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SWR 2 – Jazz-Programm September 2018

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SWR 2 Jazzprogramm September 2018

Samstag, 1. September, 9.05 – 10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann

Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer „global language“ geworden. „Jazz across the border“ hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik, in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?

Montag, 3. September, 23.35 – 24.00 Uhr
Lulu’s Back In Town
John Zorn/Bill Frisell/George Lewis 1988 in Bremen
Mit Arne Schumacher

„News For Lulu“ heißt eine Komposition des US-amerikanischen Pianisten Sonny Clark. Dem jung verstorbenen Hardbop-Mann wurde erst Jahrzehnte nach seinem Tode nachhaltige Würdigung zuteil. Dazu trug auch Saxofonist und Komponist John Zorn bei. Schon 1985 hatte der New Yorker, von jeher ein vielseitig interessierter Musikfan und leidenschaftlicher Plattensammler, ein Album unter dem Projektnamen „The Sonny Clark Memorial Quartet“ aufgenommen. Zu dem Zeitpunkt wurde Zorn vor allem als Avantgarde-Größe der New Yorker Downtown-Szene wahrgenommen. Sein Hakenschlag in die Jazz-Historie kam für viele überraschend – ein Prinzip, das typisch werden sollte für Zorns weiteren Karriere-Weg. Dem Memorial Quartet folgte in gebührendem Abstand das Trio mit Gitarrist Bill Frisell und Posaunist George Lewis. Das interpretierte nicht nur Clark-Titel, sondern klassische Bop-Nummern aus verschiedenen Quellen. Zorn wählte auch Stücke von Freddie Redd, Hank Mobley und Kenny Dorham aus, streute aber auch Kompositionen des holländischen Experimental-Pianisten Misha Mengelberg ein. Die kollektiven Improvisationsausflüge des ungewöhnlichen Trios geben den Stücken eine attraktive Frische. Eine frühe Wegmarke in Zorns Entwicklung.

Dienstag, 4. September, 23.35 – 24.00 Uhr
The Winner Is…
Aki Takase beim 2. Jazzpreis Berlin 2018
Mit Ulf Drechsel

2018 wurde zum zweiten Mal gemeinsam vom Land Berlin und dem Rundfunk Berlin Brandenburg der Jazzpreis Berlin vergeben. Eine fünfköpfige Jury (Angelika Niescier, Kathrin Pechlof, Anja Buchmann, Gebhard Ullmann, Ulf Drechsel) entschied sich für Aki Takase als Preisträgerin. Die am 26. Januar 1948 in Osaka geborene Pianistin und Komponistin erlebte ihren internationalen Durchbruch 1981 beim Jazzfest Berlin. 1987 verlegte sie ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin, wo sie seither die Szene mit internationaler Ausstrahlung maßgeblich mitgestaltet und prägt. Der mit 15.000 € dotierte Preis wurde im Rahmen eines Preisträgerkonzertes, das für eine CD-Veröffentlichung aufgezeichnet wurde, am 26. Juni 2018 im Kleinen Sendesaal des rbb übergeben. Im Preisträgerkonzert spielte Aki Takase solistisch und im Duo mit dem Bassklarinettisten Rudi Mahall. Außerdem präsentierte sie Ausschnitte aus einem gemeinsamen Programm mit Yoko Tawada, einer in Berlin lebenden, mehrfach preisgekrönten japanischen Schriftstellerin, die auf Deutsch und Japanisch schreibt.

