Bassistin Kinga Glyk – Interview, geführt von Hans Kumpf (Januar 2018)

„Dream“ und Inspirationen

Die inzwischen 21-jährige Polin Kinga Głyk hat bereits als Teenager für Furore gesorgt. Zusammen mit Vater Irek, damals noch am Vibraphon tätig, und ihrem Bruder Patryk als Schlagzeuger, spielte die talentierte Bassgitarristin in einer  dreiköpfigen Familienband. Ihre erste CD „Rejestracja“ mit Eigenkompositionen und übernommenen Titeln erschien 2015. Mitte März 2017 nahm Kinga Głyk sozusagen in Eigenregie mit internationaler Besetzung den Tonträger „Dream“ auf. Dazu hatte man ad-hoc den britischen Saxophonisten Tim Garland, den israelischen Keyboarder Nitai Hershkovits und den US-amerikanischen Schlagzeuger Gregory Hutchinson gewinnen können. Das Quartett fand in der idyllischen Einöde des Dörfchens Gniewoszów jedoch schnell zueinander und zu einem stimmigen Ergebnis.

„Dream“ und Inspirationen

Die inzwischen 21-jährige Polin Kinga Głyk hat bereits als Teenager für Furore gesorgt. Zusammen mit Vater Irek, damals noch am Vibraphon tätig, und ihrem Bruder Patryk als Schlagzeuger, spielte die talentierte Bassgitarristin in einer  dreiköpfigen Familienband. Ihre erste CD „Rejestracja“ mit Eigenkompositionen und übernommenen Titeln erschien 2015. Mitte März 2017 nahm Kinga Głyk sozusagen in Eigenregie mit internationaler Besetzung den Tonträger „Dream“ auf. Dazu hatte man ad-hoc den britischen Saxophonisten Tim Garland, den israelischen Keyboarder Nitai Hershkovits und den US-amerikanischen Schlagzeuger Gregory Hutchinson gewinnen können. Das Quartett fand in der idyllischen Einöde des Dörfchens Gniewoszów jedoch schnell zueinander und zu einem stimmigen Ergebnis.

Dem Głyk-Clan gelang es dann, das gewonnene Tonmaterial an einen wichtigen Weltkonzern zu veräußern, nämlich an „Warner Music“. Auf einer Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz wurde im November 2017 das sowohl auf CD als auch auf Vinyl erschienene Produkt „live“ beworben; freilich nicht in der (teuren) Originalbesetzung der „Dream“-Platte, sondern mit einem rein polnischen Trio: „Daddy“ Irek betätigte sich als Drummer, und die diversen Keyboards traktierte nun der gewiefte Rafał Stępień. Die Medienresonanz geriet überwältigend – vom Spiegel („Bass, Bass, wir brauchen Bass!“) bis zur Bild-Zeitung („Die Jazz-Musikerin hat den Groove vom Papa“).

Wie auf der Bühne, so agiert Kinga Głyk auch bei (in englischer Sprache geführten) Interviews sehr eigenständig, selbstbewusst – und charmant. In der ersten Märzhälfte 2018 wird die junge Polin erneut durch deutsche Lande touren.

Mehr Schein als Sein? Da interessierte mich das Urteil von wirklichen Fachleuten. Eine Generation ältere (männliche) Instrumentalkollegen bewundern unverhohlen die arrivierte Newcomerin aus dem Osten: Ihre Musik habe „Hand und Fuß“ hört man da, außerdem gefalle der „Groove und der klare, definierte Basssound“ meint Thomas Rotter, der eine fünfsaitige Bassgitarre bedient, und fügt hinzu: „Ich denke die junge Dame hat Potential“.

Außerdem wurde Kinga Głyk von dem in Freiburg lehrenden Professor German Klaiber als „eine seriöse, reife und talentierte Bassistin und nicht nur als einen kurzlebigen Hingucker“ eingestuft. Ihr lange schon in Deutschland arbeitender Landsmann Vitold Rek meinte: „Kinga ist eine hochtalentierte Bassistin, keine Frage. Sie braucht noch etwas Zeit, ihre eigene Musik-Ecke zu entdecken“.

