Henning Sieverts beim Mainzer „Jazzforum“, 19. April 2018

Der Gast aus Mün­chen erforscht eine Regi­on des moder­nen Jazz: Sym­me­trisch Struk­tu­ren sind für den Bas­sis­ten Hen­ning Sie­verts ele­men­tar. Das Kon­zert des Bas­sis­ten mit einem Quin­tett aus Stu­die­ren­den im „Jazz­fo­rum“ der Main­zer Musik­hoch­schu­le beginnt fast hym­nisch. Den Soli des Tenor­sa­xo­pho­nis­ten Vik­tor Fox und des Pia­nis­ten Lukas Moriz folgt ein fast har­mo­ni­scher Lauf des Kon­tra­bas­ses von Hen­ning Sie­verts. In das „Hel­le Hören“ fal­len der Schlag­zeu­ger Leo­pold Ebert und Ben­nie Lind­ner mit der Trom­pe­te ein. Der pfif­fi­ge Bas­sist und Kom­po­nist aus Mün­chen liebt musi­ka­li­sche Vexier­bil­der, die in spie­gel­ver­kehr­te Melo­di­en ein­flie­ßen.

Ein Bei­spiel dafür ist beim Main­zer „Jazz­fo­rum“ ist die ein­zi­ge nicht von Hen­ning Sie­verts stam­men­de Kom­po­si­ti­on, Char­lie Par­kers „Blues for Ali­ce“: das Stück beginnt zunächst „nor­mal“ und wird nach einem aus­ge­dehn­ten Pia­no-Aus­flug qua­si rück­wärts mit hel­lem Klang von Kla­ri­net­te und Trom­pe­te abge­schlos­sen.

Sym­me­trie wird kom­po­si­to­risch in der Akkord­struk­tur, bei Inter­vall­rei­hen oder bei der Ver­schie­bungs-Sym­me­trie rea­li­siert. End­los sind Sie­verts Über­le­gun­gen zu die­sem The­ma. Was als Gedan­ken­spiel beginnt, bringt in der Regel neue, ver­blüf­fen­de Ansät­ze für homo­ge­ne Kom­po­si­tio­nen her­vor.

In Mainz leb­te die Musik des Bas­sis­ten und den Stu­die­ren­den von Gegen­sät­zen und Frei­heit. Wäh­rend die Kla­ri­net­te süf­fig-flie­ßen­de Lini­en spiel­te, moch­te es die Trom­pe­te sper­ri­ger und ver­kan­te­ter. Kon­ven­tio­nel­ler Swing und per­cus­sives Spiel mit immer wie­der wech­seln­des Tem­pi mün­de­ten in einen fili­gra­nen Lauf des Gitar­ris­ten Simon Schae­fer. Der Bass wur­de mal in har­mo­nisch raf­fi­nier­ten Läu­fen gezupft, mal getra­gen mit dem Bogen gestri­chen. Ohne Metrum frei par­lie­rend, mit Beats wild trei­bend oder schwe­bend atmo­sphä­risch – bei Sie­verts Tut­ti ist alles mög­lich. „Sun on my face“ pass­te in die Jah­res­zeit mit dem strah­len­den Son­nen­schein und ist ein Bei­spiel dafür, wie Sie­verts auf diver­sen Art der Sym­me­trie baut.

Der 52-Jäh­ri­ge aus Mün­chen ver­fügt über eine gehö­ri­ge Por­ti­on Humor. Von einem Film ließ es sich zur Kom­po­si­ti­on „Will Till Still Kill Bill?“ anre­gen. Auf der Lis­te im „Jazz­fo­rum“ stan­den für das Sex­tett außer­dem ein irr­lich­ternd frei­es „Ebird“, ein „Evi­le Oli­ve“ sowie „Wheel of For­tu­ne“. Das Pro­gramm spricht von einer vita­len Musik, die im Zusam­men­wir­ken von sym­me­tri­sche Struk­tu­ren, Renais­sance, poly­rhyth­mi­scher Viel­schich­tig­keit und lei­den­schaft­li­chem Swing ent­steht.

Hen­ning Sie­verts ist viel­fach ein Grenz­gän­ger von Klas­sik und Jazz. Er kom­po­nier­te neben unge­zähl­ten Jazz­stü­cken auch klas­si­sche Wer­ke, dar­un­ter die Bach´s Blü­ten-Sui­te für Kam­mer­or­ches­ter und Jazz-Quar­tett. Meh­re­re Orches­ter­stü­cke, ein Streich­quar­tett und kam­mer­mu­si­ka­li­sche Wer­ke für Cel­lo oder Bass und Kla­vier zeu­gen von Hen­ning Sie­verts schier gren­zen­lo­ser Krea­ti­vi­tät.

Jazzpages Logo


Mümp­fers Jazz­no­ti­zen

Schreibe einen Kommentar

Scroll Up

Durch die weitere Nutzung der Seite Stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen