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Phil Minton und Carl Ludwig Hübsch beim Jazzarchitekt in Wiesbaden 180323

Phil Minton & Carl Ludwig Hübsch - Foto: Frank Schindelbeck Jaz, Minton, Huebsch, Ruder, Wiesbaden, 180323

Was für ein Duo: Phil Minton, der 77-jährige Vokalakrobat, der vor Urzeiten mal Trompeter war und von grandiosen Hendrix-Interpretationen bis zu hinreissenden William Blake Vertonungen sich immer wieder bis an die Grenzen der menschlichen Tonerzeugung experimentiert. Und Carl Ludwig Hübsch; als Tubist im Jazzbereich mit jenen Musikern unterwegs, die in der avantgardistischen Suppe rühren (Dörner, Gramss, Griener, Lillinger, Zoubek, um nur eine Handvoll zu nennen) und eben auch mit abenteuerlustigen Ausflügen in die Neue Musik und der freien Improvisation.

Dass sich diese beiden Musiker zusammenfinden ist nicht erstaunlich: Geistesverwandschaft, die eine Generation überspringt. Was die beiden eint, ist die Lust an der experimentellen Auslotung der Möglichkeiten ihrer „Instrumente“. Minton singt nicht. Er pfeift, er produziert Obertonklänge um einen Augenblick später mit Klick-, Grunz- und Röchellauten rhythmisch zu akzentuieren. Nicht anders Hübsch: er entlockt seiner Tuba zwar auch spezifische Töne aber sein mit Pflastern verziertes Instrument ist auch Spielwiese. Er zieht eigentlich spielentscheidende Züge heraus, verzichtet auf das Mundstück oder nutzt das Instrument einfach nur als Resonanzkörper für eine improvisierte Gummi-Saite zwischen Mund und Blasinstrument.

Hübsch: „Meine Konzerte befassen sich mit dem Aspekt der Musik als Struktur in der Zeit. Der Fokus liegt auf dem Moment des Entstehens. Emphase oder Dramaturgie werden immer wieder spielend gebrochen und in neuen Impulsen fortgeführt, wobei die „Selbstbestimmtheit“ des musikalischen Laufs konstanter Bezugspunkt ist. Die Verwendung moderner und selbstentwickelter Spieltechniken geht weit über das verbreitete Blasmusikklischee hinaus, mit dem die Tuba immer wieder in Verbindung gebracht wird. Ein innovatives Klangfeld breitet sich aus, die Tuba wird aus einer neuen Perspektive dargestellt und das Publikum hört sich hören.“

Die Beiden gehen aufeinander ein, reagieren und agieren traumwandlerisch und haben spür- und hörbar Freude an der gemeinsamen Arbeit – oder eben nur: am Spiel. Der spielerische Aspekt ist vor allem bei der Zugabe zu hören: ein hinreissend gewitzt-patziges Kabinettstückchen mit Humor. Das fachkundige Publikum bei RUDER 47, der Jazzreihe von Jazzarchitekt Raimund Knösche, war jedenfalls begeistert. 

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