Internationale Interaktion


Alle Photos auf dieser Seite: Hans Kumpf 

Eine wahrhaft kosmopolitische Musik schuf ein aus Dänemark kommendes Jazztrio in der Haller Hospitalkirche. Das gemeinsame Improvisieren war bestimmt von engverzahnter Kommunikation. 

Schwäbisch Hall. Jazz war schon immer eine weltoffene Musik, aber bei einem in Dänemark beheimateten Trio widerspiegelt sich der kosmopolitische Aspekt in den persönlichen Biografien besonders stark. Marilyn Mazur, mit afroamerikanischem als auch polnischem Blut in den Adern, wurde 1955 in New York geboren, kam als 6-Jährige nach Dänemark und erlangte in der zweiten Hälfte der 80er Jahre globale Bedeutung durch ihre vitale Perkussionsarbeit bei Miles Davis. Sie ist mit dem einheimischen Kontrabassisten Klavs Hovman verheiratet, der im „MakikoTrio“ der japanischen Pianistin Hirabayashi einen Ruhepol bildet. 

Makiko Hirabayashi stammt aus Tokio, lebte dann in Hongkong und studierte an der Berklee-Jazzschule in Boston, ehe sie es nach Dänemark zog.

Auch nach der Lehrzeit in den USA hat sich Makiko Hirabayashi ihre japanische Identität bewahrt. In ihrem Klavierspiel taucht immer wieder die Pentatonik ihrer alten Heimat auf und zuweilen klingt der Flügel wie eine Koto-Zither. Der Ausdruck der Empfindung ist ihr wichtiger als virtuoses Machtgehabe, obwohl sie auch recht zupackend und rhythmisch prononciert in die Tasten zu greifen vermag. Originäres und Eigenkompositionen haben für Makiko Hirabayashi Vorrang gegenüber dem üblichen Aufwärmen von allzu vertrauten Jazz-Standards. Aber selbst die Kompositionen lassen sehr viel Freiraum für das kreativ-improvisatorische Ausgestalten. Lust und Freude sind hör- und sichtbar bei der intensiven Kommunikation miteinander.

Zu dieser internationalen Interaktion trägt Marilyn Mazur stets Wesentliches bei. In Schwäbisch Hall saß die Perkussionistin vor einem konventionellen Drumset, das aber mit unzähligen “Light Metal“-Instrumenten angereichert war – viele klitzekleine Becken und Cymbals. Einem in Deutschland hergestellten Kompakt-Metallophon entlockte sie melodisch balinesische Gamelanklänge, und auf einer Vase schöpfte sie schlagkräftig deren Obertonspektrum aus. Marilyn Mazur kombiniert da elegant fulminante „Action“ mit introvertierten Sounds. Außerdem ist die wieselflinke Schlagwerkerin noch vokal aktiv, wenn sie mitunter die kurzen Hauptthemen einzelner Kompositionen ins Mikrofon singt. 

Als Ruhepol und sozusagen auch als Vermittler der beiden musikalisch dominierenden Damen fungiert am Kontrabass Klavs Hovman. Solistisch kann er mit geschickten Doppelgriffen auftrumpfen. Auf Bogenarbeit verzichtet der dänische Pizzicato-Mann gänzlich.

Mit der Hirabayashi-Komposition „Rain“ vollführte das Trio in der Hospitalkirche eine sensible Programmmusik – lautmalerisch hingetupft und tröpfelnd. Die (andere) Naturerscheinung „Asymmetric Rainbow“ wird zunächst von Piano und Bass homophon in einer abstrakten Linie geführt, ehe das Stück nach Bebop und Barock tönt. Und immer wieder schimmern fernöstliche Skalen hindurch. Trotzdem huldigen die drei kooperativen Künstler-Individuen musikalisch auch noch ihrer skandinavischen (Wahl-) Heimat. Einmal mehr die Welt als globales Dorf, ehrliches und gelebtes Multikulti. 

Ein interessantes und kurzweiliges Konzert, inszeniert vom Konzertkreis Triangel, dem Kulturbüro und dem Jazzclub Schwäbisch Hall. 

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