Kosho Solo in Bechtolsheim am 11.07.2014

Kosho - Foto: Mümpfer

Michael „Kosho“ Koschorreck beginnt mit einem leisen und emotionalen Song. Filigranes Saitenspiel und sparsame Percussion auf dem Korpus des Instruments, dazu eine Stimme, die von sanftem und warmem Klang über eine Oktave ins gepresste Falsett springt, kennzeichnen „Better than moon“. Der Gitarrist spielt beim Solokonzert im Bechtolsheimer Kulturgut von Elke Diepenbeck und Roland Kalus mit vollem Körpereinsatz. Er windet sich bei „On green Dolphin Street“ auf dem Hocker der kleinen Bühne, legt den Kopf in den Nacken, schließt die Augen, greift die Saiten mit Fingerpicking und reißt die Bass-Akkorde mit dem Fingernagel hart und knallend. In seinem individuellen „mondo funk guitar“-Stil verbindet der 54-jährige Wormser Gitarrist Bossa nova, Blues, Jazz und Flamenco auf eine unnachahmliche Weise. Mit seiner Musizierweise und dem eigenwilligen Gesang hat Kosho einen Alleinstellungsanspruch erworben. Wie kaum ein anderer Künstler unterlegt er seine Melodien sowie raffinierten Harmoniefolgen mit Basslinien und verbindet er beides mit percussivem Klopfen auf den tiefen Lagen den Saiten und dem Korpus seiner Gitarren.

Das Publikum im ausverkauften Kulturgut klatscht frenetisch Beifall, wenn der Gitarrist „Liar“ leise und melancholisch oder „Here comes the Blues“ als langsamen Blues angeht, um später mit Tempo- und Intensitätssteigerung mitzureißen. Koschorrecks Interpretation von „With a little help from my friends“ hebt sich kontrastreich von der bekannten Joe Cocker-Version ab. Da spielt der Künstler mit dem bereitwilligen Publikum, lässt die Zuhörer bei lautlosen Takten mitsingen. Dagegen leitet er „I wonder why“ mit einem langen instrumentalen Solo ein, bevor die Stimme einsetzt. Mit einem kurzweiligen Musiktheater verführt Kosho sein Publikum. Er stammelt und schlägt sich vor die Stirn. In „Forget to do it“ spielt und singt er von der Vergesslichkeit.

Als amüsanter Entertainer erweist sich der Künstler, wenn er in „Relase“ zum Text Wilfred Barlows über die Alexander-Technikzur Linderung von Rückenschmerzen, von der Wechselwirkung von Sex und Entspannung, vom relaxten Charlie Parker und Miles Davis sinniert und schließlich auf die Frage an das Publikum, ob es bei seinem ostinaten Basslinien-Spiel entspannt sei, die vielstimmige Antwort „Yeah“ erhält.

Die Töne einer jubilierenden Amsel im Hof des Kulturgutes nimmt der Gitarrist in seinem „Blackbird“ auf. Im Blues „This is my life“ von der CD „Tinggal“ fordert Koschorreck Roland Kalus am Mischpult auf, den Ton „trocken und dreckig“ zu färben. Er greift die Blue-Notes mit Saitenbending und nutzt die Glissandi-Verzerrungen des über den Ringfinger gestülpten Metall-Bottlenecks.

Kontrastierend wagt der Künstler in seiner Komposition „Play a piece by Bach“ die Verbindung zur Klassik, die er auch im Duo mit den Gitarristen Augustin Wiedemann pflegt. Das Publikum singt die Melodie durchaus einfühlsam mit, bevor sich der Gitarrist und Sänger mit zwei eher satirischen Songs über den Urlaub in Spanien und dem fast rappenden „I can´t buy a ticket“ unter anhaltendem Applaus verabschiedet.

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