Mittwoch, 5. September, 23.35 – 24.00 Uhr
JazzLab
Wenn Musiker sich eine Plattform bauen
Mit Felix Tenbaum

Junge Jazztalente aus Hamburg nehmen ihr Schicksal in die eigene Hand. Eine echte Erfolgsstory ist die des Kollektivs JazzLab. Rund 30 junge Musiker und Produzenten aus Hamburg sind bei JazzLab vernetzt. Sie schaffen sich damit nicht nur ein eigenes Label, auf dem sie ihre Musik veröffentlichen können. Sie vermarkten und managen sich auch und treten gemeinsam auf. Eine gleichnamige Konzertreihe findet im Hamburger Karoviertel statt. In den Räumlichkeiten des Technoclubs „Volt“ treffen lokale Bands und internationale Jazzgrößen auf ein junges Publikum. JazzLab, das ist Musik, die sich mit der Frage nach dem urbanen Sound der Großstadt beschäftigt. Im Sog von Bands wie „Rocket Men“ oder „We Don’t Suck We Blow“ experimentiert hier eine ganze Musikergeneration – neugierig und ohne Genregrenzen, irgendwo zwischen modernem Jazz, elektronischer Musik und Rock.

Donnerstag, 6. September, 23.35 – 24.00 Uhr
Idyll im Land der Schatten
Das Duo Julie Sassoon/Lothar Ohlmeier in Zoglau
Mit Roland Spiegel

Die englische Pianistin Julie Sassoon stammt aus einer Familie, die 1939 aus Deutschland emigrierte. Seit einigen Jahren lebt sie in Berlin, eine Stadt, die sie auf Anhieb begeisterte, und dennoch dringt in ihren Stücken auch immer wieder zutage, dass das Land, das zu ihrer Wahlheimat geworden ist, ein „Land of Shadows“ ist. Es ist das Land, aus dem einige Angehörige ihrer Familie einst nicht mehr rechtzeitig fliehen konnten. Mit ihrem Musik- und Lebenspartner, dem Saxofonisten und Bassklarinettisten Lothar Ohlmeier, bildet Julie Sassoon das Duo „Inside Colours“, dessen Name sehr gut beschreibt, worum es den beiden musikalisch geht. Oft sind die Stücke zunächst radikal leise, entwickeln sich aus sehr zarten Tonfolgen und können dann aber eine immer mehr gesteigerte Expressivität entwickeln. Ihre feine Kammermusik mit hohem Improvisations-Anteil brachten Julie Sassoon und Lothar Ohlmeier vor kurzem an einen ungewöhnlichen Spielort: in den Raum für Musik in Zoglau 3, einem ehemaligen Bauernhof zwischen idyllischen grünen Hügeln in Südost-Bayern. Stücke aus diesem Konzert sind hier zu hören.

Freitag, 7. September, 23.35 – 24.00 Uhr
Preview: Aktuelle Jazz-Alben
Mit Johannes Kloth

„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den Verkaufs-Regalen der CD-Geschäfte und in den Sparten der Download-Portale. Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für Jazzfans kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer freitags präsentierten deshalb die Autorinnen und Autoren des ARD-Radiofestivals in „Preview“ die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.

Samstag, 9.September, 15.05 – 17.00 Uhr
SWR2 Zur Person: Der Jazz-Veranstalter Jürgen Walter
Von Günther Huesmann

Wer Jürgen Walter an einem Wochenende sehen will, man ihn nicht lange suchen. Zuverlässig kann man ihn alle 14 Tage im Stadion treffen. Im Block 13a, Reihe 21, Platz 9, feuert er seine Lieblingsmannschaft an, den VfB Stuttgart. Der Fan hat aber auch ein bewegtes Leben als Politiker und leidenschaftlicher Jazzveranstalter. Seit 1992 sitzt er für die Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ im Landtag von Baden-Württemberg. Von Mai 2011 bis April 2016 war er Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Dort hatte er großen Anteil daran, dass die öffentlichen Fördermittel des Landes für Jazz und populäre Musik erhöht wurden. In jungen Jahren hatte es Jürgen Walter hinaus in die weite Welt gelockt, nach Eugene, Oregon. Dass er sich fürs Anglistik-Studium ausgerechnet den waldreichen amerikanischen Bundesstaat Oregon aussuchte, daran hatte die Musik der World-Jazz-Band Oregon entscheidenden Anteil. Wie überhaupt Jürgen Walter auch immer dort zu sein scheint wo frischer, guter Jazz erklingt. Sechs Jahre lang organisierte er im Ludwigsburger Scala Jazzkonzerte und Kabarettveranstaltungen. Seit 2017 ist er Mitarbeiter beim Jazzfestival in Esslingen.

