Al Di Meola mit „New World Sinfonia“ in der Rüsselsheimer Jazzfabrik, 6. Mai 2009

Das ist ein Konzert nach dem Motto „Das eine tun, ohne das andere zu lassen“. Schnelle Fingerbewegungen und die Leidenschaft von Flamenco sowie Tango prägen das Konzert des Gitarristen Al DiMeola bei der Jazzfabrik im nahezu ausverkauften Rüsselsheimer Theater. 

Mit seiner „New World Sinfonia“ pflegt der Gitarrist ungeachtet der Jazz-Rock-Fusion-Vergangenheit erneut seine alte Liebe Flamenco und Latin vor allem mit der Verehrung des legendären Tango-Erneuerers Astor Piazzolla. Von dessen emotionaler Melodik getragen sind viele Stücke, die der Gitarrist mit seinem Sextett präsentiert. Piazzollas Musik habe ihn vom ersten Ton an magisch angezogen, erinnert sich DiMeola. Jene „Tango Suite“, die der Argentinier ihm einst zugeschickt hatte und die die beiden wegen des Todes des Komponisten nicht zusammen aufnehmen konnten, war an diesem Abend in Rüsselsheim nicht zu hören. Doch Fausto Beccalossi trifft mit seinem Knopfakkordeon und dem sparsam eingesetzten, ausdrucksstarken Gesang die Intensität der Kompositionen. Andererseits kann es der inzwischen fast 55-Jährige Gitarrist nicht lassen, immer wieder jene atemberaubenden Wahnsinnsläufe in die Kompositionen einzubauen, die den Zuhörer faszinieren. So kommt es schließlich zu einem High-Speed-Wettstreit von DiMeola und Beccalossi. 

DiMeola zählt gewiss immer noch zu den schnellsten Gitarristen der Welt, hat aber die Reife erlangt, diese Technik nicht im Selbstzweck erstarren zu lassen, auch wenn er nach einem solchen Solo-Lauf sich freudestrahlend nach seinen Mitmusikern umsieht. 
Deshalb ist es immer wieder ein mitreißendes Erlebnis, die Saitenläufe des Gitarristen zu verfolgen, auch wenn es in seinem Spiel musikalisch nicht viel Neues gibt. So sind die explosiven Schlussakkorde inzwischen ebenso zu einem Markenzeichen geworden wie die extremen Dynamiksprünge, die im Timing präzisen Breaks und die rhythmische Perfektion. Jeder Ton sitzt präzise und glasklar, wenn die Linke rasend schnell über das Griffbrett wandert und die Rechte stakkatoartig die Saiten anreißt. Was seine „New World Sinfonia“-Konzerte von früheren Auftritten abhebt , sind insofern vor allem die Klangfarben, die der sardische Gitarrist Peo Alfonsi und der italienische Akkordeonspieler Fausto Beccalossi beisteuern. 

Reizvoll ist das kontrastierende Duo-Spiel von Alfonsi und DiMeola. Der eine übernimmt den Part des filigranen Melodiegebers, der andere lässt auch in langsameren Stücken die Saiten der akustischen Gitarre stählern klingen. Raffiniert ineinander verwobene und einander umspielende Melodielinien der beiden Gitarristen werden nicht selten auf- und abgelöst durch DiMeolas knallende Flamencoakkorde. In „Café 1930“ schwelgt nach einer sensiblen Gitarren-Intro das Akkodeon in Tango-Schwermut, während das Gitarristen-Duo sich in der Intensität steigert und die Band schließlich kraftvoll treibend einsteigt. 

Wie ein cantus firmus hebt sich gänzlich neuartig eine Klangfarbe von der laufenden harmonik ab. Ganz offensichtlich hat der Meister einen Synthesizer an seine akustische Gitarre abgeschlossen, mit dem er hin und wieder Sounds wie von Steel-Drums über das Akkordeonspiel legt. Eine rhythmische tragende Rolle spielen der Percussionist Gumbi Ortiz, dem DiMeola mit „Gumberio“ gar eine Komposition widmet und der Schlagzeuger Peter Kaszas. Ortiz Spiel auf den Congas und der Holzkastentrommel Cajun wird abgerundet durch das zumeist auf die Becken verlegte Spiel von Kaszas. 
Das Publikum feiert DiMeola und die Band stehend mit schier endlosem Beifall und wird mit „Mediterranean Sundance“ belohnt.