Jazz Connection mit neuem Bassisten in Saulheim, 12. Juli 2014

Jill Gaylord - Foto: Mümpfer

Die Haare der Sängerin Jill Gaylord sind so lang, dass die Künstlerin sie immer wieder aus dem Gesicht streicht. „The days of wine and roses“, so verrät es der Text des Songs, den Jill Gaylord auf der Bühne mit tragender und zugleich sensibler Stimme interpretiert, sind dagegen kurz. Gaylord, die an Theatern in Wien und Wiesbaden als Mezzosopranistin auftrat, singt Henry Mancinis Komposition mit der neu formierten Band „Jazz Connection“. Für das Trio haben sich Pianist Wolfgang Thomas und Schlagzeuger Wahan Cherbettchian den Bassisten Markus Hofmann als dritten Mann geholt. Beim Hofkonzert im rheinhessischen Saulheim verpflichteten  das Trio und die Sängerin als Gast den Wormser Saxophonisten Sebastian Mettenheimer zur musikalischen Abrundung.

Mettenheimer bläst ein expressives Tenorsaxophon, leicht heiser und rau, mit spitzen Obertönen und sonorer Basis. Miles Davis legte einst das Metrum des Schlagzeugs, die Pulsfigur des Basses und das Piano-Tremolo in „All Blues“ schichtartig übereinander. „Jazz Connection“ interpretiert in diesem Konzert den zum Standard gereiften Song als funky Stück mit trockener Bass-Basis, Knallern und spitzen Schreien auf dem Saxophon. Wolfgang unterlegt die modale Komposition mit sattem Hammond-Sound von den Nord-Keyboards und dem Synthesizer. In „On green Dolphin Street“ besticht er mit perlenden Läufen auf dem Piano und Hofmann mit Melodielinien auf dem Bass. Cherbettchian ist ein äußerst sensibler und melodisch orientierter Drummer auf seinem selbst entwickelten und gebauten, klein dimensionierten Reiseschlagzeug-Set sowie der Holzkastentrommel Cajon. Mal trommelt er auf den Metallrändern seiner Instrumente, dann wieder regulär auf den fein abgestimmten Fellen, fast leise und sensibel. Doch plötzlich scheint der verschmitzt lächelnde Drummer  wie in „Route 66“ zu explodieren, wenn er vielschichtig und polyrhythmisch zu einem langen Solo-Ausflug startet. Thomas Wolfgang ist nicht nur ein Arrangeur mit Geschmack, sondern auch als Pianist beim Spiel auf seinem elektrischen Instrument und der Vorliebe für den sparsamen Einsatz von Synthesizer-Grundierungen äußerst kreativ.

Die Sängerin Jill Gaylord ist eine fantastische und einfühlsame Partnerin des Trios. Sie setzt ihre tragende und modulationsreiche Stimme ausdrucksstark mit perfekter Jazz-Phrasierung ein, klingt in „Masquerade“ ein wenig verrucht bis sensibel. Mitreißend sind bei diesem Hofkonzert ihre Duette mit den Tenosaxophon Mettenheimers vor allem in Joe Zawinuls Hit „Mercy,mercy,mercy“ und in dem langsamen Spiritual „God bless the child“, in dem das „singende“ Saxophon im Duett mit der Stimme über Keyboard-Sounds gelegt wird. In schnellen Stücken scattet Gaylord mitreißend und in „How high the moon“ lässt sie sich mit den Saxophonisten in ein tolles Ruf-Antwort-Spiel ein. Anlässlich solcher Interaktionen wünscht sich der Zuhörer, das Saxophon nicht nur als Gast, sondern als ständiges Mitglied der Jazz-Connection. „I Got Rhythm, I got music“ ist nicht nur der Titel eines Songs, sondern auch programmatisch für die Band.

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