Charlie Haden – Ein Nachruf von Hans Kumpf

Charlie Haden - Foto: Hans Kumpf

Der Kontrabassist hinter der Plexiglaswand

Charlie Haden verstarb 76-jährig

Los Angeles. Zuletzt erlebte man Charlie Haden auf den Jazzbühnen der Welt nur im Hintergrund, eingerahmt von Plexiglaswänden. Solcherlei akustische Abschirmmaßnahmen waren begründet in der Ohrenkrankheit des Bassisten.
Besonders Schlagzeuger bedeuteten für ihn eine akustische Folter. Charlie Hadens typische Spielweise, wenn er zu einem absolut unbegleiteten Solo-Stück ansetzte: Viele schön-melodische „horn lines“, einzelne Doppelgriffe – und vor allem Gemächlichkeit. Vorbei die Zeiten, als Charles Edward Haden mit seinem „Liberation Music Orchestra“ für revolutionäres Treiben in Kultur und Gesellschaft sorgte. Trotz realpolitischer Katastrophen auch heutzutage entbot der Altlinke nunmehr Schönklang und heile Welt. Sic tempora mutant…

Vereint mit seinem Saitenkollegen Pat Metheny beispielsweise lieferte Haden nett die wohltönenden Basslinien und kostete in den moderaten Tempi den allgemeinen Wohlfühl-Sound aus – Easy Listening einen ganzen Abend lang,  Musik zum Träumen – oder Einschlafen. Keineswegs hektischer Bebop, sondern harmlose Volksliedhaftigkeit. Melodiechen, die man vielleicht doch irgendwo schon gehört hat, darunter unverkennbar „Oh My Darling Clementine“. Pat Metheny blieb dabei der musikalisch Dominierende. Ganz rein akustisch sind seine Korpusinstrumente mit Tonabnehmer und Verdrahtung ohnehin nicht, aber zum nicht unbedingt originellen „Blues For Pat“ seines Partners Charlie ließ er sich das E-Gitarrenbrett reichen, um einen fetzigeren Sound zu erzielen. Nach zwei Stunden ohne Pause zeigte sich das Publikum hellwach und  forderte jubilierend Zugaben.

Charlie Haden, am 6. August 1937 geboren, verstarb am 11. Juli 2014 in Los Angeles.

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