Django, Coltrane – und Klezmer


Neue CD: Django’s Tiger – Jankeje & Guttenberger feat. Ondřej Štveráček

Eine der ersten Schallplatten des seit über einem halben Jahrhundert existierenden Labels „JazzPoint Records“ nannte sich „Routes to Django“ – und alle Wege führten das damalige Wunderkind Biréli Lagrène zu dem legendären Django Reinhardt (1910-1953). Die jüngste Produktion der mittlerweile in Weinsberg angesiedelten Firma ist nun mit „Django meets Coltrane“ betitelt. Passen Gypsy-Musik und der hymnische Free Jazzer John Coltrane überhaupt zusammen? Ja!

Und dies dank des Tenorsaxophonisten Ondřej Štveráček. Der 1977 geborene Tscheche wurde als Gastsolist von dem in Deutschland ansässigen slowakischen Kontrabassisten Jan Jankeje gewonnen. Jankeje bildet längst mit dem Vater-Sohn-Gitarren-Paar Mano und Moreno Guttenberger ein bestens aufeinander eingespieltes Team. Der virtuose „special guest“ fügt sich da überaus harmonisch ein, lässt sich von „Trane“ inspirieren, kopiert den innovativen Amerikaner aber nicht. Letztendlich ein in sich stimmiges (schlagzeugloses) Quartett voller Virtuosität.

Eine hymnische Beseeltheit allenthalben, daneben technisch versierte Bebop-Phrasen. Ebenso in quasi traumwandlerischer Präzision agiert sologitarristisch Papa Mano Guttenberger, während Filius Moreno unermüdlich mit dem harmonisch-metrisch-rhythmischen Fundament dient. Unorthodox und ganz eigenartig geht Jan Jankeje mit Druck und Drive am Kontrabass zu Werke. Besonders prägnant sind da seine glissandierenden Doppelgriffe – zupfend und mit dem Bogen. Jankeje steuerte zum Silberling auch eine alte Eigenkomposition bei („Zum Trotz“). Gleich drei Stücke stammen aber von Übervater Django Reinhardt („Minor Swing“, „Django’s Tiger“, „Nuages“). Daneben enthält die CD mehrere ohrwurmige Jazzstandards, inklusive „Summertime“.

Und dann birgt der Tonträger zwei Titel aus dem Klezmer-Genre: „Hava Nagila“ und „Bei mir bist du schön“. Eine respektvolle Ehrbezeugung für den Aufnahmeort, in dem der 14 Titel umfassende Tonträger vor Publikum am 27. Januar 2026 (Holocaust-Gedenktag!) live mitgeschnitten wurde, in der zum Museum gewordenen Synagoge in Affaltrach (Landkreis Heilbronn).

Bei YouTube gibt es neben dem Ton davon auch etwas zu sehen…

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