Wieder ein Kinder-Workshop mit dem Jazzmusiker Gunter Hampel

Bereits 1981 animierte der Multiinstrumentalist die Kids zum Improvisieren

SCHWÄBISCH GMÜND. Anlässlich des Landes-Jazzfestivals in Schwäbisch Gmünd führt der Wahl-New Yorker Gunter Hampel (72) die junge Generation in die Kunst des wirklich selbstständigen Musizierens ein. „Vom Spiel zur Improvisation“ nennt sich der am 21. April 2010 startende dreitägige Workshop, zu dem der international renommierte Avantgarde-Pionier und seit 2009 sogar Bundesverdienstkreuzträger Hampel interessierte Kinder im Alter zwischen 5 und 12 Jahren erwartet. Die Teilnehmergebühr beträgt 20 Euro. Anmeldungen sind beim Schwäbisch Gmünder Kulturbüro, Tel. (07171) 603-4118, einzureichen.

Seit Jahrzehnten schon bemüht sich Gunter Hampel (Flöte, Bassklarinette, Baritonsaxofon, Piano, Vibrafon) direkt an der Basis um eine fortschrittliche Musikerziehung. Der Klarinettist Hans Kumpf beobachtete seinen Kollegen Gunter Hampel, als dieser im Oktober 1981 bei einem Festival in Ludwigsburg sich der Kids methodisch-didaktisch annahm.

Jazz nicht als konsumierbares Produkt, sondern als Musik zum Mitmachen gab es in der Schlussveranstaltung des 2. Ludwigsburger Jazz-Festivals. Im Breuningerland weihte der Multiinstrumentalist Gunter Hampel ein Dutzend Kinder etwas in die Geheimnisse des Jazzens ein. Und es machte den Kleinen schon Spaß, zusammen mit weltbekannten Musikern auf der Bühne zu sein.

Gunter Hampel gehört zur ersten Generation der deutschen Free-Jazzer. Nach wie vor ist die unmittelbare Spielfreude das hauptsächliche und vorantreibende Moment, während Kollegen von einst bereits schon mehr oder weniger kommerziell und bürgerlich geworden sind. 

Intuition und Feeling werden bei Hampel nach wie vor großgeschrieben, seine Musik ist immer noch eine direkte Botschaft. Kein Wunder, dass er sich für den Nachwuchs (seien es aktive oder passive Jazzer) von morgen und übermorgen engagiert: er veranstaltet seit Jahren Kinderworkshops. In der Regel werden diese von Musikschulen oder Gemeinden veranstaltet und dauern eine Woche.

Erstmals führte Hampel damals, 1981 also, einen eintägigen Kurs durch. Dies hatte zwangsläufig zur Folge, dass man nur die einfachsten Formen musikalischer Kommunikation einüben konnte. Ein Dutzend Kinder brachten die unterschiedlichsten Instrumente mit: Glockenspiel, Kindertrommel, Blockflöte, Triangel, Tamburin – es reichte aber auch nur ein Karton, der als Schlagzeug umfunktioniert wurde. 

Gunter Hampel fing spielerisch an: einen Ball sollten die Kinder im Kreis herum sich zuwerfen. Danach wurde dieses Reaktionsspiel auf die Musik übertragen, als die Jungmusiker ihr Händeklatschen „kreisen“ ließen. Wirklich individuelle Musikausübung und kreatives Musizieren war wegen der Kürze der Zeit nicht möglich. So beschränkte sich Gunter Hampel darauf, die Kleinen das Metrum zur Musik seines Quartetts mit dem Namen „Galaxie Dream Band“ mitvollziehen zu lassen. Gewiss, swingen konnte die Kinderschar nicht – dazu waren bei ihnen die sensu-motorischen Fertigkeiten noch nicht ausgebildet. So das Unternehmen schon als gelungen bezeichnet werden, wenn der Nachwuchs einigermaßen gleichmäßig das Metrum schlagen oder blasen konnte.

Dieses rhythmische Musizieren bereitete den Kindern sichtlich viel Freude, sie waren meist konzentriert bei der Sache, und Gunter Hampel selbst fühlte sich, nach eigener Aussage von deren „Vibrations“ inspiriert. Er wählte rhythmisch besonders eingängige Stücke im 4/4-Takt und auch im 3/4-Takt aus, beispielsweise seinen „Dance For Children“ oder den „Waltz For Universes In A Corridor“. Vibrafon oder Bassklarinette nahm Gunter Hampel nicht in Anspruch – er bediente sich des bereitgestellten Flügels. Klarinette blies der Amerikaner Perry Robinson, sozusagen der erste Klarinettist der Jazz-Avantgarde, Thomas Keyserling war auf Flöte und Altsaxophon zu hören, Martin Bues saß am Schlagzeug. Die Vier waren seit langer Zeit musikalische Partner, und sie hatten ein musikalisches Konzept perfektioniert, welches im scheinbaren Durcheinander feste Ordnungselemente enthält – große individuelle Freiheit vereint sich hier mit intensivem Gemeinschaftserlebnis.

Das Gemeinschaftserlebnis und das doch ziemlich ungezwungene Musizieren war es, das die Kinder für die eigentlich ungewohnte „freie“ Musik sensibilisiert und begeistert hat. Zwischendurch wurde zwar aus der musikalischen Repertoirekiste „Freude, schöner Götterfunken“, „Hänschen klein“ oder gar eine Weihnachtsweise herausgekramt, aber hängen von einer Avantgarde-Jazz-Improvisation blieb sicherlich etwas. Nicht zu unterschätzen blieb, dass hundert älterer Besucher im „Breuningerland“ mit der Musik von Gunter Hampel konfrontiert wurden und dadurch zum Free-Jazz vielleicht einen Zugang finden konnten.