 Bekannt ist, dass Du am 27. Januar 1997 geboren wurdest. Dein Geburtsort ließ sich aber im Internet nicht googeln…

Ich wurde in Rydułtowy (Schlesien) geboren. Mittlerweile lebe ich in Bełk, einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Katowice/Kattowitz.

Ich möchte Dich nun nach ein paar anderen Bassgitarristen fragen – zunächst nach Deinem Lehrer Professor Jacek Niedziela-Meira. Auf Facebook hat er sich ja sehr lobend über Dich geäußert.

Er war einer der Leute, die mir sehr viel gaben. Bei ihm hatte ich mehr als nur eine einzige Unterrichtsstunde. Ich war bei ihm etwa zwei Jahre. Er brachte mir nicht nur viele Dinge über Musik bei oder wie man etwas zu spielen hat. Wir hörten gemeinsam viel Musik. Vor ihm hege ich großen Respekt. Er ist auf dem Bass ein Idol für mich. Ich bin sehr dankbar, dass ich mit ihm lange Zeit verbringen und zusammen mit ihm musizieren konnte. Ich hoffe, dass ich ihn bald wieder treffen werde und bei ihm wieder Unterricht nehmen kann.

Wie sieht es aus mit Jaco Pastorius, den Du ja als das große Vorbild bezeichnet hast?

Ja, er ist mein großer Bass-Hero. Für mich hat er mehr als nur einen Sound gemacht, er schuf etwas Spirituelles. Musik bedeutete bei ihm nicht nur Noten, schnelle oder langsame. Er drückte den Zuhörern gegenüber ein bestimmtes Gefühl aus. So möchte ich es selber halten: Mehr als nur Klänge kreieren, sondern meine Feelings vermitteln und dem Publikum sozusagen meine Lebensgeschichte erzählen. Ich habe Hochachtung für Jaco Pastorius und bin traurig, dass er nicht mehr lebt.

Wie ist es mit Jack Bruce?

Ich kenne ihn nicht…

Er war Mitglied der Gruppe „Cream“ zusammen mit Eric Clapton. Er spielte eine bundlose Bassgitarre. Spielst Du auch einen „fretless bass“?

Zuhause habe ich noch einen „fretless bass“, aber ich muss darauf noch viel üben, weil es nicht leicht ist, das Instrument zu beherrschen. Ich mag den Sound, setze dieses derzeit aber nicht bei Konzerten ein.

Was kannst Du über den Clapton-Hit „Tears In Heaven“ sagen?

Die Story von „Tears In Heaven“ ist eine riesige Überraschung für mich. Meine YouTube-Version wurde im Internet millionenfach aufgerufen. Ich habe den Video-Clip nicht aus dem Grund gemacht, nur weil da eine berühmte Melodie ist, die jeder kennt. Den Song empfinde ich als sehr schön. Ich habe nie und nimmer erwartet, dass so viele Leute das Video meiner Version von „Tears In Heaven“ wertschätzen würden.

Und nun zu Marcus Miller, Du trafst ihn ja Mitte November 2017 in Leverkusen…

Er ist die Nummer 2 meiner Bass-Helden. Es war eine große Ehre für mich, mit ihm zusammen auf der Bühne beim Festival in Leverkusen zu spielen. Er lud mich ein, bei seiner letzten Zugabe mitzuwirken. Dies war wohl die beste Erfahrung in meinem Leben bisher. Deswegen bin ich sehr glücklich und dankbar für diese Möglichkeit der Kooperation.

Und nun zur amerikanischen Bass-Lady Esperanza Spalding. Was denkst Du über sie?

Sie ist eine Inspiration für mich, weil sie auch eine Frau ist. Sie spielt ja außerdem noch Kontrabass. Esperanza Spalding und auch TalWilkenfeld…

… die Australierin…

… sind Frauen wie ich und haben mich beim E-Bass ermutigt und bestärkt.

Spielst Du selbst noch Kontrabass?

Ich versuchte das. Aber das ist wirklich schwierig für mich. Ich müsste sehr viel auf dem Korpusbass üben, weil es eine andere Art zu spielen ist. Aber Esperanza schafft es!

Kennst den polnischen Bassgitarristen Krzysztof Ścierański, der einst mit der Formation „String Connection“ berühmt wurde?

Ja, ich kenne ihn persönlich gut. Mein Vater hat mit ihm in einer Band viele Jahre lang zusammengearbeitet. Es war für mich eine große Freude, ihn mehrmals treffen zu können und sich mit ihm auszutauschen. In Polen ist er ein wirklich faszinierender Bassist.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Du jetzt immer einen Hut trägst?

Das ist eine lustige Geschichte. Eines Tages ging ich mit meiner Mutter in einen Laden – ich wollte ihr ein Geschenk machen. So kaufte ich ihr einen hellen Hut. Sie ist ziemlich scheu, und sie traute sich nicht, den Hut zu tragen. Als ich später ein Konzert hatte, fragte ich meine Mutter, ob sie mir den Hut ausleihen würde. Sie stimmte zu – und seither gehe ich immer mit Hut. Ich habe immer einen hellen und einen schwarzen dabei.

Ich dachte ursprünglich, dass der Hut ein Marketing-Gag vielleicht von „Warner Music“ gewesen sei…

Nein, das ist meine eigene Erfindung. Ich mag Hüte. Auch Marcus Miller trägt eine Kopfbedeckung, und manche Menschen behaupten, dass ich so wie Marcus Miller sein wolle. Ich entgegne denen, dass ich diese Mode nicht von ihm übernommen habe.

Du hattest viele verschiedene Keyboarders in Deiner Gruppe. Was ist der Grund dafür? Das letzte Mal erlebte ich Dich im Juli 2017 zusammen mit Piotr Matusik, jetzt ist Rafał Stępień auf der Herbst-Tour dabei.

Von verschiedenen Musikern empfange ich unterschiedliche Inspirationen. Wenn man die ganze Zeit mit der gleichen Person kooperiert, ist es diffizil, in der Musik etwas Neues zu kreieren. Wenn man mit einem anderen Musiker zusammen spielt, vermittelt dies neue Sachen und Erkenntnisse. Ich möchte wirklich gerne in den Improvisationen etwas Neues bewerkstelligen. Mit jedem einzelnen der Musiker, mit denen ich zusammen arbeitete, habe ich wirklich gerne gespielt. So ist es nun auch mit Rafał Stępień. Ich mag es, wenn vom Pianisten frische Ideen ausgehen.

Wie kamst Du zu den internationalen Musikern, die bei Deiner Platte „Dream“ mitwirkten? Hat diese Dir „Warner Music“ vermittelt?

Nein. Wir haben einen Freund, der mit internationalen Musikern arbeitet. Er hatte Kontakt zu dem Pianisten Nitai Hershkovits und dem Schlagzeuger Gregory Hutchinson. Er schrieb sie an und fragte, ob sie Lust an einer gemeinsamen Produktion hätten. Sie waren davon begeistert. Und mich freut es ungeheuer, dass es so gut geklappt hat. Wir verbrachten drei Tage im Studio. Zusammen haben wir dann etwas Großartiges erreicht.

Habt Ihr also Mitte März 2017 zunächst die Produktion erstellt und dann bei „Warner Music“ angefragt?

Ja, zuerst haben wir die Musik aufgenommen, erst danach haben wir den Vertrag mit „Warner Music“ unterzeichnet. Auch andere Labels hatten Interesse gezeigt. Aber mit „Warner Music“ haben wir nun eine wirklich herzliche Geschäftsbeziehung aufgebaut.

Das „Monochrom Studio“ liegt ja hundert Kilometer südlich von Breslau und nahe an der tschechischen Grenze…

Das Studio liegt im Wald. Da ist nichts – nur das Studio. Dies war die Konzeption der Studioeigner. Sie wollten eine ganz ruhige Atmosphäre bieten.

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