Barrelhouse Jazz-Gala 2017 in Nieder-Olm, 12. Oktober 2017

Barrelhouse Jazzband Gala 2017 - Photo Mümpfer

Die Sän­ge­rin Bren­da Boy­kin klemm­te sich ihren „Rhyth­mus-Stock“ unter den Arm und impro­vi­sier­te mit dem Kor­net­tis­ten Kevin Lou­is aus New Orleans über die Melo­die des zwölf­tak­ti­gen Blues „See See Rider“. Gestützt auf ihre Geh­hil­fe, hat­te die 60-Jäh­ri­ge zuvor mit dem Pia­nis­ten Chris­tof Sän­ger stimm­ge­wal­tig und inten­siv sowie vol­ler Inbrunst den Spi­ri­tu­al „What a fri­end I have in Jesus“ gesun­gen. Das Publi­kum in der gut besuch­ten Nie­der-Olmer Lud­wig-Eckes-Hal­le schloss die far­bi­ge Sän­ge­rin bereits beim lang­sa­men Blues sowie dem rocken­den „Cra­zy Litt­le Dad­dy“ ins Herz.

Gemein­sam mit der Rhyth­mus­grup­pe der Bar­rel­house Jazz­band prä­sen­tier­ten Trom­pe­ter Kevin Lou­is, Posau­nist Rick Trol­sen und Kla­ri­net­tist Tho­mas Sanc­ton ori­gi­nä­ren New Orleans Jazz. Die Gäs­te aus Ame­ri­ka füg­ten sich naht­los in das Pro­gramm der tra­di­tio­nell aus­ge­rich­te­ten Frank­fur­ter Band ein. Das begeis­ter­te Publi­kum nahm ihnen ohne Ein­schrän­kun­gen ab, dass „New Orleans in our hearts“ schla­ge – so das Mot­to der Gala. „Why don´t you go down to New Orleans“ frag­ten die drei US-Gäs­te eher rein rhe­to­risch in ihrem Ope­ner, um mit dem „Mus­crat Ram­ble“ ihre Dar­bie­tun­gen zu schlie­ßen. Dazwi­schen scho­ben sie, weil der Kla­ri­net­tist Sanc­ton ein sen­si­bler Anhän­ger Bechets ist, mit „Si tu vois ma merè“, eine Kom­po­si­ti­on des berühm­ten Musi­kers aus dem Woo­dy All­an-Film „Mid­ni­ght in Paris“. Der Schü­ler des legen­dä­ren Geor­ge Lewis ließ sei­ne Kla­ri­net­te vibrie­ren, sanft erklin­gen und traf die Stim­mung des Ori­gi­nals gen­re­ge­recht.

Stu­dier­ter Musi­ker sowie ton­an­ge­ben­der Instru­men­ta­list war Kevin Lou­is sowohl mit gestopf­tem Kor­nett als auch mit des­sen strah­len­dem Ton. Satt und klar blies Rick Trol­sen sei­ne Posau­ne, wie ihn die Fans bereits als Mit­glied der „New Orleans Night Craw­lers“ aus einer frü­he­ren Jazz-Gala kann­ten. Die drei Blä­ser ent­führ­ten die Zuhö­rer aus Nie­der-Olm zu den Kar­ne­vals-Rhyth­men in den „Mar­di Gras“ und zu „Mama Inez“.

Die Bar­rel­house Jazz­band eröff­ne­te das mehr­stün­di­ge Kon­zert mit der gewohn­ten Sou­ve­rä­ni­tät, der unfehl­ba­ren Prä­zi­si­on in den Ein­sät­zen und der lei­den­schaft­li­chen Spiel­freu­de. Die Frank­fur­ter zäh­len noch immer zu den bes­ten Bands des tra­di­tio­nel­len Jazz von King Oli­ver bis zu Duke Elling­ton. Fas­zi­nie­rend mit dem vir­tuo­sen und viel­sei­ti­gen Pia­nis­ten Chris­tof Sän­ger gelang ihnen eine mit­rei­ßen­de Ver­si­on von Elling­tons „Cara­van“ mit ihrem exo­ti­schen Sound. Bas­sis­tin Lin­dy Hup­perts­berg zupf­te die Har­mo­ni­en reiz­voll und schlug die Sai­ten ihres Instru­ments in knal­len­der Slap-Tech­nik. Lei­se strich sie mit dem Bogen das Zwi­schen­spiel zu King Oli­vers „Snag it“. Frisch erklang die ein­fühl­sa­me Bar­rel­house-Inter­pre­ta­ti­on des Beat­les-Klas­si­ker „Let it be“.

Im Fina­le ver­ab­schie­de­ten sich Bren­da Boy­kin, die drei Künst­ler aus New Orleans und die Band mit der mit­rei­ßen­den Fas­sung von „Lady be good“ der Gershwin-Brü­der. Das eupho­ri­sier­te Publi­kum fei­er­te die Musi­ker mit anhal­ten­dem Applaus.

Zuhö­rer erkun­dig­ten sich bereits nach der Gala 2018, die nach den Wor­ten des Bar­rel­house-Lei­ters sowie Kla­ri­net­tis­ten und Alt­sa­xo­fo­nis­ten Rei­mer von Essen im Okto­ber nächs­ten Jah­res ter­mi­niert sei.

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Text und Foto­gra­fie von Klaus Mümp­fer – Mümp­fers Jazz­no­ti­zen

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