Dienstag, 11. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Homezone. Jazz aus Südwest
Lahr – Köln – Brooklyn. Der Schlagzeuger Joe Hertenstein
Von Julia Neupert

Die monatliche Sendereihe „Homezone“ führt regelmäßig an die vielen verschiedenen Orte, an denen der Jazz im Südwesten zu Hause ist. Oder – wie im Fall von Joe Hertenstein – wo er zu Hause war. Denn der im baden-württembergischen Lahr aufgewachsene Schlagzeuger lebt und arbeitet nach mehreren Zwischenstationen mittlerweile in New York. In „Homezone“ heute ein Portrait dieses bemerkenswerten Musikers.

Donnerstag, 13. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Zwischen Höllenritt und Himmelfahrt
Ein Portrait des Saxofonisten Kamasi Washington
Von Henry Altmann

Seit der Saxofonist und Komponist Kamasi Washington 2015 sein Debütalbum „Epic“ veröffentlichte, scheint der zeitgenössische Jazz einen neuen Messias gefunden zu haben: Kritik und Publikum sind seither in euphorischer Lobpreisung vereint – für eine inkorporierende und integrierende Musik, stilistisch von Impressionismus bis HipHop alles dran und drin. Mit seiner Multimedia-Installation „Harmony of Difference“ wurde Washington von der Kulturwelt ebenso gefeiert wie er mit Rapper Kendrick Lamars die Jugend befeuert. Sein Tourkalender ist mit Terminen so proppenvoll wie sein Kopf mit Ideen. Anhand des neuen Albums „Heaven & Earth“ beleuchtet diese Sendung Weg, Wesen und Wirken des 37-Jährigen.

Freitag, 14. September, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz: freejazzblog on air
There’s no such thing as live music – Festivals der improvisierten Musik
Julia Neupert im Gespräch mit Martin Schray

Wer immer sich für Free Jazz und improvisierte Musik interessiert, betont die Einzigartigkeit des Live-Erlebnisses. Auch wenn viele der neueren Alben live aufgenommen worden sind, wird die Atmosphäre des Konzerts selbst kaum deutlich. Bei den bedeutenden Festivals – zum Beispiel dem A L‘ARME! in Berlin, den Konfrontationen in Nickelsdorf, dem Météo in Mulhouse, Unlimited in Wels oder Vision in New York – hat man die Gelegenheit, größere Formationen, die für kleinere Spielorte schlichtweg zu teuer sind, sehen zu können. Für die europäischen Festivals gilt zudem, dass man auch Ensembles aus den USA zu hören bekommt, die ansonsten in Europa selten zu Gast sind. Julia Neupert und Martin Schray vom freejazzblog stellen in der heutigen Sendung solche Festivals vor, beleuchten die unterschiedlichen Arten, solche Festivals zusammenzustellen und auch den Stress, dem man als ZuschauerIn dabei ab und an ausgesetzt ist.

Samstag, 15. September, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Bass-Perspektiven Südwest (1/5)
Peter Trunk und Eberhard Weber. Die frühen Jahre 1958-1964
Jürgen Arndt im Gespräch mit Günther Huesmann

Fast ist es so, als müsste man vom einer neuen geologischen Formation reden: vom „süddeutschen Bass-Graben“. So auffallend viele Kontrabassisten aus dem Südwesten haben im Deutschen Nachkriegs-Jazz die improvisierte Musik mit geprägt und mitbestimmt. Die monatliche Sendereihe „Bass-Perspektiven Südwest“ stellt in chronologischer Folge fünf Meister des Tieftöner-Faches vor, die Jazzgeschichte geschrieben haben. Wir erleben in SWR2 wie vielstimmig Bassisten wie Günter Lenz, Eberhard Weber, Peter Trunk, Dieter Ilg und Thomas Stabenow den europäischen Jazz mitgeprägt haben und mitprägen. Aber was zeichnet sie aus? Und was waren ihre entscheidenden Beiträge zur europäischen Jazzemanzipation? In den fünf Folgen dieser Reihe zeigt Jürgen Arndt, Professor für  Musikgeschichte an der Musikhochschule Mannheim, wie fundamental diese Bassisten bei der Neu- und Weiterentwicklung des Jazz geholfen haben und weiter helfen. Denn beim Bass geht es nicht nur klanglich um Tiefe. Bei keinem anderen Jazzinstrument hängen Improvisation und Interaktion so entscheidend zusammen wie beim Kontrabass.

(Teil 2, Samstag, 13. Oktober, 22.03 Uhr)

Sonntag, 16. September,19.37 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
You Won’t Forget Me
Die Sängerin und Pianistin Shirley Horn
Von Gerd Filtgen

Manche Karrieren kommen erst relativ spät in Schwung. Dabei fand Shirley Horn (1934-2005), die schon von ihrem vierten Lebensjahr an Piano spielte und später ihre Kenntnisse durch ein Universitätsstudium vertiefte, früh prominente Unterstützer, allen voran Miles Davis. Der Trompeter war von ihrer zwischen samt und rauchzart intonierenden Stimme so begeistert, dass er die aus Washington stammende Sängerin und Pianistin 1960 überredete, nach New York zu kommen. Dennoch sollten noch rund zwei Dekaden vergehen, bis Shirley Horn auch international Anerkennung fand. Der Schlüssel zum Erfolg war, dass sie sich stärker als Sängerin profilierte, wobei ihre ausgezeichnete Pianistik ein wenig in den Hintergrund geriet. Mit ihren unnachahmlichen Balladen-Interpretationen, in denen sie die Lyrics durch Phrasierung und gekonnt gesetzte Verzögerungen einzelner Worte dramatisiert, gehört sie zu den Jazz-Vokalistinnen, die man nicht so leicht vergisst.

Dienstag, 18. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session. Aus dem Archiv: Inside And Outside Traditions.
Das Myra Melford Trio mit Stomu Takeishi und Brandon Ross 2006 in Singen
Am Mikrofon: Thomas Loewner

In der großen Schar von MusikerInnen der New Yorker Downtown-Szene zählt die Pianistin seit vielen Jahren zu den beständigsten Größen. Auch wenn der Durchbruch bei einem ganz großen Publikum ausgeblieben ist, genießt sie unter KollegInnen sowie Konzert- und Festivalbesuchern einen hervorragenden Ruf. Melford überzeugt gleichermaßen als Pianistin, Bandleaderin und Komponistin. In ihren Stücken verbindet sie mühelos verschiedene Traditionen des Jazz und anderer Stile – von Souljazz und Hard Bop über Funk und Free Jazz bis hin zu Gospel. Vor allem das ausgewogene Verhältnis komponierter und improvisierter Passagen sorgt dabei immer wieder dafür, dass sich in ihren Bands eine Dynamik entwickelt, die das Publikum zu packen weiß. Ein Paradebeispiel dafür ist eine Konzertaufzeichnung aus unserem Archiv: Myra Melford und ihr „Be Bread Trio“ 2006 im Singener Kulturzentrum GEMS.

Donnerstag, 20. September, 23.15 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Magazin
Von Harry Lachner

Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer Alben.

Freitag, 21. September, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Sonic Wilderness
Von Ulrich Kriest

Diese Reihe auf dem freitäglichen NOWJazz Update Sendeplatz führt in abenteuerliche Zwischenwelten des Jazz. Ob Improv, Electronica, Klangkunst, Noise oder Rock – für die atmosphärischen Mixes gibt es nur eine Regel: Die Lust am musikalischen Abenteuer muss hörbar sein.

