Review: Gabriele Hasler’s Personal Notebook

Gabriele Hasler's Personal Notebook Cover

Foolish Music, rec. 1991

Gabriele Hasler gilt inzwischen als (die?!) herausragende Stimme des deutschen Jazz. In einer besonders reizvollen „Kapelle” mit Lars Lindvall (tp, flh), Christian Muthspiel (tb), Wollie Kaiser (bcl, cbcl, bss), und Jörn Schipper am Schlagzeug beweist Sie dies auf der CD Personal Notebook. War Sie fünf Jahre zuvor auf Ihrer Platte „God is a She” noch relativ stark einer „klassischen”, an Standards orientierten Kompositions- und Gesangsweise verbunden, so stellt Sie sich hier als ganz und gar eigenständige und originelle Musikerin vor. Interessant ist schon einmal die Besetzung: Gabriele Hasler wagt sich unter eine Gruppe die mit 2 Blechbläsern, einem Sax,Cl-Spieler und Schlagzeug besetzt ist. Damit ist Ihre Rolle schon einmal eine ganz andere als in einer Besetzung mit Piano, Bass und Schlagzeug. Hier kann Sie weitaus weniger mit freundlicher Begleitung rechnen, vielmehr ist Ihre Stimme ein gleichberechtigtes Instrument neben den anderen. Und Sie behauptet sich gut!


Gleich das erste Stück „Page1” beginnt mit der brummigen Stimme von Wollie Kaiser auf der Kontrabaßklarinette. Überhaupt tragen diese und die Baßklarinette ganz entscheidend zum originellen Charakter der ganzen Platte bei. Wollie Kaiser, aus der Kölner Saxophonmafia ja bestens bekannt, spielt diese Instrumente behende und dynamisch wie kaum ein Zweiter. Kurz darauf, die Trompete von Lindvall und dann unisono Gabriele Hasler mit Christian Muthspiel. Im weiteren Verlauf ein munteres Gespräch zwischen den Stimmen immer wieder unisono aber auch jeder mit seinen Soli. Das ist das Prinzip der ganzen Platte, oft kein Text – die Stimme als reines Instrument – ansonsten meist dadaistische Wortcollagen. Textprobe aus Esperango:

Pelikander, Kastarinen zusa Tagnetten
Tohuwa Wabohu, immer du

Sbekistanzarisma zusa Tignetten
Tohuwabohu, sei nur du Riculum!

Die Musik dazu, ein abgefahrener Tango…

Ein Höhepunkt der Platte ist das Stück „Entranced”. Ein räumlich-halliges Schlagzeug bietet den rhythmisch spannungsvollen Einstieg. Kaiser stimmt mit einem geradezu hypnotischen Thema auf der Baßklarinette ein. (Wohl dem der allein diese Einleitung in einer *ordentlichen* Lautstärke hören kann!). Nach und nach stimmen alle in das Grundthema ein. Grund und Basis durch das ganze Stück das ostinate Baßklarinettenthema.


Aufgebrochen wird die eingängige Struktur des Stückes durch einen freien Mittelteil. Urplötzlich bricht die schwungvolle Musik ab – ein einzelner Klarinettenton und dann wieder erst nach und nach die anderen. Kein eingängiges Thema mehr, kein Rhythmus. Und dann Gabriele Hasler. Mit einem „Geräuschgesang” bringt Sie ganz langsam wieder den zusammenhaltenden Rhythmus ein. Beeindruckend wie sich Schritt für Schritt die Musik in Richtung des vorherigen Themas aufbaut, um schließlich wieder das Ostinatothema zu finden und das ganze Stücke zu einem fulminaten Schluß zu führen.

Gabriele Hasler zeigt sich auf dieser Platte enorm vielseitig – als Komponisten und als Sängerin. Mit dieser Platte haben die Sängerin und Ihre Mitspieler ein spannendes und lebendiges Werk abgeliefert.

PS: Auch das Titelbild der CD stammt von G. Hasler.

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