Review: Hank Roberts & Wiggy Dog Boy – The Truth and Reconciliation Show

ITown Records
www.hankrobertsmusic.com
rec. 2002, rel. 2003

Tatsächlich, schon fast 20 Jahre alt ist eine der besonders geschätzten und gehüteten CD-Scheibchen in der Sammlung. 1984 erschien beim Label  JMT, das immer für hervorragende und daher oft schwer verkäufliche CDs gut war, die Aufnahme „Black Pastels” des Cellisten Hank Roberts. Hank Roberts war schon damals einer der einfallsreichsten Musiker der New Yorker Szene und auf dieser einen Platte hatte er so geniale Musiker wie Bill Frisell, Ray Anderson oder Joey Baron um sich versammelt.

In jenen Jahren war er auch mehrfach live in Deutschland präsent, mit dem Arcado String Trio oder – besonders kurzweilige und beeindruckende Konzerte – als Solist. Und dann war er plötzlich mehr oder weniger verschwunden. Aus Deutschland sowieso, aber auch in Amerika hatte er sich aus dem großstädtischen Musikbetrieb aufs Land verzogen. Sporadisch kamen zwar einige CD-Aufnahmen heraus, im großen und ganzen jedoch war er nicht mehr sehr präsent. Trotzdem schaut man gelegentlich natürlich was denn die Jungs aus der „guten alten Zeit” ;-) so unternehmen und siehe da, der letzte Besuch auf der Website von Hank Roberts ist ein erfolgreicher. Ein witziges Cover und praktischerweise gleich 4 komplette Soundclips machen Appetit auf die komplette Scheibe …

In die Jazzschublade ließ sich Hank Roberts schon vor 20 Jahren nicht stecken. Dazu war zuviel undefinierbarer Gesang, rockiges und dazu noch eine Prise Folk in seiner Musik. Mit keiner mir bekannten Scheibe hat Roberts über die Jahre so konsequent an diese frühen Konzepte angeknüpft wie mit „The Truth and Reconciliation Show”. Mit Cello, Bläsern, Gitarre, Keyboard, drums bass und Gesang. Hank selbst als Sänger und Cellist und einigen Sängerinnen hat er eine größere Besetzung zusammengestellt. Das ergibt in einigen Stücken den wuchtigen Sound einer Mini-Big-Band, die allerdings eher nach Zappa als nach klassischem Jazz klingt. Eine CD für „Nur-Jazz-Hörer” ist The Truth and Reconciliation Show nicht, dafür ist Hank Roberts zu vielseitig. 

Hat man sich gerade am fetten Sound der kompletten Truppe erfreut, überrascht er im nächsten Song nur mit Gitarre und Stimme. Freie Soundcollagen wechseln mit elegischen Cellopassagen und im folgenden Stück klingt gospelartiges aus Frauenkehlen. „This Quietness” groovt so lässig entspannt daher, als wäre es auf einem träge dahinfließendem Floß auf dem Mississippi aufgenommen und wie selbstverständlich wird ein Duo zwischen Cello und Koraspieler Diabate eingeflochten. Hört sich alles nach einem ziemlichen Sammelsurium an? Ist es auch, und trotzdem klingt es nicht wie ein Patchwork, weil Roberts bei aller Bandbreite seinen ganz eigenen Stil, „hankrobertsmusic” eben, verwirklicht. 

Schön, einen alten musikalischen Freund wieder und neu zu entdecken. Welcome back Hank Roberts!

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