Samstag, 22. September, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Kronjuwelen ausgegraben
John Coltranes „Lost Album“-Session von 1963
Von Günther Huesmann

Am 6. März 1963 war die Band in hervorragender Spiellaune. Lange jedoch galten die Aufnahmen als verschollen, die der Saxofonist John Coltrane mit seinem legendären „Classic Quartet“ in Rudy Van Gelders Studio in Englewood Cliffs, New Jersey machte. Nun sind sie wieder aufgetaucht – in exzellenter Tonqualität. Und die Presse jubelt: Das Album „Both Directions At Once – The Lost Album“ wird als die jazzhistorische Wiederentdeckung des Jahres gehandelt. Bemerkenswert sind diese Aufnahme tatsächlich auch deshalb, weil sie das Gerücht zu bestätigen scheinen, Coltrane hätte diese Einspielungen für ein weiteres offizielles Album in seiner Karriere vorgesehen. Aber stimmt das? Diese und viele andere Fragen, die mit dieser sagenumwobenen Session des „Lost Albums“ verbunden sind, beantworten wir in der SWR2 Jazztime.

Sonntag, 23. September, 19.18 -20.00 Uhr
Jugend jazzt!
Preisträgerkonzert Baden-Württemberg 2018 in Karlsruhe
Am Mikrofon: Karsten Mützelfeldt

An qualifizierten Jazzmusikern im Lande mangelt es nicht. Dass dies längst auch für den Nachwuchs gilt, zeigte sich einmal mehr beim Konzert der Jugend-jazzt-PreisträgerInnen des Landeswettbewerbs Baden-Württemberg im Bereich Big Band. „Jugend jazzt ist wie Jugend musiziert – nur anders“, so eine beliebte Umschreibung einer der fruchtbarsten Fördermaßnahmen für Jazz-Talente auf Landesebene. Im Wechsel mit dem Wettbewerb für Combos werden die Besten im jazzmusikalischen Großformat ermittelt, die dann an der Bundesbegegnung Jugend jazzt teilnehmen. Die Qualität der jungen Big Bands ist immer auch klingender Ausdruck eines gar nicht hoch genug einzuschätzenden Engagements von Lehrern im schulischen Bereich und der leidenschaftlichen Nutzung des Angebots durch die Schülern. Beim Karlsruher Preisträgerkonzert des Landeswettbewerbs 2017 stellten zwei Formationen ihre großartige Arbeit vor: die Kepler Big Band vom Kepler Gymnasium in Freudenstadt und die KONS Big Band des Badischen Konservatoriums in Karlsruhe, die als Vertreter des Landes Baden–Württemberg sich für die Bundesbegegnung in Frankfurt qualifizierte.

Dienstag, 25. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Matana Roberts „Coin Coin“
Von Julia Neupert

 Persönliche Lieblingsalben aus der älteren oder jüngeren Jazzgeschichte werden in der Reihe „My Favorite Discs“ regelmäßig vorgestellt: von den Autorinnen und Autoren unserer SWR2-Jazzredaktion. Legendäre Klassiker oder weniger bekannte Favoriten – warum gerade ein bestimmtes Album sie so beeindruckt hat, erklären sie in dieser Sendung.

 Donnerstag, 27. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Gefeiert
Preisträgerkonzert von Bernd Konrad zum Landes-Ehren-Jazzpreis Baden Württemberg 2018 im Theaterhaus Stuttgart
Am Mikrofon: Odilo Clausnitzer

Im März dieses Jahres wurde der Saxofonist, Klarinettist und Komponist Bernd Konrad im Rahmen der Landesjazzpreis-Verleihung Baden-Württemberg mit dem „Sonderpreis für sein Lebenswerk“ ausgezeichnet. Aus diesem Anlass gab Konrad ein Konzert, bei dem er die vielen Facetten seines Könnens mit mehreren Formationen präsentierte: Im Trio mit seinen langjährigen Weggefährten Paul Schwarz (Klavier) und Herbert Joos (Trompete), mit dem einst von ihm gegründeten Jugendjazzorchester Baden-Württemberg und mit der Gruppe Südpool. Sie wurde verstärkt durch internationale Stargäste wie den Saxofonisten John Surman, den Tubisten Michal Godard, den Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer und viele andere. Die Sendung stellt Ausschnitte des außergewöhnlichen Konzertes vor.

