Diana Krall und Dianne Reeves jazzten im Stuttgarter Beethovensaal

Stuttgart. Wieder einmal endete die Vier-Städte-Tour der von der „Karsten Jahnke Konzertdirektion“ durchgeführten „Jazz Nights“ in Stuttgart. Bereits im Herbst gastierte zunächst die Sängerin Cassandra Wilson in Hamburg, Frankfurt/Main, Düsseldorf und in der Schwabenmetrople, dann folgten die beiden Saxofonisten Branford Marsalis und Joshua Redman mit ihren Formationen. Jetzt, im neuen Jahr (-hundert, -tausend), ein Doppelpack mit arrivierten Vokalistinnen: Diana Krall und Dianne Reeves. Deren Start in der Hansestadt verlief in der ausverkauften Musikhalle fulminant, dies wusste man bereits vor Konzertbeginn in der Stuttgarter Liederhalle.

Allenthalben besteht besonderes Interesse an der Kanadierin Diana Krall, die nicht zuletzt durch geschicktes Marketing einen hohen Aufmerksamkeitsgrad erringen konnte. Die offiziellen Promotion-Farbfotos der langmähnigen Blondine zierten Printmedien wie das „Jazz Podium“ und „Sonntag aktuell“. Dass sie von dem Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood geschätzt wird, ist mittlerweile hinlänglich bekannt, und dass Elton John sich als ein Fan von ihr geoutet hat – dies erzählt sie gerne selbst.

Angefangen hat Diana Krall als Pianistin, ihr Lehrmeister war Jimmy Rowles, der langjährige Begleiter von Ella Fitzgerald. Etliche Jahre betrieb sie instrumentale Bar-Background-Musik, ehe sie mehr ihre Stimme zum Einsatz brachte. Ihr Vokalorgan ist bestimmt von tiefem Timbre mit dem Touch von Verruchtheit. Wenn Diana Krall auf der Bühne agiert, scheint es, sie musiziere und singe nur für sich alleine: kein ein auffordernder Blick ins Publikum (und auch keine gebärdenreiche Kommunikation mit ihren drei Musiker-Kollegen). Introvertiertheit – oder nur eine ausgesprochene „Coolness“ mit der Attitüde von Teilnahmslosigkeit? Eine Anbiederung an die „live“-Konsumenten betreibt die Künstlerin nur bei ihren anekdotenreichen Ansagen.

Liebend gerne erzählt Diana Krall getragene Balladen, und da legt sie in jedes Wort einen individuellen Ausdruck hinein. Erste euphorische Reaktionen löste in Stuttgart der Cole-Porter-Hit „I*ve Got You Under My Skin“ aus. Aus ihrer Bestseller-CD „When I Look In Your Eyes“ standen beispielsweise noch „Let’s Fall In Love“ und das rasante „I Can’t give You Anything But Love“. Den Flügel bediente sie handwerklich gekonnt, perlende Läufe und wuchtige Blockakkorde kamen dezent. Peter Bernstein fügte geschmackvolle „single notes“ hinzu, weniger Aktivität und Spontaneität zeigten Bassist Paul Gill und Schlagzeuger Joe Earnsworth.

Ganz anders die drei Mannen von Deanne Reeves. Da werden gewitzt musikalische Spannungsbögen entwickelt, die künstlerische Kommunikation untereinander macht sichtlich und hörbar Spaß. Pianist Otmaro Ruiz und Reginald Veal (Kontrabass sowie Bassgitarre) und der Drummer Rocky Bryant bilden zuweilen noch einen unterstützenden Chor. Reizvoll gleich der Opener: Dschungel-Sound mit Vogelgezwitscher, eine adäquate Einstimmung zu Cat Stevens Evergreen „Morning Has Broken“, das Dianne Reeves harmonisch und melodisch individuell-freizügig ausweitet und sogleich noch das Auditorium gesangsimprovisatorisch begrüßt. Mit ad-hoc-Scat-Vokalisen, die Diana Krall zuvor vermissen ließ, geizt die 1956 in Detroit geborene Vollblutmusikerin nicht. Die schwarze Sängerin überzeugt mit heißer Musik, kann aber auch lyrisch werden, wenn sie – nur vom gefühlvollen Kontrabassisten Veal begleitet – Duke Ellingtons „Mood Indigo“ intoniert. Feurig später der Standard „Love For Sale“ und das poppige „Nine“ mit barockalen Wendungen.

Die beiden medienwirksamen Sängerinnen bescherten den Veranstaltern auch in Stuttgart ein volles Haus. DieKonzeption der „Jazz Nights“ scheint von Erfolg gekrönt zu sein. Beschlossen wird in Stuttgart die Reihe am 9. April mit dem Pianisten Herbie Hancock.

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