge. Obwohl schon einige Zeit zuvor der Klarinettist Artie Shaw mit „Begin The Beguine“ einen Bestseller landete, stürmte Eddie Heywoods Version dieses Stücks ebenfalls die Jazz-Charts.

Dienstag, 16. Februar, 21:05 – 22:00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Homezone – Jazz in Südwest
Von Julia Neupert

„WoM“ – das ist die Initiative „Women of Music“: Ein Netzwerk, eine Plattform, ein Kollektiv von und für Frauen im Musikgeschäft. Um Wissens- und Erfahrungsaustausch geht es, um eine größere Sicht- und Hörbarkeit von diversen musikalischen Kulturen und natürlich um den gemeinsamen Spaß am Musikmachen. Gegründet im Herbst 2019 in Stuttgart, ist WoM mittlerweile schon weit übers Schwäbische hinausgewachsen – heute zu Gast in Homezone: die beiden WoM-Gründerinnen Hajnalka Péter und Lisa Tuyala.

Donnerstag, 18. Februar, 23:03 – 24:00 Uhr
NOWJazz: Steinbrüche der Fantasie – die englische Sängerin Kate Westbrook
Bert Noglik

Kate Westbrook zählt seit den 1970er-Jahren zu den großen Persönlichkeiten des europäischen Jazz. Sie begann ihre musikalische Laufbahn als Flötistin und Tenorhornistin in der Band ihres Mannes Mike Westbrook, profilierte sich dann aber vor allem als Sängerin. In einem großen Spektrum musikalischen Ausdrucks, das vom Jazz über an Klassik und Neuer Musik orientiertem Gesang bis hin zu Rock, Chanson und Cabaret reicht, fand sie zu einem gänzlich eigenen Ausdruck. 2018 veröffentlichte Kate Westbrook das Album „Granite“ – eine Art Winterreise durch Moorlandschaften voller Mysterien und Metaphern.

Sonntag, 21. Februar 15:05 – 17:00 Uhr
SWR2 Zur Person: Florian Weber
Von Günther Huesmann

Mal lebt er in New York, mal in einer Bauernschaft nahe bei Hannover. Ganz Große haben sich auf den heute 42-jährigen Pianisten verlassen, wie die Saxofon-Ikone Lee Konitz, in dessen Band er lange spielte. Aber auch im kulturübergreifenden Spiel ist Florian Weber ein Mann der unstillbaren Neugierde. Sein Duo mit dem syrischen Klarinettisten Kinan Azmeh gehörte zu den Höhepunkten des Festivals Enjoy Jazz 2020. Das ist das Jahr, in dem Weber den mit 20.000 Euro dotierten Belmont Preis gewann. Der Pianist sei „einer der wesentlichen Neuerer, sein Spiel vermittle eine unerhörte musikalische Freiheit“.

Sonntag, 21. Februar 19:05 – 19:30 Uhr
SWR2 Jazz: Geschichte eines Jazz–Standards (31): God Bless the Child
Von Hans–Jürgen Schaal

Die Sängerin Billie Holiday hatte sich einmal gründlich über ihre Mutter geärgert. Daraus machte sie diesen Song, den der Komponist Arthur Herzog ausarbeitete und niederschrieb. Text und Melodie haben den Charakter eines afroamerikanischen Traditionals, eines Folk-Blues. Holidays Aufnahme mit dem Eddie Heywood Orchestra wurde 1941 ein echter Hit – erst nach ihrem Tod trauten sich andere Sängerinnen an den Song heran. Zur typischen Saxofonballade wurde „God Bless The Child“ durch große Solisten wie Sonny Rollins, Stanley Turrentine, Archie Shepp und David Murray.

Dienstag, 23. Februar, 21:05 – 22:00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs  – „Entre Amigos“ von Rosa Passos und Ron Carter
Von Fanny Opitz

Sämtliche Klassiker aus der Feder Antonio Carlos Jobims haben es heute schwer. „Garota de Ipanema“ ist schon längst in das Repertoire der Fahrstuhlmusik aufgenommen worden und „Desafinado“ ist ein gern gesehener Gast auf vielen Wühltisch-Samplern. Doch wenn die brasilianische Grand Dame des Bossa Nova, Rosa Passos und die amerikanische Basslegende Ron Carter loslegen, dann klingen sogar altbekannte Latin-Gassenhauer ungewöhnlich „edgy“. Ihr Album „Entre Amigos“ begleitet unsere Autorin Fanny Opitz seit fast 20 Jahren durch alle Lebenslagen und hat ihr den Glauben an den Bossa Nova wiedergegeben.

Donnerstag, 25. Februar 23:03 – 24:00 Uhr
NOWJazz Session: Premium Klausur – Dieter Ilgs Bass–Solo–Projekt im Studio 2, Baden–Baden
Von Günther Huesmann

Der Freiburger Bassist Dieter Ilg gehört zu den virtuosen kreativen Tieftönern in Jazz-Europa. In den Bands von Albert Mangelsdorff und Till Brönner hat er genauso deutsche Jazzgeschichte geschrieben wie mit seinem eigenen Trio, das für brillante Jazz-Hommagen an Klassik-Komponisten steht.

In seinem unbegleiteten Solo-Projekt für den SWR hat sich Dieter Ilg nun etwas Neues einfallen lassen: Kurze freie, spontane Improvisation, die er dem legendären, viel zu früh verstorbenen Free-Jazz-Bassisten Peter Kowald gewidmet hat.

Freitag, 26. Februar 23:03 – 24:00 Uhr
NOWJazz: Gewagt, gewonnen  –  Wie die Pianistin Jane Getz ihren Platz im Jazz behauptete  
Von Franziska Buhre

Nach New York zog es die junge Pianistin Anfang der 1960er-Jahre. Dort trat sie u. a. mit Herbie Mann, Charles Mingus oder Charles Lloyd auf. Für ihr Leben als Musikerin nahm Getz große Entbehrungen in Kauf, als Frau in einer von Männern mit maßlosen Egos dominierten Welt erlebte sie auch sexualisierte Gewalt. Später schrieb sie Rockmusik und Country, spielte als Session-Musikerin mit den Bee Gees und nahm eigene Alben auf. Nach zwei Jahrzehnten ließ sie sich wieder auf Jazz ein. Die Sendung versammelt Musik aus den verschiedenen Phasen von Jane Getz‘ Laufbahn und Auszüge aus ihrer Autobiografie.

Samstag, 27. Februar, 22:03 – 23:00 Uhr
Jazztime: Alone Together – Frühe Solo- und Duoaufnahmen im Jazz
Von Karsten Mützelfeld

Allein oder zu zweit – wer denkt bei Kleinstbesetzungen nicht sofort an Keith Jarrett oder an die Dialoge Chick Coreas mit Gary Burton. Dabei gab es Solo- und Duo-Aufnahmen schon in der Frühzeit des Jazz. Es waren vor allem Pianisten, die ohne Begleitung ins Studio gingen und dabei nicht selten eine ganze Band in ihrem Spiel vereinten – sei es ein Jelly Roll Morton, Fats Waller oder Art Tatum. Aber auch Zweisamkeit wurde damals dokumentiert: in Aufnahmen mit Bessie Smith und Pete Johnson, Django Reinhardt und Stéphane Grappelli, Oscar Peterson und Ray Brown oder Louis Armstrong und Earl Hines.

Fast alle Jazz-Sendungen von SWR2 können als Audio on Demand im Internet 7 Tage online nachgehört werden. Auf www.swr2.de/jazz finden sich auch Playlists und und weitere Informationen zum Programm.

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