Doppelkonzert in Halls Hospitalkirche mit der Eva Schulze Band und dem Schmid/Brämswig Quartett

Vom Hard Bop bis zu Klang­far­ben­spie­le­rei­en

Das Fes­ti­val „UpBeat Hohen­lo­he“ mach­te mit der Eva Schul­ze Band und dem Schmid/Brämswig Quar­tett in Schwä­bisch Hall jaz­zig Sta­ti­on – und erfuhr mage­ren Publi­kums­zu­spruch.

Eigent­lich ist es ein höchst lobens­wer­tes Unter­fan­gen: Eine jun­ge aber eta­blier­te Jazz­for­ma­ti­on kommt für zwei Tage an eine Schu­le, gibt ein Werk­statt­kon­zert und coacht das dor­ti­ge Schul­ensem­ble. Zum Abschluss tre­ten die Schü­ler als Vor­grup­pe der Pro­fis bei einem öffent­li­chen Kon­zert auf.

Doch mit rund drei­ßig Zuhö­rern blieb die Publi­kums­re­so­nanz beim neu­er­li­chen Event in der Hal­ler Hos­pi­tal­kir­che sehr beschei­den. Die eigent­lich auf Klas­sik aus­ge­rich­te­te Kul­tur­stif­tung Hohen­lo­he hat­te zwar wie­der den ört­li­chen Jazz­club mit ins Boot geholt, doch ande­re kunst­sin­ni­ge Ver­an­stal­tun­gen am glei­chen Abend in Schwä­bisch Hall und wohl auch das som­mer­li­che Wet­ter im Früh­ling erwie­sen sich als über­mäch­ti­ge Kon­kur­renz.

Vor drei Jah­ren bereits nahm das Köl­ner Quar­tett „Bot­ter“ unter der „demo­kra­ti­schen“ Lei­tung des Vibra­pho­nis­ten Dierk Peters das swin­gen­de Nach­wuchs­en­sem­ble des Evan­ge­li­schen Schul­zen­trums Michel­bach an der Bilz unter sei­ne Fit­ti­che. „Eva Schul­ze Band“ nennt sich wort­wit­zig die­ses Ensem­ble. Eine leib­haf­ti­ge Jazz­da­me namens Eva Schul­ze war damals und heu­er natür­lich nicht von der Par­tie, aber Eli­sa Flöß wirk­te schon 2015 bei die­sen New­co­mers mit.  Das (auch beim Lan­des­ju­gend­jazz­or­ches­ter erfolg­rei­che) Blech­blas­in­stru­men­ten­ta­lent muss­te jedoch aus medi­zi­ni­schen Grün­den das Zug­po­sau­nen­spiel schwe­ren Her­zens auf­ge­ben – und klöp­pelt nun­mehr enga­giert auf dem Vibra­phon.

Nun kam das eben­falls in der rhei­ni­schen Dom­stadt resi­die­ren­de Schmid/Brämswig Quar­tett nach Michel­bach, um mit einer 14-köp­fi­gen Grup­pie­rung aus­gie­big zu trai­nie­ren. Sti­lis­tisch orte­te man sich im rhyth­misch fun­keln­den Hard Bop der 1960er Jah­re ein. Der Kon­zert­auf­tritt begann beschwingt mit Joe Zawin­uls zün­den­dem Welt­hit „Mer­cy, Mer­cy, Mer­cy“. Frei­lich geriet der Anfang ganz unor­tho­dox: In einem unbe­glei­te­ten Solo ließ Tubist Gre­gor Arnold im Moll-Modus tief­grün­digs­te Töne erschal­len, bevor im tut­ti das The­ma vor­ge­stellt wur­de. Die nach­fol­gen­den Kurz­im­pro­vi­sa­tio­nen waren nicht unbe­dingt von Per­fek­ti­on geprägt – wur­den aber grund­sätz­lich mit moti­vie­ren­dem Applaus bedacht.

Beim souli­gen Ohr­wurm „Wade in the Water“ kon­ver­tier­te der (zuvor beim Wett­be­werb „Jugend musi­ziert“ mehr­fach bewähr­te) Key­boar­der Phil­ipp Sagow­ski zum Voka­lis­ten und sang mit sat­ter Bari­ton­stim­me, frei­lich ohne Scat-Ein­la­ge.

Nach einer kur­zen Umbau­pau­se dann also die Pro­fis aus Köln. Es begann mit einem sub­ti­len Stück im Sie­ben­vier­tel­takt des E‑Gitarristen Phil­ipp Bräms­wig. Zusam­men mit dem 1984 in Darm­stadt gebo­re­nen Saxo­pho­nis­ten Ste­fan Karl Schmid bil­det er kom­po­si­to­risch und impro­vi­sa­to­risch als wah­re „Geschich­ten­er­zäh­ler“ das Füh­rungs­ge­spann des Quar­tetts. Bräms­wig ori­en­tiert sich eher an Jim Hall als etwa an Jimi Hen­drix, und auch Schmid liebt es weit­ge­hend auf die sanf­te Tour. Er gehört zu den Tenor­sa­xo­pho­nis­ten, die einer klas­sisch-coo­len Alt­sax-Ästhe­tik eines Paul Des­mond frö­nen. In sei­nen Kom­po­si­tio­nen sin­niert er bal­la­desk über Island, dem Her­kunfts­land sei­ner Mut­ter, und über sei­nen Wohn­ort Köln. Alles lieb­rei­zend und ohne Auf­ge­regt­hei­ten.

Außer­ge­wöhn­lich aller­dings sei­ne Num­mer „De Rigueur“, wobei Schmid zunächst den Ober­ton­reich­tum sei­nes Tenors beseelt aus­lo­tet, den aktu­el­len Kon­tra­bas­sis­ten David Helm mit dem Bogen die Sai­ten strei­chen lässt und Schlag­zeu­ger Tho­mas Sauer­born mit sei­nen Sticks erst recht dezent auf Metal­le und Fel­le schlägt. Die elek­tri­fi­zier­te Gitar­re ent­hält sich auf­ge­bla­se­ner Trick­se­rei­en. Gar nicht „rigo­ros“ – eine gewis­se Leich­tig­keit des Seins strahl­te auch hier die Musik aus.

Eine rich­ti­ge „action“ kam erst zum Schluss des offi­zi­el­len Pro­gramms auf. Rasan­tes Tem­po, frei­to­na­le Kas­ka­den, chro­ma­ti­sche Läu­fe, ein Raun­zen und Pfei­fen. Und Phil­ipp Bräms­wig stand ganz sto­isch da – fern­ab eines hyper­ak­ti­ven Star­kult­ge­ha­bes von so man­chen Gitar­ris­ten­kol­le­gen aus dem Rock-Busi­ness. Aber bei der fäl­li­gen Zuga­be kehr­te wie­der gemäch­li­che Ruhe ein…

 

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Text und Foto­gra­fie von Hans KumpfKumpfs Kolum­nen

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