Ketil Bjørnstad bei Enjoy Jazz in der Mittelburg in Neckarsteinach 181009 (Fotos)

Der Gang zum Kon­zert hat – zumin­dest auf der dunk­le­ren Sei­te – den Charme eines Weges zu einem trans­syl­va­ni­schen Schloss. Tat­säch­lich ist es die Neckar­steinacher Mit­tel­burg, die dem ers­ten Enjoy Jazz Kon­zert in der Vier­bur­gen­stadt über­haupt –  im 20. Fes­ti­val­jahr – eine Her­ber­ge bie­tet.

Ein wun­der­ba­rer Raum, behut­sam ren­vo­viert mit eini­gen moder­nen Ele­men­ten, die sich har­mo­nisch ins Gesamt­en­sem­ble ein­fü­gen. Man wünscht sich der Burg­herr wäre ein Jazz­freund, und es könn­ten an die­sem Ort häu­fi­ger Jazz­kon­zer­te statt­fin­den. Der Flü­gel für Ketil Bjørn­stad steht in der Mit­te die­ses Raums, und der ist kom­plett gefüllt.

Wer Bjørn­stad nicht kennt, im Netz recher­chiert, der fin­det als Wiki­pe­dia-Tref­fer sei­nen Namen. Dar­un­ter: „Schrift­stel­ler“. Der nor­we­gi­sche Pia­nist ist tat­säch­lich eben­so Lyri­ker und Autor mit über 30 ver­öf­fent­lich­ten Roma­nen. Sei­ne musi­ka­li­sche Kar­rie­re ist eben­so beein­dru­ckend: seit Jahr­zehn­ten gehört er zu den Künst­lern des ECM Labels und die sym­bio­ti­sche Bezie­hung zwi­schen Label, des­sen Chef Man­fred Eicher und ihm selbst, sie wird auch doku­men­tiert mit einem ihm gewid­me­ten Stück im Kon­zert.

In der Musik muss man immer in Lini­en den­ken, auf denen eine Ent­wick­lung statt­fin­det. Die Akkor­de set­zen die Mei­len­stei­ne, und dann geht es in gewis­ser Wei­se ver­ti­kal nach unten. Ich den­ke, in der Musik soll­te man sowohl luf­ti­ge Leich­tig­keit und Atmo­sphä­re als auch Boden­kon­takt anstre­ben, also nach oben und unten schau­en. (K.B.)

Viel­leicht kann man Bjørn­stad musi­ka­lisch als Bin­de­glied der bei­den Pole „Jazz und Ande­res“, dem Unter­ti­tel des Enjoy Jazz Fes­ti­vals, sehen. Er stellt sei­ne Melo­di­en vor, impro­vi­siert, kommt wie­der zum The­ma, gele­gent­lich flicht er kur­ze swin­gen­de Pas­sa­gen in sei­ne Stü­cke ein – da ist er, der Jazz. Die prak­ti­sche Form sei­nes Spiels zeigt aber sei­ne klas­si­sche Schu­lung. Und so ist er eben auch ein moder­ner Klas­si­ker mit dem Ges­tus eines klas­sisch geschul­ten Pia­nis­ten. Mit einer beein­dru­cken­den Tech­nik sei­nes eben­so kraft- wie phan­ta­sie­vol­len Spiels. Das wirkt auch wenn er die kom­plet­te Dyna­mik des Flü­gels aus­lo­tet, immer leicht und trans­pa­rent, und ist von einer Klar­heit, die ihres­glei­chen sucht.

Urhe­ber­recht Fotos: Frank Schin­del­beck Jazz­fo­to­gra­fie

Frank Schindelbeck Jazzfotografie - Ausstelung Kunstverein Rüsselsheim

Jazz­fo­to­gra­fie Frank Schin­del­beck, Aus­stel­lung in Rüs­sels­heim:

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