Jörg Teichert und Christian Huber, RIP 28.2.2022

Fassungslosigkeit, Trauer, ja, auch Wortlosigkeit im ansonsten geschwätzigen Medium waren heute die Reaktionen im Internet, als die niederschmetternde Nachricht vom Tod von Jörg Teichert und Christian Huber wie ein Lauffeuer bekannt wurde. Der Gitarrist und der Schlagzeuger waren am Montagvormittag auf der Autobahn unterwegs nach Stuttgart und verunglückten tödlich. Ein Unfall, der jeden hätte treffen können, ein Schicksalsschlag, der nicht nur zwei hervorragende Musiker ums Leben brachte, sondern viele Freunde in Trauer stürzt und natürlich die Familien der beiden Musiker.

Beide Musiker waren in einer Vielzahl von Projekten unterwegs und standen gemeinsam erst jüngst beim Enjoy Jazz Festival mit einem ihnen besonders wichtigem, der Band „Black Project“ auf der Bühne. Christian Huber spielte noch letzten Samstag in der Band von Christoph Neuhaus beim Jazzclub in Heidelberg. Ein Konzert, dass ich nur wegen einer Coronainfektion verpasst habe – es wäre eine große Freude gewesen, Christian zu hören und zu sprechen. Christian war nicht nur am Schlagzeug ein aufgeweckter Musiker, sondern immer auch ein lebendiger Gesprächspartner, vielseitig interessiert. Einer der sich auch kulturell übers reine Schlagzeugspiel engagierte – beispielsweise beim Verein Livekultur in Mannheim. Als Schlagzeuger war er von vielen Kolleginnen und Kollegen gefragt. Er spielte beim Peter Lehel New Quartet, bei Martin Meixner Matchtape, war der neue Schlagzeuger in Thomas Sifflings Formation Flow und war auch der Drummer der Bassistin Judith Goldbach. Über die engere Region hinaus war er beim Jazz Ensemble Baden-Württemberg tätig und mit dem Gitarristen Christoph Neuhaus aus Stuttgart. Als Theatermusiker war für die Bühnen des Theaters Heidelberg, das Theater Koblenz und das Nationaltheater Mannheim tätig.

Der Heidelberger Jörg Teichert gehörte zu den unüberhörbaren Gitarrenstimmen im Rhein-Neckar-Delta. Ein Musiker, der nicht nur dem Jazz zugewandt, sondern auch im Blues-Genre zuhause war. Mit dem Ludwigshafener Schlagzeuger Erwin Ditzner spielte er seit Jahren im Duo „Red & Grey“ und in Mannheim freute man sich schon auf das Konzert der beiden Musiker mit der Organistin Barbara Dennerlein beim Pfingstbergblues in wenigen Tagen, das nach mehreren Coronaabsagen hätte endlich stattfinden sollen. Mir bleibt neben einem grandiosen „Black Project“ Konzert in Heidelberg vor allem ein Auftritt mit der Sängerin Jutta Glaser und Erwin Ditzner im Alten E-Werk in Neckargemünd in Erinnerung: ein sensibler Begleiter mit Blues im Blut, ein Abend voller Spielfreude dreier Vollblutmusiker. Und auch ein Auftritt in Speyer, eher zufällig vorbeigestolpert: dort war er sogar an der Trompete zu hören und spielte Klezmermusik. „Es gibt zu viele tolle Musikrichtungen, als dass er sich auf eine beschränken wollte“ liest man auf seiner Website.

Der Tod von Jörg Teichert und Christian Huber versetzt der Jazzszene der Metropolregion Rhein-Neckar einen heftigen Schlag. Diese Musiker werden fehlen.

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