Freitag, 28. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Hohe Sensibilität und kraftvolle Impulsivität
Dominik Blums Klangwelten
Von Nina Polaschegg

Ein Hardcore Hammond Orgel–Spieler – so könnte man spontan Dominik Blum beschreiben. Wenn man ihn zum Beispiel als hochenergetisch spielenden Musiker im Trio Steamboat Switzerland hört, gemeinsam mit Trommler Lucas Niggli und E-Bassist Marino Pliakas. Für Dominik Blum gibt es jedoch nicht die eine musikalische Welt, in der er zu Hause ist. Es ist das Spannungsfeld von Klassik und Zeitgenössischem, von Improvisation und Komposition bzw. Interpretation, das ihn umtreibt. Im Konzert ist er zuweilen auch mit Bachs wohltemperiertem Klavier zu hören – oder aber mit Solowerken Karlheinz Stockhausens oder Hermann Meiers. Die Kirchenorgel ist für ihn auch kein Gegensatz zur Hammondorgel, sondern Ergänzung, eine andere Seite der faszinierenden Welt der Musik – so auch der E-Bass und Heavy Metal. Außerdem ist Dominik Blum ein begnadeter Lehrer, der schon so manchen jungen Menschen für die Welt der zeitgenössischen Musik begeistert hat.

Samstag, 29. September, 22.30 – 23.00 Uhr
Jazztime: Die Energie kommt durch Neugierde
Der Klarinettist Rolf Kühn
Von Bert Noglik

Er spielt sein Instrument mit höchster Meisterschaft und hat einen Ton ausgeprägt, der ihn unvergleichlich macht. Zugleich sucht er noch immer das Risiko. Rolf Kühn zählt zur raren Kategorie der Weltklassemusiker. Er ist im Jazz zu Hause, hat die ganze Tradition – vom Swing bis zum freien Spiel – verinnerlicht und erweist sich bis in die Gegenwart hinein von erstaunlicher Wandlungsfähigkeit. Geboren am 29. September 1929 in Köln, aufgewachsen in Leipzig, fand er als einer der ersten deutschen Jazzmusiker Anerkennung auch in den USA, wo er unter anderem im Orchester von Benny Goodman spielte. Zurück in Europa arbeitete er in unterschiedlichen Konstellationen mit exzellenten Musikern und Bands, beständig auch mit seinem jüngeren Bruder, dem Pianisten Joachim Kühn, zusammen. Die beiden wurden erst kürzlich bei den Jazzopen Stuttgart 2018 mit der „German Jazz Trophy“ für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. In seinem Quartett spielt Rolf Kühn mit Musikern die seine Söhne oder gar seine Enkel sein könnten. Mit Alben aus jüngster Zeit wie „Stereo“, „Spotlights“ und „Yellow + Blue“ demonstriert er musikalische Neugierde und fortwährende Brillanz.

Sonntag, 30. September, 19.23 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Geschichte eines Jazz-Standards (17)
Giant Steps
Von Hans-Jürgen Schaal

Im Frühjahr 1959 war der Saxofonist John Coltrane am Album „Kind Of Blue“ beteiligt, dem Referenzwerk eines entspannten Modalen Jazz. Gleichzeitig aber arbeitete er an einem Stück, das das Gegenteil von modal war, nämlich ein virtuoser Slalomlauf durch ungewohnte, fast provokante Harmoniefolgen. Die 16-taktige Melodie gab Coltranes Album „Giant Steps“ den Namen. Ihre 28 schnell wechselnden Akkorde gelten bis heute als Teststrecke für die Spieltechnik und das Improvisationsvermögen junger Saxofonisten. Sie sind aber auch bei anderen Instrumentalisten vieler Stilarten als Etüde beliebt – und haben außerdem zahlreiche Arrangeure zum Weiterdenken inspiriert. „Giant Steps“ ist viel mehr als nur eine technische Schikane.

Fast alle Jazz-Sendungen von SWR2 können als Audio on Demand im Internet 7 Tage online nachgehört werden. Auf www.swr2.de/jazz finden sich auch Playlists und und weitere Informationen zum Programm.

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